Schrottenburg

Am nordöstlichen Ufer des Wörthersee zwischen Krumpendorf und Klagenfurt ragt weithin sichtbar ein altes Industriedenkmal in den Himmel, der Schrotturm, der in den Jahren 1818 – 1824 von Johann Ritter von Rainer zu Harbach erbaut wurde.

Schrotturm 1840

Lithographie Josef Wagner 1835-40

 

Der Turm mit einer Höhe von 67m  diente zur Erzeugung von Schrotkugeln. Flüssiges Blei wurde von ganz oben durch ein Sieb gegossen. Die Tropfen nahmen beim Fall Kugelform an und fielen dann in ein kaltes Wasserbad, wodurch sie aushärteten. Mehrere Jahrzehnte wurde so Schrot erzeugt, bevor der Turm 1898 an die Bleiberger Bergwerksunion verkauft wurde. Bald darauf wurde die Produktion eingestellt.

Im Jahre 1927 erwarb Adolf Wolf, der Gründer der „Kärntner Wasserkraft AG”, den Turm. Wolf beließ das ursprünglichen Aussehen und errichtete am Fuße ein Terrassen-Kaffeerestaurant, welches „Schrottenburg” genannt wurde, eine Bezeichnung, die heute noch Verwendung findet. Den Turm selbst adaptierte Wolf als Aussichtsturm. Ausgeführt wurde der Bau von der Klagenfurter Firma Baumeister Miklin. 1928 wurde die Bundesstraße von Klagenfurt nach Villach asphaltiert, was weitgehendst staubfreies Fahren möglich machte.

Terrassencafé Schrottenburg 1928

Terrassencafé Schrottenburg 1928

Von den Terrassen hatte man „einen großartig schönen Anblick über das untere Seebecken und die Karawankenkette“. Im Buch „Die Städte Deutschösterreichs – Klagenfurt” aus dem Jahre 1929 heißt es: „Die Terrassen sind von einer Pergola mit Kunststeinsäulen und solchen Geländern umgeben, welche lebhaft an ähnliche Bauten an der Riviera erinnern. Das Terrassen-Kaffeerestaurant Schrottenburg ist nach übereinstimmendem Urteil der Besucher unstreitig der schönste Punkt am ganzen Wörthersee. Wenn des Abends die Sonne am Horizont in ein goldenes Wolkenmeer untertaucht, spiegelt sich die glatte Seefläche in tausend Farben, ein Bild von dem jeder Besucher entzückt ist. Auch in schönen Nächten, wenn der Mond mit seinem silbernen Schein den See und seine Ufer überflutet, entstehen märchenhaft schöne Bilder.”

Café Schrottenburg Terrassenausblick Südwest 1928

Café Schrottenburg Terrassenausblick Südwest 1928

Café Schrottenburg Terrassenausblick Südost 1928

Café Schrottenburg Terrassenausblick Südost 1928

Bis in das Jahr 1970 wurde das Café-Restaurant betrieben. Seither verfällt und vermüllt es. 2005 zerstörte ein Brand das denkmalgeschützte Objekt. Auch vorher ist es immer wieder zu Bränden gekommen. Die Gebäude wurden gerne von Obdachlosen als Quartier genutzt.

Die Hoteliersfamilie Unzeitig hat den denkmalgeschützten Schrotturm 2007 an die Immobilienfirma Riedergarten verkauft. Die Option für den Verkauf war, das Areal wieder gastronomisch zu nutzen und der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Der aktuelle Stand (Juli 2012) ist, dass das 6500 m² große Grundstück mit dem 67m hohen  Schrotturm für 1,2 Millionen Euro wieder zum Verkauf steht. Riedergarten Immobilien hat 4 Jahre eine Option auf das Grundstück gehabt, die nun ausgelaufen ist. Geplant waren Gastronomie und Büros. Jetzt wird ein neuer Käufer gesucht.

Quellen:

  • Die Städte Deutschösterreichs – Band IV Klagenfurt, Herausgeber: Erwin Stein, Deutscher Kommunal-Verlag GmbH, Berlin-Friedenau, 1929
  • Schaden beim Brand im Schrotturm, ORF Kärnten, 24.3.2005
  • Kärnten heute, ORF Kärnten, 16.7.2007
  • Schrotturm wieder im Gespräch, Kleine Zeitung 8.2.2010
  • Schrotturm, www.klagenfurt.at
  • Rarität Schrotturm zu verkaufen, Kleine Zeitung 11.7.2012

 

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