Johann Ritter von Rainer zu Harbach

(*6.7.1782, +18.9.1859)

Seine Bauwerke stehen noch heute am Ufer des Wörthersees und sind weithin sichtbar. Der Schrotturm und die Minium-Fabrik in Saag gehen auf ihn zurück. Seine Lebensgeschichte ist in der Schul- und Ortschronik von Krumpendorf von 1874 aufgeschrieben und richtet sich direkt an die Schulkinder. Er war Fabriks- und Gutsbesitzer und ein Freund Lanners.

Johann Ritter von Rainer

Johann Ritter von Rainer
geboren am 6. Juli 1782
gestorben am 18. Septbr. 1859

Nun, Ihr Kinder! werdet Ihr neugierig sein und fragen, wer denn der alte Herr mit den weißen Silberlocken war, der Euch aus dem Holzrahmen so freundlich anschaut? Ist es auch ein so selbständiger Mann wie der alte Lanner, der Alles seiner eigenen Thätigkeit verdankt?

Ja gewiß, Johann von Rainer war ein solcher Mann, doch höret und vernehmet, in welch verschiedenen Kreisen sich dessen Lebensschicksale bewegten, bis endlich am Abende des Lebens beide Männer, nahe an einander wohnend, die besten Freunde wurden.

Handschrift der Schulchronik

Handschrift der Schulchronik

Johann von Rainer war der Sohn des angesehenen Advokaten und Landes-Ausschusses Doctor Alois Ritter von Rainer in Klagenfurt und seiner Gemahlin Maria Anna, geborene Edle von Glaunach. Rainer war von seinem Vater zum Juristen bestimmt, daher derselbe nach Vollendung der Gymnasial-Studien bei dem damaligen kk. Gerichte zu Maria Saal als Gerichts-Praktikant eintratt.

Doch inzwischen änderten sich die Vermögensverhältnisse seines Vaters gewaltig. Die Kriegs-Jahre zwangen selben zum Verkaufe seiner Güter Haarbach und Emmersdorf, eine zweite Heirath brachte zahlreiche Kinder.

Schon war ein älterer Bruder Franz zur Handlung übergetreten und lud unseren Johann von Rainer dringend ein, die juridische Laufbahn zu verlassen und zu ihm nach Smyrne (Anm.: heute Izmir, Türkei) zu kommen.

Er wagte es, verließ die Heimath heimlich und nahm Dienste beim Handlungshause Buchler in Triest.

Der Anblick des Meeres und einer großen Hafenstadt, die vielen Schiffe, welche Waaren brachten und dafür andere wieder fortführten, die Mischung fremder Sprachen und Völker erregten nicht blos dessen Schaulust, führten ihn vielmehr zum Nachdenken über das Wesen des Handels als sicherstes Mittel, sich in kurzer Zeit Unabhängigkeit und eine selbständige Existenz zu gründen.

Dabei fand er, dass gerade in den fernem Smyrne gewisse Artikel aus Österreich besonders begehrt wurden. Diese Artikel suchte er sich dadurch zu verschaffen, daß man ihm selbe in commissionsweisem Verkauf anvertraute.

So kam es, daß er bald eine schöne Ladung Glas-Waaren aus Hayda in Böhmen, Leinwand aus Rumburg (Anm.: heute Rumburk im Norden Tschechiens), Tücher aus Reichenberg (Anm.: heute Liberec im Norden Tschechiens), Stahl- und Hufnägel aus Kärnthen beisammen hatte, auf ein Segelschiff lud und dann selbst damit nach Smyrne fuhr.

Dort traf er zwar seinen Bruder Franz nicht mehr, aber die mitgebrachten Waaren fanden den erwünschtesten Absatz, so daß Rainer für das anvertraute Gut sofort Geld nach Österreich schicken und dort viel größere Sendungen in Bestellung bringen konnte.

Nun, eins merkt Euch, Kinder! wer Wort haltet, gewinnt immer größeres Vertrauen.

Nach 4 Jahren hatte unser Rainer schon ein Vermögen von F 15.000,- (Anm.: Gulden) durch Fleiß und Sparsamkeit erworben.

Doch da traten im Jahre 1810 Verhältnisse ein welche die Fortsetzung des gewinnbringenden Handels unmöglich machten, indem das türkische Reich dem Bunde mit Frankreich und damit der Continentalsperre beitrat, während das feindliche England jede Zufuhr zur See aus Österreich abschnitt.

So war Rainer ohne Waare gelassen und beschloß heimzukehren.

Die Rückreise ging über Constantinopel, Rustschuk, Bukarest, Hermannstadt, Wien, in der Türkei zu Pferde, in Österreich zu Wagen.

Anfangs als Geschäftsleiter im Hause Schusterschitz in Villach, dann aber als solcher in jenem Florian Bergamin in Klagenfurt und bald darauf dessen Übernehmer, konnte unser Rainer seine Thätigkeit bestens bewähren. Er heirathete 1811 Fräulein Caroline Pichler, Tochter des Arztes Doctor Pichler aus Klagenfurt und begann 1812 Fabrik-Unternehmungen, zuerst eine Glätte-Fabrik (Anm.: Glätte = ein gelbes Bleioxid) gerade unter dem Schrotthurm am Seeufer, dann 1820 der Schrotthurm, später die Minium-Erzeugung (Anm.: Minium = ein rotes Bleioxid). Damals nämlich fehlten inländische Fabriken, welche im Stande gewesen wären, das im Lande selbst erzeugte Blei zu verarbeiten.

So mehrte sich dessen Wohlstand, die Fabriken konnten erweitert und 1842 sogar das Gut Freyenthurn angekauft werden.

5 Söhne und 3 Töchter umgaben den Gründer des Hauses und nahe wohnte Freund Lanner in Krumpendorf, wo beide würdige Männer sich von Ihren Schiksalen und Lebenserfahrungen häufige Mittheilungen machten.

Gerade der Gegensatz in den Richtungen vermehrte deren wechselseitige Zuneigung. Lanner war ein Mann der wissenschaftlichen Forschung und opferte derselben einen großen Theil seines Lebens.

Rainer schätzte die Wissenschaft, war aber sein ganzes Leben durch das eigene Geschäft derart in Anspruch genommen, daß er niemahls selbst sich in die Wissenschaft vertiefen konnte.

Dafür ist er Wohlthäter der Armen, Vater seiner Arbeiter geworden und ein makelloser Ruf wird sein Andenken überdauern. Und wenn Ihr, liebe Kinder, die zwei besten Männer nennt, welche sich um die Gemeinde Krumpendorf verdient gemacht haben, so nennt die zwei Freunde Lanner und Rainer.

Grabstein Rainers in St. Ruprecht

Grabstein Rainers in St. Ruprecht/Klagenfurt

Nachwort

Rainer gründete 1811 in Klagenfurt die Firma J. Rainer. Er wurde bald zur wichtigsten Person in der Bleigewinnung  und -verarbeitung in Kärnten. Schon ab 1813 gab es in Gurlitsch in Krumpendorf eine Glätteproduktion (Glätte = gelbes Bleioxid), ab 1824 wurde im Schrotturm, den Rainer erbauen ließ, Bleischrot hergestellt. Eine Minium-Fabrik (Minium = rotes Bleioxid) entstand 1850 in Saag am Nordufer des Wörthersees.

Im Jahre 1835 entstand im Schloss Waldenstein das Kärntner Heimatlied. Der musikalisch begabte Rainer war beim Schlossherrn Gast, als er eines Abends von der Gesellschaft bestürmt wurde, ein Gedicht zu vertonen. Die Wahl fiel auf das in der „Carinthia“ von 1817 erschienene Gedicht „Dort, wo Tirol an Salzburg grenzt“, das von Johann Ritter von Gallenstein stammte. Damals hatte das Lied drei Strophen, die vierte über den Abwehrkampf verfasste Maria Millonig 1929.

Quellen:

  • Orts- und Schulchronik Krumpendorf, begonnen am 1. Nov. 1874
    (Übertragen von Dr. Helga Duffek-Kopper, Original-Rechtschreibung beibehalten. Dez. 2013)
  • Kärntner Sehenswürdigkeiten, Band 1, von Anton Kreuzer, 1974
  • Ortschronik Techelsberg am Wörthersee

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