Bad Stich

Als das Interesse am Baden im See immer populärer wurde, machte sich Johann Wedenig, Inhaber des Stich-Hofes in Leinsdorf, den Trend zunutze und begann 1890 eine Badeanstalt zu errichten, die späterhin bis heute den Namen Bad Stich tragen sollte.

Die Anfänge - Badeanstalt Leinsdorf 1905

Die Anfänge – Badeanstalt Leinsdorf 1905

Johann Wedenig bemühte sich damals um den Erwerb von Grundstücken am See. Da der Betrieb des Bades sehr erfolgreich verlief, wurde dort 1895 ein öffentlicher Landungsplatz für den Schiffsverkehr eingerichtet. Johann Wedenig musste dafür einen Zufahrtsweg zur Anlegestelle der Gemeinde abtreten.

Am 26. Dezember 1899 übergab Johann Wedenig die Stichhube seinem Sohn Johann. Auch dieser setzte den Weg seines Vaters fort und versuchte landwirtschaftliche Gründe um sein Anwesen herum zu erwerben und weiter entfernt gelegene Gründe zu verkaufen. So erwarb er 1901 eine Ackerparzelle nahe dem Stichhof von Josef Pamperl im Tausch 1902 gegen zwei Grundstücke am Wörtherseeufer, auf denen später die Villen Herbst und Buchmann erbaut wurden. Das Geld verwendete Wedenig zum Ausbau der Badeanstalt.

Die offizielle Erlaubnis zur Ausübung des Badeanstaltgewerbes wurde Herrn Johann Wedenig am 7. August 1912 von der Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt verliehen. Der Gewerbeschein hängt heute im Restaurant des Bades.

Bad Stich Gewerbeschein 1912

Bad Stich Gewerbeschein 1912

Nach Stabilisierung der Währungsverhältnisse in Österreich begann Wedenig 1926 mit dem Bau eines öffentlichen Strandbades an Stelle der bis dahin bestandenen einfachen Schwimmschule. Von der Bezirkshauptmannschaft wurde eine neue Badeordnung aufgestellt und am 25.5.1926 die öffentliche Endüberprüfung vorgenommen.

Damit hatte Krumpendorf eine neue, moderne Badeanstalt mit Gasthaus, Fremdenzimmern, 20 Kabinen und einer Veranda. Das Haus besaß auch einen großen Eiskeller, der von den umliegenden Betrieben wie der Schleppe Brauerei genutzt wurde. Hier wurde das Eis im Winter aus dem See eingelagert. Es hielt anhängig von den Temperaturen mitunter bis in den Sommer hinein.

Das neu erbaute Bad Stich mit Restauration 1926

Das neu erbaute Bad Stich mit Restauration 1926

Badegruppe im Bad Stich 1926

Badegruppe im Bad Stich 1926

Bis in diese Zeit gehen die Erinnerungen von Anni Hammer (geb. Koch) zurück. Sie erzählt: „Schon vor Erreichen des Schulalters kam ich um 1920 das erste Mal mit meinen Eltern im Sommer auf Urlaub nach Krumpendorf. Angereist sind wir mit der Bahn von Leoben. Der Vater, der in Hohenfeld geboren und aufgewachsen war, pflegte den Kontakt zu seinem Elternhaus. Also verbrachten wir den Sommer beim Onkel. Zwar lag Hohenfeld nicht gerade am See, aber die schon etwas älteren Cousinen passten auf mich auf, bis auf ein Mal und das wäre fast mein Ende gewesen.

Im Bad gab es ein abgegrenztes Kinderabteil. Es war schon spät und keine Leute mehr in der Nähe. Ich ging noch nicht in die Schule, war also erst fünf oder sechs Jahre alt. Ich wollte mein Badetrikot ausschwemmen und bin auf der glitschigen Stiege ausgerutscht und ins Wasser gefallen. Ich war sofort unter Wasser und bin wie ein Fisch geschwebt. Ich hatte seltsamerweise keine Angst und auch kein Ertrinken verspürt oder Wasser geschluckt. Ich sehe mich heute noch schweben. Ich hatte die Augen offen und habe die Abgrenzungstäbe vom Kinderbasin betrachtet. Die Erinnerung ist sehr präsent, obwohl das schon über 90 Jahre her ist. Ein kleines Wunder, dass ich damals nicht ertunken bin.

Als ich meiner Cousine, die mit der Anna Stich getratscht hat, abgegangen bin, haben sie mich entdeckt und aus dem Wasser gezogen. Daran habe ich keine Erinnerung mehr. Ich weiß nur noch, dass mich meine Cousine anschließend mit einem Leiterwagerl nach Hohenfeld gezogen hat.

Irgendwann lernte ich schwimmen und nutzte die sportlichen Möglichkeiten wie Wellenreiten, die das Bad bot.

Im Bad Stich ca. 1927 - rechts auf Gummipferd Anni Koch

Im Bad Stich ca. 1927 – rechts auf Gummipferd Anni Koch

Später, als ich 12 oder 13 Jahre alt war, habe ich dann im Gasthof Koch gewohnt. Von da aus war es sehr viel kürzer zum See. Im Bad hatten sich über die Jahre hin Bekanntschaften gebildet. Man traf sich jeden Sommer in Krumpendorf. Ich war viel mit den Kindern einer Wiener Arztfamilie zusammen, einem Mädchen in meinem Alter und ihrem jüngeren Bruder. Die Familie wohnte privat und aß jeden Tag im Gasthof Koch zu Mittag. Dann waren da noch Grete, die Tochter des Schuldirektors, und natürlich auch andere Einheimische. Wenn wir zusammen waren, haben wir getaucht, gespielt und Unfug gemacht, was eben gegangen ist. Ich erinnere mich noch gut an die Anna Stich, die immer sehr beschäftigt war. Sie kümmerte sich um das Restaurant, die Küche, die Zimmervermietung, die Badekassa, in der sie meist saß und den Eintritt kassierte.”

Bad Stich 1935

Bad Stich 1935

Vor seinem Tod  regelte Johann Wedenig mit seinen Töchtern Anna und Maria den Nachlass seiner Liegenschaften. Keine der Töchter sollte berechtigt sein, ihren Anteil ohne der Zustimmung der anderen Schwester zu belasten oder zu veräußern. Jede der Schwestern hatte am Anteil der anderen das Vorkaufsrecht. In seinem Testament setzte Wedenig die Schwestern als Haupterbinnen ein, während sein gleichnamiger Sohn nur den gesetzlichen Pflichtanteil erhielt. Am 22.12.1931 starb Johann Wedenig. Als Maria Wedenig 1935 Herrn Hans Nagele heiratete, wurde der gemeinsame Besitz am 24.10.1935 zwischen den beiden Schwestern geteilt. Fortan bewirtschaftete das Ehepaar Nagele das landwirtschaftliche Anwesen in Leinsdorf, während Anna Wedenig, die später einen Herrn Nössner aus Wien heiratete, die Badeanstalt am See betrieb.

 

Reger Badebetrieb im Bad Stich 1942

Badebetrieb im Bad Stich Sommer 1942

Kindergarten im Bad Stich 1941 (Foto: Helga Duffek-Kopper)

Kindergarten im Bad Stich 1941 (Foto: Helga Duffek-Kopper)

In der Nachkriegszeit 1948/49 ließ Anna Nössner einen Neubau an Stelle der alten Badeanstalt errichten. Es zeugte von großem unternehmerischen Mut und Weitsicht, denn zur damaligen Zeit war vom Wirtschaftsaufschwung noch kaum etwas zu bemerken. Dieser sollte erst Mitte der 1950er Jahre mit dem Abzug der Alliierten Streitkräfte einsetzen.

Liegewiese Bad Stich 1968

Liegewiese Bad Stich 1968

Als Anna Nössner in Pension ging  wurde das Bad verpachtet. Nach ihrem Tod erwarb Albert Nagele, Besitzer des landwirtschaftlichen Anwesens in Leinsdorf, das Bad, womit der ursprüngliche Besitz des Hauses Stich wieder zusammengeführt wurde.

Ein drittes Mal sollte das Bad Stich in den Jahren 2000 bis 2003 komplett erneuert werden. Es wurde ein Neubau errichtet, statt Zimmer mit Frühstück stehen jetzt Apartments mit einem Restaurantbetrieb zur Verfügung. Die Kabinen wurden erweitert, WC und Duschanlagen modernisiert und behindertengerecht umgebaut. Das Bad wird heute wieder als Familienbetrieb geführt.

Bad Stich aktuelle Ansicht

Bad Stich aktuelle Ansicht

 

Quellen:

  • Geschichte des Stich-Hofes zu Leinsdorf, Dr. Karl Dinklage
  • Gespräche mit Albert Nagele 2013
  • Gespräche mit Anni Hammer (geb. Koch) im Mai 2013

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