Militärschwimmschule

Als in Krumpendorf wohl noch niemand ans  Baden im heutigen Sinn dachte, zogen erste Klagenfurter zu Fuß ans Ostufer des Wörthersees, um in Loretto, das seit 1836 eine Badeanstalt besaß, oder in der 1872 errichteten Militärschwimmschule, sich zu ertüchtigen und zu erfrischen.

Militärschwimmschule mit Hotel Wörthersee 1912

Militärschwimmschule mit Hotel Wörthersee 1912

Eine Alternative und näher war die „Kaltbade- und Schwimmanstalt“ bei der Papiermühle an der Sattnitz. Mit der Eröffnung der Pferdebahn 1891 stieg der Badebetrieb sprunghaft an. Der Wassersport der damaligen Zeit beschränkte sich hauptsächlich auf das Schwimmen und Rudern, wofür die Militärschwimmschule Ausgangspunkt wurde. Diese wurde als Pfahlbau aus Holz errichtet und befand sich unterhalb des Hotels Wörthersee.

Um 1890 erwarb der Kaufmann und Kanditenerzeuger KR Ludwig Maurer die Militärschwimmschule. Sie wurde vom Verein „Schwimmschule zu Freyenturm“ verwaltet. Männer und Frauen waren getrennt. Jede Abteilung besaß einen eigenen Kabinentrakt, ein umschlossenes Schwimmbecken und ein Sonnenbad. Die Damen trugen, obwohl sie unter sich waren, schwarze Badeanzüge, die mit Hosen und Überrock bis zum Knie reichten.

Militärschwimmschule Männerabteilung 1906

Militärschwimmschule Männerabteilung 1906

Leiter der Schwimmschule war Direktor Anselm Pöschl, ein sportlicher Schwimmer und Ruderer, der weite Kreise für den Wassersport gewinnen konnte. Er beschäftigte mehrere Schwimmlehrer, die ihre Schüler bei den ersten Lektionen mit langer Stange und Schnur wie Fische an die Angel nahmen. Die Militärschwimmschule hieß noch immer so, als schon lange keine Soldaten hier im Schwimmen unterrichtet wurden.In der Früh um 4 Uhr des 20. November 1931 verständigte eine Bedienstete des Strandbades Klagenfurt die Klagenfurter Feuerwehr. Der östliche Kabinentrakt stand bereits in Flammen. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle. Kurz darauf folgten die Feuerwehren von St. Ruprecht, St. Peter, St. Martin, Kalvarienberg, Stein-Neudorf und Krumpendorf. Der Holzbau brannte bald lichterloh. Trotz massiven Einsatzes der Feuerwehren wurde der östliche und mittlere Kabinentrakt vollständig zerstört, nur der westliche Teil, die Herrenabteilung, konnte vor den Flammen gerettet werden. Auch die Restauration Lindner blieb von den Flammen verschont, da man  das Gebäude unter Wasser setzte. Bis 6 Uhr Früh dauerten die Löscharbeiten. Die Feuerwehr Krumpendorf übernahm die Brandwache danach.

Am nächsten Morgen bot sich ein Bild der Zerstörung. Verbrannte und verkohlte Holzteile schwammen auf dem See, was stehen blieb war verschmutzt und von Ruß bedeckt. Im Restaurant Lindner war man noch den ganzen Vormittag damit beschäftigt, das Löschwasser in Kannen und Kübeln nach außen zu tragen. Die Dampfer und Motorbote der Wörthersee-Schifffahrtsgesellschaft ebenso wie der Besitz des Rudervereins Albatros blieben von den Flammen verschont.

Die Brandursache konnte nicht ermittelt werden, aber man ging davon aus, dass es Brandstiftung war, da das Feuer im Osttrakt seeseitig ausbrach und es dafür keine Erklärung gab. Besitzerin der Militärschwimmschule war eine Gesellschaft, deren geschäftsführender Obmann Rechtsanwalt Dr. Messiner war.

Ein Wiederaufbau war nicht möglich. Einige Zeit blieb die Schwimmschule für die Ausbildung des Sportnachwuchses noch in Betrieb.

Quellen:

  • Kärntner Tagblatt vom 21.11.1931
  • Klagenfurter Zeitung vom 21.11.1931

 

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