Pfarrchronik 1859 – 1870

1859

 

Pfarrchronik Krumpendorf 1859 Seite 1

Pfarrchronik Krumpendorf 1859 Seite 1

Vor dem Antritte des Pfarrers Johann Koller war im Gedenkbuche nichts verzeichnet. Ich fand bei meinem Antritte das liber memorabilium unbeschrieben vorliegen. Um der obzitirten Verordnung [vom 26. Oktober 1846] schwach zu genügen, fange ich dasselbe an: in Nomine Domini. – Die hiesige Pfarrkirche St. Ulrich in Pirk / u Brezi / hat nur eine Filialkirche und zwar: St. Georg in Krumpendorf. Diese Filialkirche gehörte einstens mit einigen Insassen von Leinstorf, Krumpendorf und Srallach zur Pfarre Maria Wörth. Bei der Pfarrregulierung kam selbe erst zu Pirk. Bei dieser Filialkirche scheint auch ein Friedhof gewesen zu sein. Es heißt noch jetzt der Ort am Friedhofe / na Britofu / und der nächste Keuschler, welcher zugleich Filialmessner ist, das ist: er thut Grußleuten, die übrigen kirchlichen Verrichtungen mit dem Priester besorgt der Pfarrmeßner, heißt auch Friedhofer / britofnik /.

Pfarr-Kirche St. Ulrich in Pirk. Die Erbauung dieser Kirche fällt in das 15. Jahrhundert, denn in einer Stiftungs-Urkunde vom Jahre 1769 ist zu lesen: „Anno 1510 muthmaßich das Gotteshaus von der herumliegenden Pfarrgemeinde ist erbaut worden wegen aufhabender Seelsorg.“ Südöstlich von der Kirche ist der Ulrigibrunnen. Am Ulrigitag wird auch das Wasser geweiht und soll nach dem Volksglauben dem Fieber abhelfen. Im Schloße Draßing besteht eine Hauskapelle. Einstens wohl zu kirchlichen Zwecken benützt, jetzt ist selbe ein Getreidebehältniß. Unter Hojobitsch ist eine Kapelle neuerer Zeit, wo die Hojobitscher zur Sommerzeit den Rosenkranz beten. Selbe ist erbaut von Johann Krainer vlgo Krainer zu Hojobitsch und dessen Sohn Bartelmä Krainer, jetzigen Besitzer der Krainerhube, im Jahre 1855 und im selben Jahre am 26. August von Hochwürdigen P.T. Herrn Simon Rudmasch, k. k. Volksschul-Inspektor und Schulrathe für Kärnten eingeweiht. Diese Kapelle ist im Jahre 1860 am 8. August durch einen Blitzstrahl beschädiget worden, und von den Hojobitschern wieder hergestellt, am 26. August desselben Jahres von Johann Koller, Ortspfarrer, eingeweiht.

Bei der Pfarrkirche Pirk befindet sich ein Friedhof, der aber, auf felsigem Grund erbaut, zu klein wurde. Durch 30 Jahre zogen sich die Verhandlungen über diesen Friedhof, weil einige Insassen von Krumpendorf und Srallach den Friedhof zur Filialkirche St. Georg nach Krumpendorf bringen wollten.

Der Friedhof kommt von der Pfarrkirche ganz weg und nach Krumpendorf! Wie erschrak da die Pfarrgemeinde! Die Böswilligen riefen: Der Pfarrer ist schuld! Ja, er ist schuld, ans Kreuz mit ihm! Das Haupt dieser rohen Rotte war Thomas Pleger vlgo Lorber zu Srallach. Alle bis auf 5 Köpfe wünschten nur den alten Friedhof bei der Pfarrkirche.

Pfarre St. Ulrich.

Die Pfarre St. Ulrich in Pirk, nördlich am Werther See gelegen, begreift in sich einen Flächenraum von ¾ Meilen und gränzt östlich an die Pfarre Tultschnig, südlich an der Werther See und durch diesen an die Pfarre Keutschach und M. Wörth, westlich an die Kuratie Pörtschach am See, nördlich an die Pfarre Moosburg und Kuratie St. Martin am Ponfeld.

Die zur Pfarre Pirk gehörige Trivialschule wurde im Jahre 1817 errichtet und der damalige Hr. Lehrer David Gangl von Ehrenwerth angestellt.

Das Schullokale ist gemiethet und in einem sehr schwachen Zustande, vom Pfarrorte ¾ Stunden entfernt in der Ortschaft Srallach. Dies das größte der Übel für den Pfarrer und Schulkinder, zu dieser Schule ist die ganze Schulgemeinde eingeschult.

Die Stimmung der Gemeinde im Allgemeinen gut, besondere Gebräuche und Vorurtheile keine. Zum Trunke das männliche Geschlecht sehr geneigt, das weibliche zur Putzsucht und Unsittlichkeit. Lau und träg zum Gottesdienst. Sehr wenig Sinn für Verschönerung in der Kirche. Voll Mißtrauen gegen Vorgesetzte. Die Sterblichkeit infolge herrlicher Lage gering. Gewissenlos im Wald und auf dem Felde mit Mein und Dein.

 1862

 

Im Oktober 1862 fing man an, die Eisenbahn von Klagenfurt bis Villach zu bauen. Im Jahr 1863 war der Bahnhof zu Klagenfurt am 31. Mai, also am H. Dreifaltigkeitssonntag, durch Se Fürstbischöfliche Gnaden Valentin Wierÿ, Fürstbischof von Gurk und Dr der Theologie, eingeweiht und am 1. Juni desselben Jahres die Strecke von Marburg bis Klagenfurt dem Verkehr übergeben.

 

1863

 

Im Jahre 1863 waren bei dem Bau der Eisenbahn viele fremde Arbeiter verschiedener Nationen. In hiesiger Pfarre bei 500 Personen. Beim Wipponig zu Krumpendorf, wo ein Gasthaus ist, entstand ein Raufhandelt zwischen 2 Italienern und 2 von unsern Leuten. Der Wirth und Besitzer derer Wipponighube, Ignatz Sabattnig, schon im Bett, stand auf und wollte die Raufenden besänftigen. Das Licht wurde ausgelöscht und der Wirth erhielt von einem Raufbold einen Streich mit einem Stuhl über den Kopf, daß er sogleich bewußtlos voll Blut niedersank. Johann Koller als Ortspfarrer wurde in der Nacht 11 Uhr am 1. Juni 1863 gerufen, welcher dem Unglücklichen die letzte Ölung ertheilte. Am 2. Juni 5 Uhr früh mußte Ignatz Sabattnig in seinen besten Jahren, er war 51 Jahre und von sehr starkem Körperbau, seinen Geist aufgeben. Die Raufbolde nahmen freilich das Fersengeld, wurden jedoch eingezogen, aber keiner wollte den Streich geführt haben.

Akatholiken sind in hiesiger Pfarre keine. Die Gesamtzahl der Pfarrinsassen betrug im Jahr 1863 nach vorgenommener Zählung 540. Joh. Koller.

 

1864

 

Im Jahr 1864 fuhr probeweise am 12. Jänner 9 Uhr Vormittag das erste Eisenpferd-Dampfmaschine von Klagenfurt bis Villach in 1¼ Stunden. Am 4. Februar wurde ein Eisenbahnarbeiter, aus Italien gebürtig, 19 Jahre alt, mit Namen Jakob Trojan, durch übermäßigen Genuß des Branntweins getödtet. Der Branntwein entzündete sich in ihm und der junge Mann ging ohne Sterbsakrament in die Ewigkeit. Am 6. Februar wurde er von Pfarrer Joh. Koller im hiesigen Friedhofe eingesargt. Am 30. Mai wurde die Eisenbahnstrecke von Klagenfurt bis Villach dem öffentlichen Verkehre übergeben. Bei dem Ausbau dieser Strecke hat die Verschüttung des kleinen Sees außerhalb Leinsdorf dem Unternehmen die meisten Hinderniße bereitet.

In diesem Jahre wurden in hiesiger Pfarre 7 Paare getraut, geboren wurden in diesem Jahre 14 Kinder, 8 eheliche, 6 uneheliche, gestorben sind 11 Personen, von [denen] zwei nicht versehen werden konnten. Joh. Koller

 

1866

 

Das Jahr 1866 war ein unglückliches Jahr. Schon zu Anfang desselben wurde von Krieg zwischen Preußen, mit Italien vereint, gegen Oesterreich laut gesprochen. Beiderseits wurden Vorbereitungen getroffen. Tag für Tag gingen 4-5 große Eisenbahnzüge mit verschiedenem Militär, samt nöthigen Pferden, Kanonen, Fuhrwesenwagen etc. durch Krumpendorf gegen Verona. Bei Villach um das Warmbad standen 4000 Stück ungarische Ochsen als Vorrath für unser Militär (…). Die Ochsen wurden gleichfalls auf der Eisenbahn bis Villach befördert. Ein freiwilliges Jäger-Corps wurde geworben. Die Ausrüstung derselben den Gemeinden überlassen. Am 24. Juni kam es bei Custoca zwischen Italien und Oesterreich zur Schlacht, unter dem Feldherrn Erzherzog Albrecht. Die oesterreichische Südarmee siegte bei Custoca, um oesterreichisches Italien auf immer zu verlieren.

In diesem Jahr waren 4 Trauungen, 13 Geburten, davon 9 ehelich, 4 unehelich, 18 Sterbfälle, davon 12 Kinder, 6 Erwachsene. Der älteste, Dionis Čemernjak, war 93 Jahre alt. Das Getreide gedieh in diesem Jahre gut. Am Weizen war Brand, an den Erdäpfeln in manchen Gegenden die Fäulniß. Die Bienen geriethen schlecht. Von 22 Mutterstöcken verlor ich durch den Winter 3, die übrigen 19 lebten kaum. Joh. Koller

 

1867

 

Am 16. Mai besuchte Fürst Erzbischof Maximilian von Tarnozi Klagenfurt, machte in Begleitung unseres Fürstbischofs Dr Valentin Wierÿ einen Ausflug nach Pörtschach am See und zurück nach Klagenfurt. Am 18. gingen beide zur Eröffnung des für uns so wichtigen Reichsrathes.

Im Juni d. J. ist Max, Kaiser von Meksiko, Bruder Sr k. k. Apostol. Majestät Franz Josef, Kaiser von Oesterreich, zu Mexiko erschossen worden. Viceadmiral Tegethof wurde beauftragt, den kaiserlichen Leichnam von Mexiko nach Oesterreich resp. Wien zu bringen. Am 5., 6. August veranstalteten wir, als Ordinationskollegen vom Jahre 1841 et 1842, zu hl. Kreiy bei Sauerbrunn in Untersteier, durch Vermittlung des Kollegen Ignatz Oraschen, Hauptpfarrer zu hl. Kreiy, unser 25jähriges Ordinationsfest.

 

1868

 

Geboren wurden 18 und zwar 9 eheliche und 9 uneheliche, verstorben 11 und zwar 6 Erwachsene und 5 Kinder. Drei wurden nicht versehen, vier aus Nachlässigkeit der Hausleute, zwei wegen schnellen Todes. Joh. Koller

 

1869

 

In den ersten 3 Sonntagen des November ein vollkommener Ablaß wegen den am 8. No[vem]ber zusammen berufenen allgemeinen Concil zu Rom unter Pius IX., welcher als Papst sein 50jähriges Priesterjubiläum am 11. April 1869 zu Rom gefeiert hat. O schwere Zeiten für dich, Hl. Vater, Bischöfe und Priester! Man will die Religion, die Träger derselben, Sittlichkeit und Gottesfurcht aus der Welt verbannen. Veni sancte Spiritus! O Herr, auf dich hab ich vertraut und werde nicht zu Schanden werden. Si totus illabitur orbis, inpavidus terret ruinam. Nunc nox est et mox dies erit. Reposita est haec spes in sinu meo. Joh. Koller.

Am 27. 8ber ist ein 24 Zoll hoher Schnee wieder gefallen. Der erste von 18. 8ber ist zwar vergangen, ob aber der 2te vergehen wird, ist sehr zu bezweifeln. Ungeschnittener und geschnittener Haiden, Erdäpfel, Rüben und Kraut ist unterm Schnee vergraben. Zgodi se volja božja! Joh. Koller

Am 24. November ¾ 2 Uhr Nachmittag sind Se fürstlich Gnaden, der hochwürdigste Ordinarius Hr. Valentin Wierÿ, nach Rom zum allgemeinen Concil abgereist. Die Begleitung zum Bahnhof bildete ein langer Zug von Equipagen und Fußgängern. Abends zuvor wurde der katholisch-konstitutionelle Volksverein costituirt. Bei 200 Menschen haben sich dabei eingefunden.

 

1870

 

Das naturhistorische Landesmuseum zu Klagenfurt hat den Hrn. Dr Karl Vogt, einen Schweizer, besorgt und ihm für 6 Vorlesungen über die Abstammung des Menschen vom Affengeschlechte 900 fl. bezahlt. Die Klagenfurter Theaterdirektion beglückte in diesem Fasching die Bewohner mit einer Tänzerin und Sängerin auf 8-10 Tage, damit sie durch ihr unverschämtes Spiel und durch ihren zotigen Gesang auch die Grundlagen der Sittlichkeit untergrabe. Gegen die Kirche und für die Sinnlichkeit, sonst geht nichts mehr. Der Hr. Landespräsident Baron Kübeck hat durch die 10 Tage der sämmtlichen studirenden Jugend den Besuch des Theaters verbitten lassen. Sehr brav!

Am 22., 23., 24. 7ber 1870 große Kälte und Reif. Die Heide ganz vernichtet. Im Frühjahre die Wintersaat durch den 6 Monate liegenden Schnee zu Grunde gerichtet und jetzt die Heide durch den Reif vernichtet, bringt dem Landmann zu großen Schaden. Ich weiß nicht, wie ich die Dienstbothen zahlen werde und noch für 3 Quartal 1870 Steuern abtragen. O Gott, steh mir bei!

Am 1. Feber mußten bei Sedan im furchtbaren preußisch-französischen Kriege oder vielmehr Gemetzel 90.000 Franzosen die Waffen strecken und Kaiser Napoleon III. wurde gefangen. Dieser Krieg kostete gewiß schon über eine Million Menschenleben und dauert noch fort. Paris wird belagert.

Am 18. September wurde der 2te slovenische Tabor zu Selprič bei Velden abgehalten. Der Selpričer Wirth Hr. Koschar veranstaltete und eröffnete denselben mit einer kurzen Anrede.

Am 10. Dezember l. J. erkrankte der Ortspfarrer an einer Lungen- und Leberentzündung mit heftigem Blutbrechen. Zu Weihnachten hielt hier aushilfsweise den Gottesdienst Hr. Gregor Jäger, Professor der Katechetik und Pädagogik zu Klagenfurt.

 

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