Schulchronik 1932 – 1935

 

1932

 

Sonntag, 31. Jänner (1932)
Der Wörthersee ist endlich zugefroren. Hunderte von Menschen tummeln sich Schlittschuh-laufend auf der spiegelglatten Fläche desselben herum. Die Sonne scheint hell und warm am Himmel und alles freut sich des herrlichen Wintertages.

Donnerstag, 7. Juli
Letzter Schultag in diesem Schuljahre.

Donnerstag, 15. September
Hl. Geistamt und Schulbeginn des Schuljahres 1932-1933.

Freitag, 23. Dezember
Am Nachmittag um 3h findet die Christbaumfeier für die Schuljugend und für die Armen im Saale des Gasthofes Koch statt. Schuldirektor Filla hält die Weihnachtsrede und spricht allen Wohltätern den herzlichsten Dank für die zahlreichen Spenden aus. Gedichte deklamierten: Rudolf Zinnhobel, August Lecher, Glanzer Gertrude und Ogertschnig Inge. Nach Absingung v. Weihnachtsliedern wurde mit der Verteilung der Gaben begonnen. Nachstehende Kinder erhielten neue Schuhe: Friedl August, Gaggl August, Grinde (?) Rudolf, Kuchling Oskar, Kraßnig Paula, Nagele Ludmilla, Toff Anna, Walter Marianne, Sagmeister Peter, Pagitz Anna, Koban Franz, Pagitz Franz, (?) Siegfried, Šelisnik Stanislaus, Reich Emmerich, Tischler Gertrude, Kraßnig Valentin, Nagele Hermine, Warmuth Sophie, Sagmeister Katharina, Mikula Johann, Resetschnig Maria, Walter Christina, Dielacher Sophie, Koban Christina. Außerdem erhielten einige Kinder noch Kleider und Strümpfe und alle ein Paket mit Süßigkeiten, Kaffee und Kuchen.

 

1933

 

Samstag, 4. März (1933)
Alle Radio-Stellen des Ortes waren heute besetzt, weil alles die Schlußrede Adolf Hitlers, die er in Königsberg in Ostpreußen vor der morgen im deutschen Reiche beginnenden Wahlschlacht hielt, hören wollte. Die Rede selbst war großartig und hat auf die Zuhörer mächtigen Eindruck gemacht.

Entfernen von NS-Parolen auf der Hauptstraße In Krumpendorf

Entfernen von NS-Parolen von der Hauptstraße, ca. 1933 (Foto: A. Wagner)

Freitag, 30. Juni
Dankamt mit Tedeum. Schulnachrichten-Verteilung.

Freitag, 15. September
Hl. Geistamt. Es wurde zum erstenmale die Bundeshymne am Schlusse des Gottesdienstes gesungen.

Dienstag, 10. Oktober
Abstimmungstag! Um 9h war Gottesdienst für die gefallenen Kärntner Helden. Schule, Gemeinde und einige Privathäuser waren beflaggt. Abends leuchteten einige ???Feuer.

 

1934

 

Ostern 1934
Im Februar gab es lange Semesterferien (1 Woche), weil in dieser Zeit in Wien u. a. O. die Sozialdemokraten einen Putsch versuchten, der aber blutig niedergeschlagen wurde. Erwähnt sei die sehr gelungene Schüleraufführung im Vetter Saal (Krumpendorferhof) am Stefanitag: „Hirtenspiele“ und Lieder mit anschließender Weihnachtsbescherung vieler armer Kinder. Herr Hasenbichler, Herr Pfarrer Wulik und Frau Ogertschnig haben sich viel Mühe gemacht. Die Lieder und Spiele übte mit den Kindern Herr Max Kratz. Im Februar wurde von den Kindern in demselben Saal das Märchenspiel Rumpelstilzchen zur Aufführung gebracht. Zu Ostern wurden 23 Schüler teils sommerbefreit, teils entlassen. Leider mußte der durch den freiwilligen Arbeitsdienst hierherversetzte Lehrer Walter Götschl die Schule wieder verlassen und an seiner Stelle kam der widerrufliche Lehrer Otto Schuster. Damit kommt also in die 1. Kl. der vierte Lehrer innerhalb eines Schuljahres. Die Folgen werden sich zeigen!

14. Juli
Der Schulschluß wurde, nachdem die Schulzeit durch behördliche Verfügung um eine Woche verlängert ward, am 14. Juli, wie vorgeschrieben, festlich begangen mit einer Ansprache des Schulleiters an alle Kinder, mit Aufsagen von Gedichten und Singen der Bundeshymne, sowie des Kärntner Heimatliedes. Gleichzeitig verabschiedete sich Max Kratz als Schulleiter und es gab viele Tränen!

10. Oktober
Festgottesdienst anläßlich der Abstimmungsfeier. Herr Pfarrer, Herr Gendarm.Inspektor, Herr Reßmann stehen auf dem Kirchplatze und sprechen. Ihre Gesichter sind ernst, sie sprechen mit müder Ergebenheit. Ich trete hinzu. Sie sprechen von den Vorfällen in Marseille: der Ermordung des serbischen Königs, des franz. Ministerpräsidenten, dam katalonischen Aufruhr u. nicht die Ereignisse an und für sich sind es, die mich erschüttern, sondern die Gesichter der Sprechenden u. der aufhorchenden Jugend, die eine so ratlose Beklommenheit ausdrücken und ein stilles Sehnen nach Frieden und Ruhe, dem hervorstechendsten Grundzug aller guten Menschen der Jetztzeit, daß es erst später den Orgelklängen und klaren Kinderstimmen gelingt, diese düstere Stimmung in andachtsvolle Kirchenstimmung zu verwandeln.

Am 30.12.
war im „Vettersaale“ eine Christbaumfeier für die Schuljugend, zu der auch Eltern mit vorschulpflichtigen Kindern erschienen waren. Dank der mustergültigen Vorbereitungen konnten alle Kinder (206 waren es) an Tischen Platz nehmen. Vier Mädchen trugen Weihnachtsgedichte vor. Hernach sangen alle „Stille Nacht“ und noch drei Weihnachtslieder. Darauf erfolgte eine Ansprache durch Herrn Pfarrer an die Schüler. Die nun folgende Jause – bestehend aus Kaffee, Weißbrot, Kuchen, Bäckerei u. Äpfeln – war zwar sehr ausgiebig, trotz alledem aber für manche Kinder noch völlig unzureichend. Es war eine Lust, zu sehen, wie sie mit all den Herrlichkeiten, die sich vorher zu Bergen türmten, spielend aufräumten und wie sie dann schließlich wehmütig feststellten, daß nichts mehr nachkäme. Den unausgesetzten Bemühungen des Ortsschulratsobmannes, Herrn Hasenbichler, war es gelungen, für die Ärmsten Schuhe zur Verteilung zu bringen, aber auch Wäsche und Kleiderpäcklein gab es, die edle Menschen – es sei insbesondere Herr Ing. Madile erwähnt – gespendet hatten. Zwei Säcke Kartoffel wurden 5kiloweise abgegeben.

 

1935

 

Schülerstand mit Schuljahrsschluß:
I.   Klasse 19+21 = 40
II.  Klasse 19+19 = 38
III. Klasse 20+24 = 44

Am 16. September (1935)
begann der Unterricht in allen Klassen. Es waren heuer ausnehmend wenig Anfänger (zehn). Der Schülerstand der ersten Klasse ist demnach auch ein sehr niedriger: 34.

Am 10. Oktober
nahm die Schuljugend am Festgottesdienst in Pirk teil. Nach dem Segenamte wurde von der Schuljugend das Bundeslied gesungen. Das Kriegerdenkmal vereinigte nachher alle Festteilnehmer zu einer schlichten Heldenfeier. Es war auch diesmal so wie immer: außer den Feuerwehrmännern höchstens ein Dutzend Krumpendorfer, das übrige Landleute aus Pirk u. seiner Umgebung. Die sogenannten Macher (Obmänner, Vorstände, Führer) vaterländischer Organisationen sind nie da.

Am 21. Dezember
hatten wir im Lehrzimmer der ersten Klasse eine einfache Christbaumfeier. Zweiundzwanzig recht arme Kinder erhielten starke Schuhe, dann gab es noch 23 Päcke mit Kleidern und Wäsche für andere bedürftige Kinder. 135 Schüler – also alle – erhielten einen großen Papiersack voll Reindling, Kuchen, Backwerk, Lebzelten, Schnitten, Erdnüssen und Obst. Es war erhebend u. rührend zugleich, wie alles mithalf, den Kindern eine glückliche Stunde zu bereiten, und man konnte nur wünschen, daß diese seltene Einstimmigkeit in allen Belangen zum Ausdruck käme. Der Festraum erwies sich leider als zu klein. Mit ganz besonderem Dank müssen wir unserer lieben, guten Christbaummutter, Frau Kollmann, gedenken, die auch heuer wieder von Haus zu Haus ging, um für diese Feier Geld oder Wäsche, Kleider, Schuhe, zu erbitten. Frau Kollmann brachte 100 S heim, 100 S spendete die Gemeinde, 100 S gingen bei der letzten Ortsschulratssitzung durch Spenden der anwesenden Herren ein. Wer kein Geld hatte, buk Kuchen oder Reindling, wer auch dies nicht konnte, schickte Obst und so sah man mit stiller Freude, wie die Päckchen sich häuften.

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