Pfarrchronik 1932 – 1934

 

1932

 

Der Winter 1931-32 führte ein strenges Regiment; von 1. Dez. bis nach Ostern 1932 viel Schnee und vielfach über 20o Cels. Kälte. Heuer hatten wir buchstäblich weiße Ostern und die Auferstehungsprozession konnte nicht den üblichen Weg gehen ob der Schneemenge.

Gemeinderatswahlen. Im Frühjahr fanden in Krumpendorf die Gemeinderatswahlen statt. Eine neue Liste wurde aufgelegt, die sogenannte Sparerliste. Der bisherige Bürgermeister, Baron Longo, dankte ab, da er die Absicht hat, Kärnten zu verlassen und auf seine Besitzungen nach Südtirol (Neumarkt) zu ziehen. Schade um den tüchtigen Mann!  Er war ein Edelmann in des Wortes wahrster Bedeutung! Anstelle des Baron Longo wurde Herr Schuldirektor Hubert Filla zum Bürgermeister gewählt, ein allseits beliebter, unparteiischer Mann. Die neue Gemeinderegierung mitsamt der Sparerliste beglückte ihre Wähler mit neuen Gemeindeumlagen. Anstatt 100 % gibt’s jetzt 260 % Gemeindeumlagen!! Ein kleines Bild der großen allgemeinen Krise.

Im Jahre 1932 fanden 11 Taufen, 6 Sterbefälle und 4 Trauungen statt.

Vidi in visit. can. 16.7.33, Val. Marklet, Dechant.

 

1933

 

Katholikentag in Wien. Am 10. September fand in Wien der Allgemeine deutsche Katholikentag statt, der an Großartigkeit alle bisherigen übertraf. Zahlreiche Kirchenfürsten von Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslavien, Polen und Frankreich – alle aus Österreich – nahmen daran teil. Aus dem deutschen Nachbarreiche konnte und durfte kein Bischof schon wegen der von der Hitler-Regierung verfügten 1000-M[ark]-Sperre kommen. Der hl. Vater Papst Pius XI. entsandte einen Stellvertreter, Eminenz Kard. de la Fontaine, zum Katholikentag nach Wien. An allen österreichischen Stationen, wo der päpstliche Legat vorbeifuhr, wurde er aufs herzlichste u. freundlichste von der christlichen Bevölkerung begrüßt. Auch aus dieser Pfarre nahmen etliche am Katholikentag teil, die ganz begeistert waren über den herrlichen Verlauf der Tagung.

Dr. Rohracher Auxiliarbischof v. Gurk. Der hochwürdigste Herr Domkapitular Regens u. fb. Kanzler Dr. Andreas Rohracher wurde vom hl. Vater Papst Pius XI. zum Hilfsbischof unserer Diözese ernannt. Die feierliche Konsekration fand am 15. Oktober in der Domkirche zu Klagenfurt durch den hochwürdigsten Herrn Fürstbischof Dr. Adam [Hefter] unter Assistenz der Herren Bischöfe Dr. Sigismund Waitz u. Dr. Johann Filzer statt. Viele Pfarrinsassen waren bei dieser außergewöhnlichen Feierlichkeit in Klagenfurt.

Armenbescherung. Trotz der allgemeinen mißlichen Wirtschaftslage u. Not haben Mitglieder des kath. Frauenvereines durch eifriges Sammeln von Haus zu Haus Geld, Lebensmittel und Kleidungsstücke zusammengebettelt, daß die Armen und Ausgesteuerten, bes. arme Schulkinder, zu einem schönen Weihnachtsgeschenk gekommen sind. Ja, diese Sammelbescherung zu Weihnachten fiel heuer trotz der Not fast reichlicher aus als in den vergangenen Jahren – auch noch ein gutes Zeichen, daß werktätige Nächstenliebe im Volke steckt.

Im Jahre 1933 fanden 6 Taufen, 6 Trauungen und 11 Sterbefälle statt. Finis 1933.

vidi + Adam, 1.5.34.

 

1934

 

Das Jahr 1934 war für Kärnten – nein für ganz Österreich – ein schicksalreiches Jahr. Österreich wurde im J. 1934 so recht das Herzstück der europäischen Politik. Die Regierung des Kanzlers Dr. Dollfuß hatte zwei gewaltige Aufgaben zu erfüllen: Die Sicherung der wirtschaftl. Existenz und der politischen Unabhängigkeit. Die Regierung war in der Lage, eine Reihe Wirtschaftsmaßnahmen zu treffen, die für die Zukunft Österreichs von großer Bedeutung sind.

Ein umfangreiches Bauprogramm: Glocknerstraße, Packstr., Brückenbauten, Bauten an zahlreichen Durchzugsstraßen, Bauten bei den Bahnen, Elektrifizierung der Tauernbahn, konnte in Angriff genommen werden, was ein ständiges und stetiges Sinken der Arbeitslosigkeit zur Folge hat. Der Staatshaushalt konnte in Ordnung gehalten werden, der Kampf der Regierung gegen Wirtschaftskrise u. Arbeitslosigkeit wurde vielfach gehindert durch die schweren politischen Kämpfe gegen die Sozialisten u. Nationalsozialisten. Bereits in den Frühjahrstagen 1933 hatten die Braunen mit Terroraktionen eingesetzt, die im Herbst und Winter gesteigert wurden, gestützt u. unterstützt vom Deutschen Reich. Eine Intervention der Großmächte in Berlin blieb leider erfolglos. Immer mehr spitzte sich die Lage zu. Europa schied sich in zwei Teile, jene, die Österreichs Heldenkampf gegen die braune Gleichschaltung mit Sympathie u. Unterstützung verfolgten, und Deutschland, das immer blinder sich in die Idee verrannte, Österreich einsacken zu müssen. Als um die Jahreswende dieser Kampf auf dem Höhepunkt schien, brach plötzlich in Wien im Februar der rote Aufstand los. Die Habichte in München triumphierten, sie sahen die Regierung Dollfuß schon stürzen und hielten sich bereit. Aber die Staatsmacht ging aus diesem blutigen Abenteuer der Marxisten nun gestärkt hervor: Österreich war mit einem Schlag vom Marxismus befreit! Freilich viel Opfer an Blut und Leben hat es gekostet von Seite der braven Exekutive, noch mehr auf Seite der Aufständischen. Viele Werte wurden in diesem Kampfe vernichtet, namentlich in Wien.

1. Mai Visitation und Firmung durch Hochwürdigst. Fürstbischof Dr. Adam Hefter. In diesen unruhigen Tagen für Kärnten und ganz Österreich fand in unserer Pfarre ein erfreuliches Ereignis statt, an dem sich Alles – Jung und Alt – beteiligte. Am ersten Mai besuchte unser Oberhirte, der allseits beliebte hochwürdigste Fürstbischof Dr. Adam Hefter unsere Pfarre, um hier die bischöfl. Visitation abzuhalten u. das hl. Sakrament der Firmung zu spenden. Die Beteiligung war, wie schon erwähnt, eine durchaus allgemeine und eine freudige Stimmung lag auf allen – ein Lichtblick in dieser Zeit der Not und des Kampfes!

Denn gerade im Monat Mai setzten die Braunen mit Gewaltmethoden neuerdings ein: Bombenanschläge, Brückensprengungen waren an der Tagesordnung, politische Morde wurden ein taktisches Mittel der Braunen, um Österreich mürbe zu machen. Die Regierung mußte die Todesstrafe wieder einführen, mußte Sprengstoffverbrechen u. Sprengstoffbesitz mit dem Tode bestrafen. Kanzler Dollfuß war in allen Bundesländern auf großen Kundgebungen erschienen u. erlebte überall Beweise der Treue von der vaterländischen Bevölkerung. Aber man wußte, es werde bald zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten kommen. Da durcheilte am 25. Juli nachts die Schreckenskunde die ganze Welt: Dollfuß, der heldenhafte Kanzler Österreichs, ermordet.

Gedenken an Dr. Engelbert Dollfuß, Bundeskanzler von Österreich S. 122

Gedenken an Dr. Engelbert Dollfuß, Bundeskanzler von Österreich S. 122

Der Tod des Märtyrerkanzlers Dr. Engelbert Dollfuß war das Signal zum braunen Bürgerkrieg, der allerdings nur in Kärnten und Steiermark losbrach und hier dank der Treue der Exekutive und der Wehrverbände bald niedergeschlagen werden konnte. Der Traum der Braunen von der Herrschaft in Österreich hatte ein schnelles Ende gefunden. Es fiel allerdings das teuerste Leben Österreichs, dem bei den Unruhen nahezu hundert brave Österreicher auf Seite der Exekutive in den Tod folgten. Auch in dieser Pfarre fielen zwei brave Männer für die Freiheit u. Selbständigkeit des Vaterlandes!

Nachdem die ärgsten Unruhestifter abgestraft und eingesperrt (Wöllersdorf) wurden – in dieser Pfarre über 20 – kam allmählich Ruhe in die Bevölkerung und auch in diese Pfarre.

Im Jahre 1934 waren 4 Taufen, 3 Trauungen und 11 Todesfälle.

finis 1934. Vidi in visit. 10.V.35, Val. Marklet, Dechant

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