Eisenbahnunglück 1906

Am 16. September 1906 kam es auf der eingleisigen Strecke zwischen Krumpendorf und Pörtschach zu einem Frontalzusammenstoß zweier Personenzüge mit Toten und Schwerverletzten.

Die Lokomotive des Klagenfurter Zuges (Foto: Kärntner Tagblatt)

Die Lokomotive des Klagenfurter Zuges (Foto: Kärntner Tagblatt)

Der Zug Nr. 417, der aus der Station Pörtschach zu früh abgelassen wurde, stieß in der Höhe von Walterskirchen mit dem Zug Nr. 418 aus Krumpendorf kommend frontal zusammen.  Aufgrund der Krümmung der Strecke an dieser Stelle und des hohen Gestrüpps konnten die Lokomotivführer den jeweils entgegenkommenden Zug nicht rechtzeitig sehen und die Maschinen trotz Einsatzes der Vakuumbremsen nicht mehr anhalten. Die beiden Züge sollten sich um 4:14 Uhr in Pörtschach kreuzen. Die Lokomotiven wurden schwer beschädigt und einige der Waggons der ersten und zweiten Klasse fast vollständig zerstört. Es gab zwei Tote, sechs Schwer- und acht Leichtverletzte.

Die Freiwillige Feuerwehr Krumpendorf  war schnell zur Stelle. Die Rettungsabteilung der Klagenfurter Feuerwehr kümmerte sich um die Verletzten, die in Fiakern ins Allgemeine Krankenhaus nach Klagenfurt gebracht wurden. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten.

Die Unglücksursache

Aufgrund eines heftigen Gewitters war am Sonntag, den 16.9.1906 die telegrafische und telefonische Verbindung zwischen Krumpendorf und Pörtschach vorschriftsmäßig abgeschaltet worden. Der diensthabende Beamte, Herr Ing. Lederer, hatte bereits eine Nachtschicht hinter sich und stand seit 14 Uhr wieder im Dienst. Er war aufgrund von Schlafmangel vollkommen übermüdet. Er versuchte Verbindung  mit Krumpendorf aufzunehmen, erhielt aber einen elektrischen Schlag, worauf die Leitung außer Betrieb blieb.

Als der Zug Nr. 417 aus Villach mit Verspätung eintraf, traf Herr Ing. L. aufgrund von Übermüdung die falsche Entscheidung und ließ den Nachrangzug, der auf den Vorrangzug hätte warten müssen, von Pörtschach abfahren. Kurz darauf erhielt er, die Leitung war zwischenzeitlich wieder eingeschaltet worden, die Nachricht vom Zusammenstoß der Züge. Ing. L. ordnete noch die Absendung eines Hilfszuges an. Die folgende Woche hätte seine letzte Woche im Streckendienst sein sollen, da er die Einberufung zum technischen Dienst erwartete.

Der Unfallhergang

Im Grazer Tagblatt wird der Zusammenstoß folgendermaßen geschildert: „Der Anprall der beiderseitigen Züge war so furchtbar, daß fast alle Fahrgäste erklärten, einen Augenblick wie betäubt gewesen zu sein. Nach dem kanonenschlagähnlichen Krach herrschte einen Augenblick Totenstille, der ein durch die herabfallenden Holzstücke der zertrümmerten Abteils verursachtes und in dem rückwärtigen Teile des Zuges wie Knistern vernehmbares Geräusch folgte.

Nach wenigen Sekunden durchgellten furchtbare Schmerzensschreie einer schwerverletzten Frau die Luft. In wahnsinniger Angst eilten die Frauen zu den Ausgangstüren, während die meisten Männer zur Ruhe mahnten und durch ihr tatkräftiges Eintreten den Ausbruch einer größeren Panik hintanhielten. Mehrere Damen bekamen Weinkrämpfe, während andere erdfahl und mit zitternden Knien im strömenden Regen auf den Bahndamm geführt und gestützt werden mußten. Das markdurchschütternde Geschrei der erwähnten Dame, die in einem Abteil der zweiten Klasse gefahren war und die anfallsartig die Zunge weit herausstreckte, das Wimmern der anderen Verletzten, die Ungewißheit, ob nicht zwischen den zusammengepreßten Abteilen noch Verwundete oder Tote lägen und das ununterbrochene, klagende Pfeifen der Maschine übten einen furchtbaren Eindruck aus.”

Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle (Foto: Valentin Petritsch)

Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle (Foto: Valentin Petritsch)

Das Bild der Zerstörung, das sich bot, war enorm. Der Zusammenstoß der beiden Loks war trotz Bremsmanöver so gewaltig, dass zentnerschwere Maschinenteile 10 bis 15m weit geschleudert wurden. Obwohl mehrere Waggons der ersten und zweiten Klasse fast vollständig zerstört wurden, blieb der Waggon der 3. Klasse, der hinter dem Dienstwagen angekoppelt war, fast vollständig in Takt. Die darin befindlichen Kinder sowie eine Jagdgesellschaft kamen ohne ernstliche Verletzungen davon. Unter den Passagieren der 1. und 2. Klasse gab es  mehrere Leichtverletzte.

Die von Villach abgefahrene Schnellzugslokomotive

Die von Villach abgefahrene Schnellzugslokomotive

Unter den Toten war ein Priester, der 1843 geborene Franziskanerpater Sigismund Bolvary aus Villach. Ebenfalls tödlich verletzt wurde die Kondukteursgattin Berta Kemperle aus Marburg.  Schwerverwundet wurden u.a. Maschinenführer Honka aus Marburg, der Oberkondukteur Mereits, der Lokomotivführer-Substitut Franz Kranner aus St. Peter bei Marburg und Aushilfsheizer Thomas Pichler aus Lienz.

Nach bekannt werden des Unglücks fanden sich Scharen von Leuten an der Unfallstelle ein, von denen viele Eisensplitter und andere Fragmente als Andenken mitnahmen. Ebenso herrschte am Bahnhof Krumpendorf reges Treiben, um die stark beschädigte Lokomotive und einen übel mitgenommenen Waggons zu bestaunen. Der andere Zug wurde nach Pörtschach gezogen. Es hatten sich auch auf den beiden Bahnhöfen mehrere Fotografen mit ihren Kameras eingefunden.

Wartende Fahrgäste am Bahnhof Krumpendorf

Wartende Fahrgäste am Bahnhof Krumpendorf

Das Ereignis hatte in Klagenfurt ein solches Interesse zufolge, dass, wie das Kärntner Tagblatt berichtete, die hohe Nachfrage nicht befriedigt werden konnte. Die Auflage von 2600 Exemplaren war in Kürze ausverkauft. Ähnlich dürfte es auch den anderen lokalen Tageszeitungen ergangen sein.

Quellen:

  • Chronik der FF-Krumpendorf
  • Kärntner Tagblatt  vom 19.9. und 20.9.1906
  • Klagenfurter Zeitung vom 18.9., 19.9. und 20.9.1906
  • Grazer Tagblatt vom 17.9.1906 und 18.9.1906
  • Volksblatt für Stadt und Land vom 21.9.1906

Kommentare sind geschlossen