Pfarrchronik 1871 – 1875

1871

 

Am Neujahrstage hier, wegen Krankheit des Pfarrers und wegen Mangel an Priestern, kein Gottesdienst. Vom 6. Jänner bis 12. Februar haben an Sonn- und Feiertagen die P.P. Kapuziner hier kirchliche Aushilfe geleistet. Die Versehgänge, Taufen und Begräbniße haben die beiden Nachbarpfarrer Hr. Jakob Schellander von Moosburg und Hr. Peter Tscharre von Pörtschach am See verrichtet. Am 13. Februar hat der Ortspfarrer ungeachtet des Blutbrechens wieder die hl. Messe gelesen.

 

1872

 

Am 10. Juli, ½ 1 Uhr Mittags, brannte das Dorf Moosburg, Kirche und Pfarrhof, bis auf drei Häuser ganz ab.

In kirchlicher Beziehung sieht es sehr traurig aus. Besonders in Italien und in dem großen Deutschland wird die Kirche verfolgt, Klöster aufgehoben, Mönche aus ihrem Vaterland vertrieben, Gesetze fabrizirt zur Verfolgung des Klerus, wenn er außer Acht läßt zu lehren. „Man muß dem Kaiser mehr glauben als Gott.“ Auch in unserem lieben Oesterreich haben manche Landtage, auch unser Klagenfurter Landtag, die Vertreibung der Jesuiten petitionirt. Man will ohne Gott regieren. Der sogenannte Liberalismus muß ohne Gott über allen Partheien stehen. Diese Parthei ist der größte Despot. Sogar in hiesiger Schule haben solche liberale Herrn den Religionsunterricht in deutscher Sprache dekretirt. Ich kann dies nicht über mein Herz bringen und die Schulkinder in einer ihnen unverständlichen Sprache in der Religion unterrichten, da sie zu Hause und in der Kirche nur slowenisch, bis auf 3 Häuser, diesen Unterricht erhalten. Hr. Kurzl zu Krumpendorf und Hr. Ritter v. Reiner wollen sich diesbezüglich als liberal zeigen, Hr. Kurzl will auch nach Art der Juden-Presse durch Wortverdrehungen und Beschimpfungen sich liberal zeigen. Jedoch gut, dass er in hiesiger Gemeinde wenig Anklang findet. Trau, schau, wem?

NB. Nähere Anschreibung über die Unterrichtssprache in der Religion aus den verschiedenen Erläßen:

Nr. 1023 / 51 An den wohlehrwürdigen Herrn Johann Koller, Pfarrer zu Pirk. Von dem k. k. Landesschulrathe ist mit Note vom 17. d. M. Z. 473 Nachstehendes anher mitgetheilt worden:

„Die Gemeindevorstehung Krumpendorf hat in Rücksicht auf den Umstand, als an der Volksschule zu Pirk / Krumpendorf / der Unterricht von jeher in der deutschen Sprache ertheilt wurde, und es in dieser Schule gar keine Kinder gab, welche nicht deutsch verstünden, wohl aber viele, welchen die slovenische Sprache ganz fremd ist, an den k. k. Bezirksschulrath Klagenfurt Land die Bitte gestellt, dem Herrn Pfarrer Koller zu Pirk, welcher sich beim Religionsunterrichte fast ausschließlich der slovenischen Sprache bedienet, dazu zu verhalten, im Interesse eines gedeihlichen Unterrichtes denselben nun in deutscher Sprache zu ertheilen.

Nachdem der k. k. Bezirksschulrath erklärte, daß es nicht nur billig, sondern auch sehr zweckmäßig wäre, dem allgemeinen Wunsche der Bevölkerung Rechnung zu tragen, so hat der k. k. Landesschulrath kraft der ihm nach § 6 des Reichsvolksschulgesetzes zustehenden Rechtes den Beschluß gefaßt, dem Ansuchen der Gemeindevertretung Krumpendorf gewährende Folge zu geben. Hievon beehrt man sich, das hochwürdige Ordinariat in die Kenntniß zu setzen mit dem diensthöflichen Ansuchen, den Herrn Pfarrer Koller von dem hierämtlichen Beschluße zur Darnachachtung verständigen zu wollen.“

Die Richtigkeit der von der Gemeindevorstehung aufgestellten Behauptung vorausgesetzt, daß es nämlich in der dortige Schule gar keine Kinder gebe, welche nicht deutsch verständen, wohl aber viele, welchen die slovenische Sprache ganz fremd ist, – erhalten Herr Pfarrer hiemit die Weisung, sich in Hinkunft der allen Kindern verständlichen deutschen Sprache bei dem Religionsunterrichte zu bedienen, und hiedurch nicht nur dem Wunsche der Gemeinde Rechung zu tragen, sondern auch durch Beseitigung des zeitraubenden Gebrauches eines zweifachen Unterrichtssprache das Gedeihen Ihres Unterrichtes, auf welches vor Allem das Augenmerk gerichtet werden muß, zu fördern.

Sollte aber Ihr bisheriges Vorgehen, im Gegensatz zu obiger Behauptung, in dem Umstande begründet, und auch für die Zukunft angezeigt erscheinen, daß die meisten oder doch einige Kinder der deutschen Sprache völlig unkundig oder wenigstens zum Verständniße der Religionswahrheiten nicht hinlänglich mächtig seien, so haben Sie über diesen Sachverhalt unter Namhaftmachung jener Schüler, bei welchen dieser Umstand zutrifft, anher Bericht zu erstatten.

Fürstbischöfliches Gurker Ordinariat zu Klagenfurt am 28. März 1872. Im Auftrage Sr fürstbischöflichen Gnaden. P. Funder m.p., Kanzleidirektor.

No 44 Hochwürdigstes f.b.G. Ordinariat!

Der ehrfurchtsvoll Gefertigte würde recht gerne und pflichtgemäß der Weisung des hochwürdigsten Ordinariats nachkommen, wenn die unter Voraussetzung der Richtigkeit der von der Gemeindevorstehung aufgestellten, vom k. k. Bezirksschulrathe acceptirten und vom K. k. Landesschulrathe bestätigten Behauptung bezüglich der Unterrichtssprache, nicht anders, denn eine klare, reifere Eingehung der Pädagogik wäre. Allein die Richtigkeit der Behauptung der Gemeindevorstehung und infolge dessen alle weiteren Eingehungen erlaubt sich der gehorsamst Gefertigte entschieden und ein für allemal zu bestreiten. Die Schule zu Pirk besuchen 36 Knaben und 24 Mädchen. Unter 60 Schulkindern sind 6 deutsche und zwar: 4 Knaben und zwei Mädchen. 54 Schulkinder sind Slowenen, und trotz dem, daß der Unterricht in den übrigen Gegenständen in deutscher Sprache ertheilt wird, sind sie derselben nur sehr kümmerlich kundig, also durchaus nicht im Stande, den Religionsunterricht in derselben zu erfaßen. – Sogar ganz abgesehen davon, daß die 6 deutschen Schulkinder in Folge des Umganges etwas slowenisch verstehen, scheint es dem gehorsamst Gefertigten doch ein zu kühner Angriff auf die Regeln der Logik und Pädagogik, daß 54 Kinder sich nach 6 richten sollten. (…) Schließlich erlaubt sich der Gefertigte, noch folgende Punkte anzuführen. Die Sprachunterrichtsfrage gehört vor die Schulgemeinde und nicht vor die politische Ortsgemeinde. Der Gefertigte, dem nach dem Gesetze, da er nicht in den Schulrath gewählt wurde, zwar nicht die beschließende, doch eine berathende Stimme zukommt, wurde nie zu einer Ortsschulrathssitzung eingeladen. Ein in seiner Art ganz eigenthümlicher Grund, warum man gar so sehr auf die Ertheilung des Religionsunterrichtes in deutscher Sprache dringt, ist auch der, daß dem Hrn. Lehrer, der der slowenischen Sprache nicht mächtig, desto leichter geschehe. – Der gehorsamst Gefertigte bittet, ein Hochwürdigstes F.B.G. Ordinariat wolle gnädigst seinen Bericht gutächtlich einbegleiten. – Pfarramt Pirk am 17. April 1872. Joh. Koller m.p., Pfarrer.

 

1873

 

In der Nacht 12 Uhr wurde durch den verkehrenden Zug an der Eisenbahnstrecke beim kleinen See nächst Leinsdorf vom 25. auf den 26. Feb. l. J. eine unbekannte Mannsperson, circa 40 Jahre alt, so zu sagen in Stücke gerißen und so dort aufgefunden. Nach gerichtlicher Beschau im hiesigen Friedhof begraben.

Am 31. Mai 1873 großer Schneefall, der blühende Roggen und sämmtliches Getreide unter dem Schnee begraben. Die Obstbäume sehr beschädigt. Ein Theil von Roggen wurde abgemäht.

Am 29. Juni 5 Uhr früh wurde hier ein bedeutendes Erdbeben verspürt in zwei Intervallen.

Am 3. Juli kam der Kronprinz Rudolf in Klagenfurt an, 3 Uhr Nachmittag. Um 4 Uhr war Dinner. Er besuchte dann 7 Uhr Abends die Schwimmschule, auch die beiden folgenden 2 Tage besuchte er dieselbe. Am 4. Juli fand die Enthüllung der neuen Statue der Kaiserin Maria Theresia statt. Dem F.Bischofe von Gurk Dr Valentin Wierÿ machte der Kronprinz einen Besuch. So machte er auch Besuche der Hüttenberger Union, ging nach Villach, Tarvis, (…) Bleiberg und Hl. Blut.

Gesehen und die Anerkennung ausgesprochen bei der dekanatl. Visitation am 12. Oktober 1873, Andreas Alijančič.

In dieses Jahr fiel auch die großartige Wiener Weltausstellung vom 1. Mai bis 2. November und kostete 15 Millionen Gulden. In dieser Zeit ist auch der große Börsenkrach in Oesterreich zu verzeichnen. Schuster und Schneider, Studenten spielten schon auf der Börse und probirten ihr Glück. Viele wurden Millionäre, viele Bettler. Infolge dieses großartigen Schwindels suchten mehrere das Weite wie Amerika etc. Andere bereiteten sich mittelst Strick, Revolver, Ciancaly etc. den traurigen Weg in die Ewigkeit. Andere wurden eingekastelt, so Baron von Sterneck und Genossen (…). Dies geschah ohne Konkordat mit Hilfe des partheiischen Liberalismus. Der arme Steuerbürger, sowohl Bürger als Bauer!

Der Dienstbothe will alles verschlingen, der Lohn ist ihm zu gering, die Arbeit zu schwer! O traurige Zeit, wie weit hast du schon in Liberalismus gebracht ohne Religion! Der gewöhnliche Bauer muß in diesem Jahre darben. Die Ernte war schlecht. Auf dieser kargen Ernte kein Segen. Ungeachtet der hohen Preise in Vieh und Getreid, klagt doch Jedermann, Beamte, Bürger und Bauer. Alles ist Schein und Schwindel. Die Schullehrer Gehalte bedeutend erhöht und wollen dieselben verhungern. Der Priester bei seinem alten Gehalte muß darben, schweigen und Gott klagen: fiat voluntas tua.

 

1874

 

In diesem Jahr ist das 28te Papst-Jubiläum Sr Heiligkeit Pius IX. von der ganzen Christenheit gefeiert worden.

Der große Wiener Börsen Krach von 1873 macht erst hier bei uns in Kärnten seine schlimmen Folgen. Getreide- und Viehpreise sind um ein starkes Drittel zurückgegangen. Keine Nachfrage um Vieh, Getreide sehr billig. Die Bauern werden um die Steuern exequirt. Ich selbst konnte die Dienstbothen nicht ganz bezahlen.

Am 27. September wurden 4 neue Glocken von Fürstbischof Valentin Wiery in Moosburg geweiht. Die Glocken wurden in Laibach von Hrn. Semasa gegoßen. Die alten Glocken sind bei der am 10. Juli 1872 ausgebrochenen Feuersbrunst geschmolzen.Assistenz bei der Glockenweihe und der Kirche haben folgende Hrn. geleistet: Andreas Alijančič, Domkapitular und Dechant Umgebung Klagenfurt, Lambert Einspieler, fürstbischöflicher Secretaer, Simon Ašman, Pfarrer in Klein St. Veit, Josef Braun, Pfarrer in Tigring, Paul Rainer, Ortspfarrer, Josef Stefaner, Pfarrer in St. Martin am Ponfeld, Peter Čare, Pfarrer in Pörtschach am See, Johann Koller, Pfarrer in Pirk.

 

1875

 

Kaiser Ferdinand I. ist am 29. Juni 3 Uhr 45 Minuten Nachmittags auf dem alten Königsschlosse Hradschin zu Prag in dem Herrn entschlafen. Kaiser Ferdinand starb in dem hohen Alter von 82 Jahren. Er war voll tiefer Religiosität. Er hatte am Feste Peter und Pauli früh aus eigenem Antrieb die hl. Kommunion zu empfangen gewünscht und auch wirklich empfangen.

Das schöne Schulhaus in Krumpendorf wurde in den Jahren 1873 und 1874 gebaut. Es wurde für 2 Klassen errichtet und palastartig aufgeführt. Wegen Mangel an Schulkindern ist nur ein Schulzimmer bewohnt, das 2te eben gleich große Schulzimmer steht leer. Die Wohnung des zweiten Lehrers ist an die Familie von Krumauer vermiethet. Große Plage und Kosten hatte die Schulgemeinde. Auf einen ganzen Bauer kommt durch 20 Jahre 10 bis 12 fl. auf das Schulhaus. Das Geld wurde von dem Landes-Ausschuße als Darlehen gegeben und zwar in 2 Raten. Das 1. mal 5000 fl. und das 2te mal 3000 fl. Almosen wurden auch viele gesammelt. Auch Fortschritt mit Schwindel.

Land-Vila wurden hier, mehr noch in Pörčach und Velden gebaut. Fremde kommen hierher häufig auf Sommerfrische. Bauern-Häuser werden zu Wohnungen gemiethet. Diese Moden bringen dem Seelsorger wenig Freuden, ja mehr Leiden. Der einfache Landmann, die schlichte Bäuerin, Knecht und Magd wird in religiösen Dingen, Besuch des Gottesdienstes etc. lauer, gleichgiltiger, da derlei Sommerfrischler in Bezug auf den Gottesdienst etc. wenig Nachahmenswürdiges biethen. – Viele Wolkenbrüche, mit Hagelschaden an vielen Orten. Wintergetreide mußte halb unterbaut werden, Sommergetreide jeder Gattung recht gut.

Gesehen bei der Dekanats Visitation am 19. August 1875, Andreas Alijančič, Dechant

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