Franz Babitsch

(27.3.1909 – 11.6.1986)

 

Die Nachkriegszeit war auch für das Musikleben in Kärnten die Zeit des Wiederaufbaus. Franz Babitsch (1909-1986) leistete dabei einen wertvollen Betrag. Er gründete und leitete zahlreiche Chöre und gab privaten Musikunterricht. Babitsch war aber auch Komponist und Musikkritiker.

Als sich Franz Babitsch (Künstlername: Franz Wilfan-Babitsch) in Krumpendorf niederließ, war er bereits 44 Jahre alt.

Er wurde am 27. März 1909 in Škofja Loka (Bischofslack, Slowenien) als Francišek Babič geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er zuerst in Ljubljana an der dortigen Orgelschule und am Staatlichen Konservatorium. Seinen Abschluss in Sologesang machte Babitsch hingegen erst später in Klagenfurt.

Als Musiklehrer wirkte er in den Schulen von Škofja Loka und Moste bis 1941. Mit vier seiner Brüder machte er sich 1941 auf nach Kärnten. Es folgten eine Anstellung an der Musikschule Ferlach, sein Engagement für den Musikverein Kärnten und die Leitung mehrerer Chöre. Am Landesmusikkonservatorium Klagenfurt unterrichtete er Sologesang, Chorleitung und war außerdem als gefragter Korrepetitor, Pianist und Organist tätig.

Franz Wilfan-Babitsch Portrait

Franz Wilfan-Babitsch Portrait

1948 heiratete Babitsch in Klagenfurt Brunhilde Waller, die er bei einem Konzert kennen gelernt hatte. Ihre gemeinsame Tochter Eva kam kurz darauf zur Welt.

1953 war es dann soweit: Babitsch erhielt das österreichische Heimatrecht und sein erster ständiger Wohnsitz wurde Krumpendorf. Die Familie bezog die Villa an der Hauptstraße 80. Mit dem erworbenen Heimatrecht und dem Wohnsitz in Krumpendorf wurde er ab 1953 zu einem echten Kärntner.

Villa Babitsch - Hauptstraße 80

Villa Babitsch – Hauptstraße 80

Erst ab diesem Zeitpunkt wagte er auch wieder Besuche in seine alte Heimat, aus der ja das sozialistische Jugoslawien geworden war. Selbst der Beerdigung seiner Mutter 1950 musste er fernbleiben. Eine Rückkehr wäre zu riskant gewesen.

Seine Leidenschaft für die Musik vermochte Babitsch mit seiner kräftigen, sonoren Bass-Stimme auf all jene zu übertragen, die mit ihm zu tun hatten oder die sich im Klavier- oder Akkordeon-Spiel einweisen lassen wollten. Der Respekt vor dieser gelebten Leidenschaft, vor seiner markanten Persönlichkeit und die Bewunderung für sein Talent wirkten stärker als der bittere Geschmack vereinzelter Anfeindungen, denen er als Slowene in Krumpendorf gelegentlich ausgesetzt war. Das mag auch der Grund dafür sein, warum seine Liebe zu Krumpendorf eine ambivalente blieb.

Babitsch begann noch in seiner Zeit in Škofja Loka zu komponieren. Chor-, Klavier- und Orgelmusik standen im Zentrum seines Schaffens. Sein beachtlicher Werkekatalog umfasst nach eigenen Angaben über 500 Werke, 81 davon mit Opuszahl.

Kompositionen Wilfan-Babitsch für Klavier 1971

Kompositionen Wilfan-Babitsch für Klavier 1971

Mit den vielen Chören, die er leitete, war es ihm möglich immer wieder neue Stücke zu erarbeiten und aufzuführen. Seine Hymne an Kärnten «Mein Kärntnerland» wurde vom MGV Seerösl eingespielt und gehört heute zu den Klassikern des Kärntner Heimatlieds.

Als überzeugter Wagnerianer waren jährliche Fahrten nach Bayreuth zu den Festspielen Pflicht und eine große Freude. Seinen guten Beziehungen verdankte er die Möglichkeit jährlich an Karten für diese Festspiele zu kommen. Mit verklärtem Blick sprach Babitsch von Bayreuth vor allem, wenn der Heldentenor Tenor René Kollo am grünen Hügel zu hören war. Seine Tochter begleitete ihn oft auf diesen Fahrten, nicht zuletzt weil sie als einzige in der Familie im Besitz eines Führerscheins war.

Eine andere seiner Leidenschaften war das Kino. Das Krumpendorfer Kino wurde 1948 vom Kärntner Kriegsopferverband eröffnet und es gab kaum einen neuen Film, den Babitsch versäumte. Es war die Zeit als es noch kein Fernsehen gab. Helga Duffek-Kopper beschreibt in ihrem Buch „Heiligengeistplatz – alles umsteigen!“ auf humorvolle Weise, was es bedeutete, mit Babitsch eine Kino-Vorstellung zu erleben:

(…)
Der Film fängt an, wenn der Herr Babitsch und der Schneider Koban eingelangt sind. Der Herr Babitsch ist Musiker, Chorleiter später, er hat einen grauen Schnurrbart und einen ungarisch-tschechischen [sic] Akzent, mit dem er die Filme kommentiert. Der Schneider Koban ist klein, wird nie mit einer Frau gesehen und färbt sich trotzdem die Haare pechschwarz. Auch er kommentiert die Filme während der Vorführung, vor allem aber in den Pausen. Eine Pause gibt es alle 20 Minuten, wenn die Filmrollen gewechselt werden müssen, weil es nur eine Vorführmaschine gibt. Die Kommentare sind auch für den Rest des Publikums von einer gewissen Notwendigkeit, weil die amerikanischen, englischen und russischen Filme in Originalton mit Untertiteln gespielt werden. Die Kommentare bedeuten nicht, dass der Herr Babitsch und der Schneider Koban die Originaltöne verstehen oder gar dolmetschen, sie geben dem Inhalt nur eine populärwissenschaftliche Prägnanz. (…)

Mit dem argentinischen Pianisten Armando Ford, der seit Beginn der 1970er Jahre regelmäßig Klavierabende in Krumpendorf gibt, verband Babitsch eine anregende Künstler-Freundschaft. Einige Jahre logierte Ford sogar bei Babitsch, wenn er für Konzertauftritte nach Krumpendorf kam. Babitsch zeigte ihm so seine Kompositionen und erfreute sich daran, sie von Ford gespielt zu hören.

Armando Ford erinnert sich: „Ich durfte einige Jahre bei ihm übernachten, wenn ich in Krumpendorf war. Er hat mich auch zum Essen eingeladen, denn er hat mit Leidenschaft gekocht. Er war ein exzellenter Koch. Er hat dann alles um sich vergessen. Das Essen war auch wirklich ein Genuss.

Er hat selbst ein Konzert für mich in Schloss Freyenthurn organisiert und bezahlt. Er hat mir sogar eine kleine Gage gegeben. Ich habe ein durchschnittliches Programm gespielt und drei oder vier Werke von ihm. Er hatte sehr viele Leute für den Abend mobilisiert, der gut besucht war. Er wollte ein weiteres Konzert veranstalten, es kam aber nicht mehr dazu.

Solange er gelebt hat, habe ich Kontakt mit ihm gehalten.“

Der MGV Seerösl verdankte Babitsch eine Blütezeit in den Jahren 1952 bis 1976: zahllose Auftritte im In- und Ausland, eine Platteneinspielung, die Präsenz bei allen wichtigen Ereignissen des Ortes.

Anlässlich des Jubiläums 40 Jahre Volksabstimmung fand im Oktober 1960 ein Liederwettbewerb statt, den der MGV bereits im Frühjahr ausgeschrieben hatte. Franz Babitsch erhielt den zweiten Preis für seinen „Festgesang“. Frau Dr. Gölles-Ortner aus Klagenfurt hatte den Text verfasst.

Siehe auch MGV Seerösl.

MGV Seerösl Liederwettbewerb mit Chorleiter Franz Babitsch 1960

MGV Seerösl Liederwettbewerb mit Chorleiter Franz Babitsch 1960

Prämierung 2. Platz beim Liederwettbewerb 1960

Fritz Krainer überreicht Franz Babitsch Urkunde zum 2. Platz beim Liederwettbewerb 1960

Die offizielle Anerkennung seiner Leistungen für das Musikleben in Kärnten erfolgte zögerlich, aber sie erfolgte. Babitsch erhielt etliche Auszeichnungen für seine Tätigkeit als Musikpädagoge und auch als Komponist.

Er starb am 11. Juni 1986. Sein Grab befindet sich am Friedhof der Pfarre St. Martin-Luegerstraße in Klagenfurt.

Grabstein Franz Babitsch

Grabstein Franz Babitsch auf Friedhof an der Luegerstraße in Klagenfurt

Sein musikalischer Nachlass wurde – noch bevor er aufgearbeitet werden konnte – durch mehrere Einbrüche in seine Villa leider weitestgehend zerstört.

 

Quellen:

  • Franc Križnar: „Ali je bil Franc Wilfan Babič (1909-1986), škofjeloški glasbenik, morda tudi eden naših prvih glasbenih kritikov?“ (War Franc Wilfan Babič  (1909-1986), Musiker aus Škofja Loka, vielleicht auch einer unserer ersten Musikkritiker?) – Artikel in Loški Razgledi 47-2000; ISSN 0459-8210; Seiten 99-122 (mit Dank an Albert Ulrich für die Übersetzungshilfe)
  • Chronik des MGV Seerösl
  • Gespräche mit Eva Babitsch, 2017
  • Gespräche mit Armando Ford, 2017
  • Helga Duffek-Kopper „Heiligengeistplatz – alles umsteigen!“, 1997, Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt

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