Pfarrchronik 1946 – 1955

 

1946

 

Pfarrwohnungsverlegung nach Krumpendorf. Am 16. Mai 1946 fand die Verlegung der Pfarrwohnung nach Krumpendorf statt. Es geschah das mit vollem Einverständnis der kirchl. Obrigkeit u. mündl. Aussprache mit Sr. Excell. Damit ist dem großen seelsorgl. Bedürfnis, den Pfarrherrn dort zu haben, wo weitaus der größte Teil der Pfarrkinder sich findet. Als neue Wohnung dient die Dachzimmerwohnung in Villa Müller, Krumpendorf 34, bestehend aus Küche u. 2 Schlafzimmern mit Veranda u. einer Pfarrkanzlei im Parterre. Es ist dies nur aufgrund der großen Wohnungsnot. Die Pfarrkinder in Pirk und Hohenfeld erkennen diesen Schritt als vollkommen gerechtfertigt an u. fügen sich geduldig darin, das Vorrecht, das Pfarramt bei sich zu haben, zu verlieren. Der Zuspruch der Pfarrkinder zur Pfarrkanzlei ist sehr rege. Von August an werden sonntäglich 3 Gottesdienste gehalten: 2 in Krumpendorf u. 1 in Pirk.

Villa Müller am Komauerweg, wo sich 1946-52 Pfarrwohnung und Pfarrkanzlei befanden.

Villa Müller am Komauerweg 16, wo sich von 1946-52 Pfarrwohnung
und Pfarrkanzlei befanden.

 

1947

 

Zugsverkehr! Wegen vollkommenem Kohlenmangel ist der Zugsverkehr zusammengebrochen. Seit Dez. 1946 bis 4.V.47 ist jeder Personenzug eingestellt. Arbeiter u. Schüler, Angestellte stehen an den Straßen, um von den Autos, ob Personen- oder Lastkraftwagen, mitgenommen zu werden.

Ernährung. Seit Herbst 1946 bemißt die Zuteilung auf den Lebensmittelkarten nur noch 1550 Kalorien! Fett u. Zucker fehlen sehr. Dafür wird viel Bohnen verausgabt. Es ist unmöglich, mit den Karten auszukommen. Es wird daher viel „schwarz“ gekauft von denen, die das Geld haben. Kilo Butter auf dem „schwarzen Markt“ kostet etwa 180 Sch.; ebenso das kl. Speck. Zucker kl. 100 Sch.

Erstkommunion mit Pfarrer Lappe 1948 (Foto: Manfred Steindl)

Erstkommunion mit Pfarrer Lappe 1948 (Foto: Manfred Steindl)

 

1949

 

Der Versuch, das Schloß Krumpendorf samt 10.000 m2 Garten für das Pfarrhaus u. Kirchplatz zu erwerben, schlug fehl. Kurz vor Kaufabschluß hat die Gewerkschaft es erstanden. Es scheint nun fast unmöglich, ein Pfarrhaus in Krumpendorf zu erwerben. Für den Pfarrhof in Pirk samt dem arrondierten Besitz wird nicht mehr als 170.000 S geboten, eine Summe, mit der man in Krumpendorf unmöglich einen Baugrund u. das Pfarrhaus bauen kann.

 

1950

 

1.9.50 Neues Pfarrhaus. Herr Dermuth Walter bietet sich an, für den Pfarrhof mit arrondiertem Grund den Baugrund mit einem neuerbauten Pfarrhaus zu erstellen. Es müßte schnell gehandelt werden, da mit dem 1.I.1951 das Baumaterial wieder um 10 % im Preise stieg. Bei irgendeiner Verhandlung in Klagenfurt gingen auch noch 3½ ha Wald an Dermuth verloren. Die Forderung des hochwürdigsten Konsistoriums, ein schlüsselfertiges Pfarrhaus für den Pfarrhof in Pirk zu verlangen, kann durch die eigenartige Haltung des Herrn Oberbaurats Klebl nicht erfüllt [werden]. Es konnte vom Pfarrer für die fallen gelassenen Forderungen nachträglich noch die Einfriedungsmauer an der Kaiserallee und am Bach entlang von Dermuth erreicht werden.

 

1951

 

April 1951 beginnt man mit Bau d. Pfarrhauses. Dermuth selbst ist der Bauherr. Er lässt das Haus bauen durch einen gewissen Franz Sonnleitner. Sonnleitner kommt in gewaltige Zahlungsschwierigkeiten u. so geht es nach Erstellung des Rohbaues einfach nicht weiter.

 

1952

 

Nach vielem Drängen u. Drohungen ist endlich es am 5.10.1952 möglich, das neue Haus zu beziehen. Am 19.10. wird die feierliche Pfarrhauseinweihung durch Seine Gnaden Domdechant Josef Maier vorgenommen unter größter Beteiligung der Pfarrgemeinde. Im Krumpendorfer-Hof findet unter dem Regime der kath. Jugend ein großes Pfarrfest statt. Die Gartenmauer wird noch immer nicht errichtet. Daher kann auch der Pfarrgarten nicht recht angelegt werden, auch nicht im Jahre 1953.

Der Kirchenbesuch ist in Krumpendorf so gestiegen, daß in der Sommerzeit in Krumpendorf 3 Messen sonntags gehalten werden müssen. Und trotzdem kann den Gläubigen nicht mehr Gelegenheit gegeben werden, dem Gottesdienst beizuwohnen. An Festtagen findet der Gottesdienst unter freiem Himmel statt. In Pirk findet seit 1951 an den Sonntagen nur 1 Mal im Monat u. zwar immer 1. Monatssonntag um 3 h nachmittag [ein Gottesdienst] statt. Jeden Sonntag lohnt es sich wegen der wenigen Kirchenbesucher nicht, einen fremden Priester kommen zu lassen.

 

1953

 

In diesem Jahr findet zum 1. Mal die Auferstehungsprozession in Krumpendorf statt. Einige wenige dagegen. Eine ungeheuere Menschenmenge hat die Prozession mitgemacht. So sind alle kirchlichen Feierlichkeiten nach Krumpendorf verlegt. Nur die Mette zu Weihnachten muß wegen Platzmangel in Krumpendorf in Pirk gehalten werden.

Herz-Jesu-Weihe. Am 14. Juni wurde die Diözesan-Herz-Jesu-Weihe gehalten. Wegen der kleinen Kirche mußte die Frühmesse schon am Feldaltar gehalten werden. 380 hl. Kommunionen konnten ausgeteilt werden. Der Festtag schloß abends mit einer Lichterprozession. Die Festtagspredigten hielt Prof. Dr. Maier, Predigten u. Gesang wurden durch Lautsprecher übertragen.

Die Todes-Ernte war in diesem Jahr sehr gering. Nur 3 mußten seinem Rufe folgen.

Kirchenbeitrag. Schon vom August 1939 an mußte der Kirchenbeitrag vom Ortsgeistlichen selbst eingehoben [werden]; denn durch das Regime des Nationalsozialismus wurden alle staatl. Gelder für Klerus u. kirchl. Bauten eingestellt. Wenn es im Kriege, da einerseits genügend Geld die Leute besaßen u. andererseits ohnedies eben nichts an Kleidung u. vor allem nichts an Bauten gearbeitet werden konnte, das Einbringen des Kirchenbeitrages nicht schwer war, so war es in den Nachkriegsjahren, besonders als das Leben wieder anfing, sich zu normalisieren, sehr sehr schwer. Es konnte oft zu den peinlichsten Szenen führen, wenn der eigene Seelsorger seinen Schäflein den Kirchenbeitrag abfordern mußte. Es kann doch unmöglich vom Pfarrer verlangt werden, das eigene Seelsorgskind wegen Nichtzahlung des Kirchenbeitrags gerichtlich zu belangen. Durch diese Art der Kirchenbeitragseinhebung war es selbstverständlich, daß der Ertrag weiter hinter dem Soll zurückblieb. Für die wichtigen Reparaturen konnte von der Finanzkammer der Diözese, wohin ja alle Gelder der einzelnen Pfarren geschickt werden mussten, nicht gezahlt werden. Das Einkommen der Priester war Jahre hindurch kaum das eines Hilfsarbeiters. Der Volksschullehrer im 1. Dienstjahr hatte mehr Einkommen als ein Pfarrer mit 30-40 Dienstjahren. Endlich, endlich mit dem 1. Jänner 1953 konnten mehrere Kirchenbeitragsstellen, geleitet von Zivilbeamten, in der Diözese eingerichtet werden, wodurch dem Klerus endlich wieder diese odiose Arbeit der Kirchenbeitrags-Einhebung abgenommen worden ist. Das Jahreseinkommen unserer kirchl. Finanzkammer ist durch diese Art sprunghaft gestiegen. Es können mehr Gelder für wichtige kirchliche Bauten bereitgestellt werden und wir hoffen auch, daß die Gehälter der Geistlichen allmählich steigen werden, um aus der Verarmung herauszukommen. Jedenfalls ist mit dieser neuen Einrichtung wieder ein dunkler Fleck aus der Kirchengeschichte getilgt worden. Und sollte einmal der Staat die Aufbringung der Kirchensteuer übernehmen, so wäre der letzte Rest des Übels, das der Nationalsozialismus der Kirche zugedacht hatte, u. auch die verschiedenen Gehässigkeiten der Leute beseitigt.

Volksschule. Nachtrag: Die Volksschule wurde im Jahre 1952 vollkommen umgebaut unter dem Bürgermeister Karl Kutternig und Oberlehrer König. Der Bau dauerte von Ende Juni bis Allerheiligen. Mit 4.11.52 begann schon wieder im neuen Gebäude der Unterricht.

 

Umgebaute Volksschule 1952

Umgebaute Volksschule 1952

Vidi 4.7.54. + Joseph. Vidi 24.6.54 Jos. Lamprecht, Dech.

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