Karl Maria Kerndle

(*13.9.1882, +1.3.1957)

Kerndle galt als einer der begabtesten Schüler des Architekten Otto Wagners. Er kam mit seiner Frau 1920 nach Krumpendorf, wo er bis zu seinem Tod wohnhaft war. Er plante auch in Krumpendorf mehrere Objekte wie sein eigenes, rundes Wohnhaus am Lorbeersteig, das eine herausragende Stellung in seinem architektonischen Schaffen einnimmt.

Biografie

Karl Maria und Frieda Kerndle 1940er Jahre

Karl Maria und Frieda Kerndle 1940er Jahre
(Foto: Ingalora Dwyer)

Kerndle wurde in Wien als Sohn eines Staatsbeamten geboren. Der Großvater mütterlicherseits, der in der Nähe von Brünn Besitzungen hatte, soll dort den jungen Mönch Gregor Mendel, den späteren Begründer der Vererbungslehre, in die Botanik eingeführt haben.

Kerndle besuchte die Unterstufe der Realschule in der Radetzkystraße in Wien im 2. Bezirk, wechselte dann in die Staatsgewerbeschule in der Schellinggasse und schloss diese ab. Er schrieb sich an die Akademie der Bildenden Künste ein, wo er Malerei und Bildhauerei studierte. Seine technischen Ausbildung und seiner künstlerischen Begabung konnte er in der Architektur verbinden. So wurde er von 1902 – 1905 Schüler von Otto Wagner an der Spezialschule für Architektur an der k. k. Akademie der Bildenden Künste. Schon während seiner Studienzeit erhielt er mehrere Preise. Er wurde als einer der begabtesten und talentiertesten Schüler von Otto Wagner angesehen.

Nach Abschluss seines Studiums dürfte er Mitarbeiter in Otto Wagners Atelier gewesen sein und an der Restauration der Karlskirche beteiligt, sowie als Bauleiter bei den Erweiterungsbauten bei der Pflegeanstalt Steinhof. Er war als Mitglied der Gruppe um Klimt und Josef Hoffmann am Aufbau der „Wiener Werkstätte“ beteiligt. Um 1910 plante Kerndle zwei Wohnhäuser in Wien wie z.B. das Wohnhaus Strohal in Hietzing. Von 1912-1914 unterrichtete Kerndle als Hilfslehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule.

Am Ersten Weltkrieg nahm Kerndle aktiv teil. In dieser Zeit lernte er seine spätere Frau, eine geborene Michitsch, kennen. Ihrem Vater gehörten einige Realitäten in der Villacher Innenstadt. 1918 kam sein Sohn Wolfgang in Wien auf die Welt, der später ebenfalls Architektur studierte und als Baumeister in Klagenfurt tätig war.

Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nach dem Krieg und  vermutlich auch auf Wunsch seiner Frau übersiedelte die Familie Kerndle 1920 nach Krumpendorf. Die Familie wohnte damals in der Villa Kutternig an der Hauptstraße. Kerndle und seine Frau gründeten inspiriert durch die „Wiener Werkstätten“ die „Kärntner Werkkunst“ in Klagenfurt. Sie befassten sich vor allem mit der Erzeugung und Ausfuhr kunstgewerblicher Textilien.

Kerndle bekam bei einem Wettbewerb den ersten Preis und somit den Auftrag zur Gestaltung eines Kriegerdenkmals in Villach, für das er auch die bildhauerische Arbeit durchführte. Es wurde 1918-1924 geschaffen. Es hat die Form einer monumentalen Schwertspitze.

Am 11. September 1922 wurde seine Tochter Lore geboren.

Aus finanziellen Gründen arbeitete Kerndle auch als Zeichenlehrer am Klagenfurter Realgymnasium und ab 1926 an der Fortbildungsschule, der heutigen Berufsschule.

Er war aktives Mitglied im „Kunstverein Kärnten“ und damit auch an zahlreichen Ausstellungen im „Künstlerhaus“ beteiligt.

Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre bekam Kerndle mehre größere Architekturaufträge in Radenthein, Klagenfurt und Villach. Die finanzielle Situation der Familie verbesserte sich.

Ende der 1930er Jahre wird Kerndle Schulleiter an der Klagenfurter Berufsschule. Ende 1943 trat er die Nachfolge des zum Wehrdienst eingerückten Leiters der „Meisterschule des deutschen Handwerks“ an. Diese Meisterschule war während des Krieges in der „Festung“ in Klagenfurt in der Nähe der Bahntrasse nach Villach untergebracht.

Frieda mit Lore und Wolfgang Kerndle 1940

Frieda mit Lore und Wolfgang Kerndle
ca. 1940 (Foto: Ingalora Dwyer)

Nach Kriegsende zog sich Kerndle, der aktives Mitglied der NSDAP war, aus dem öffentlichen Leben zurück. In Krumpendorf realisierte er nur noch das Badehaus Obid am Koschatweg. Finanzielle Gründe zwangen ihn, die Wohnung im zweiten Stock seines Hauses zu vermieten. Seine Frau Frieda verstarb Ende der 1940er Jahre. Durch diesen Schicksalsschlag schwer getroffen verbrachte Kerndle die letzten Jahre seines Lebens zurückgezogen in seinem Hause. Er starb am 1.3.1957 in Krumpendorf.

Architektonisches Schaffen in Krumpendorf

In Krumpendorf plante Kerndle anfangs ein kleines ebenerdiges Gebäude, das Café Dvorsky an der Hauptstraße 136. Der Betreiber des Cafés und der Jausenstation, Hanns Pleschutznig, hatte Ansichtskarten anfertigen lassen, die nachstehend abgebildet sind. In weiterer Folge plante Kerndle als größere Bauvorhaben in Krumpendorf die Pension „Sonnenhügel“ an der Hauptstraße und direkt am See in unmittelbarer Nähe der Schiffsanlegestelle das Etablissement „Schwalbennest“. Es folgten noch einige weitere kleine Bauvorhaben und Umbauten wie das Privathaus Schäfer am Lannerweg 112 und das Wohnhaus Soukup in der Moosburger Straße 10.

Charakteristisch sind seine Rundbögen bei Fenstern und Türen. Bei einigen seiner Bauten entwarf er ganz im Sinne der „Wiener Werkstätte“  auch Inneneinrichtung und Geschirr.

Herausragend in seinem architektonischen Schaffen ist sein eigenes Haus in Krumpendorf, das „runde Haus“ am Lorbeersteig 13, das er nur unter Aufbringung großer Eigenleistungen „mit eigener Hände Arbeit“ errichten konnte. Es wurde Mitte der 1930er Jahre fertig gestellt und war danach beliebter Treffpunkt vieler zeitgenössischer Künstler in Kärnten.

Kaffeehaus Dvorsky

Hauptstraße 136, Krumpendorf
Bauherrin: Maria Dvorsky
Ausführung: ca. 1927

Café Dvorsky, Betreiber Pleschutznig, ca. 1928

Café Dvorsky, Betreiber Pleschutznig, ca. 1928

Café Dvorsky, Betreiber Pleschutznig, ca. 1928

Café Dvorsky, Betreiber Pleschutznig, Gastgarten, ca. 1928

Café Dvorsky Ansicht von Hauptstraße ca. 1928

Café Dvorsky Ansicht von Hauptstraße ca. 1928, Betreiber: Hanns Pleschutznig

 

Pension Sonnenhügel

Amtmannsweg 2, Krumpendorf
Bauherrn: Eberhard u. Josefine Jergitsch
Ausführung: Ing. Robert Rapatz 1929

Pension Sonnenhügel ca. 1960

Pension Sonnenhügel ca. 1960, Ansicht Hauptstraße

 

Einfamilienhaus Schäfer

Lannerweg 112, Krumpendorf
Bauherrn: Josef und Elisabeth Schäfer
Ausführung: 1928

Einfamilienhaus Schäfer

Einfamilienhaus Schäfer

 

Seepension Schwalbennest

Berthastraße 63, Krumpendorf
Bauherrn: Otto und Maria Winos
Ausführung: Baumeister Anton Venturini, 1929

Pension Schwalbennest Zeichnung ca. 1938/39

Pension Schwalbennest Zeichnung ca. 1938/39

Seepension Schwalbennest

Seepension Schwalbennest 2013

 

Wohnhaus Soukup

Moosburger Straße 10, Krumpendorf
Bauherrn: Ewald und Elfriede Soukup
Ausführung: 1929

Wohnaus Soukup

Wohnaus Soukup

 

Wohnhaus Kerndle

Lorbeersteig 13, Krumpendorf
Bauherrn: Frieda und K. M. Kerndle
Ausführung: 1933 – 1935

Villa Kerndle Rohbau 1934

Villa Kerndle Rohbau 1934

Villa Kerndle Tuschezeichnung

Villa Kerndle Tuschezeichnung

Kerndles Wohnhaus 2015 in Originalfarben

Kerndles Wohnhaus renoviert 2015

 

Einfamilienhaus Tschebull

Umbau und Erweiterung
Kirchenweg 5, Krumpendorf
Bauherr: Aristide Tschebull
Ausführung: 1933

Einfamilienhaus Tschebull

Einfamilienhaus Tschebull

 

Seehaus Obid oder Haus Malepartus

Koschatweg 93, Krumpendorf
Bauherrin: Katharina Obid
Ausführung: Firma Orasch 1945

Haus Malepartus am Koschatweg

Haus Malepartus am Koschatweg

 

Seehaus Obid Südansicht

Seehaus Obid Südansicht

Seehaus Obid Ansicht Koschatweg

Seehaus Obid Ansicht Koschatweg

 

Malerei

Kerndle bekannte sich als Klimt-Schüler. Gern saß er an der Staffelei am Fenster mit Blick in den schön angelegten Garten. Er malte bevorzugt Blumenstillleben. Sein Lieblingsmotiv war die Iris. Auf seinen Reisen in meist südliche Länder schuf er Skizzen und Aquarellstudien. In seinem Spätwerk finden sich aber auch großformatige Bilder.

Quellen:

  • Arch. Dipl.-Ing. Siegbert Schneidinger: Oskar Schober, Leopold Führer, Karl Maria Kerndle, Karl Wolschner – Bauten und Projekte der Schüler Otto Wagners in Kärnten, Band I und II, Dissertation an der TU Graz, 1990
  • Architektenlexikon, Wien 1770 – 1945, www.architektenlexikon.at

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