Die Messiner-Villen

Johann Messiner war nach heutigen Maßstäben Immobilien- und Grundstücksmakler, Immobilienentwickler und Bauherr. Sein Engagement sollte das Ortsbild maßgeblich verändern und noch heute stehen die meisten der Villen, die er erbaut oder deren Erbauung er durch Grundstücksverkäufe initiiert hat.

Er war ein erfahrener Bauherr und ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann. Er löste Gründe aus der Simon- und der Straußhube heraus, verkaufte sie gewinnbringend an Bauwillige oder er baute selbst Villen, die er dann veräußerte. Mit dem Bau der Eisenbahn 1864 hatte Krumpendorf am Wörthersee als Ort der Sommerfrische enorm an Bedeutung gewonnen. Messiner verstand es, finanzkräftige Interessenten für den Erwerb von Villen am sonnigen Südhang in Srallach (so hieß damals der Ortsteil) zu gewinnen. Er war für den Bau der meisten Villen im unteren Teil des Lannerweges verantwortlich.

Der Messinerweg (heute Lannerweg) ist von Johann Messiner als Zufahrt zum Straußhof angelegt worden. Es war ein Privatweg. Davor konnte man nur über den Römerweg zum Straußhof gelangen. Johann Messiner räumte den Käufern seiner Grundstücke oder Villen ein entsprechendes Wegerecht gegen Zahlung eines jährlichen Erhaltungsaufwandes von einigen Kronen ein. Die Eigentümer konnten somit den Weg als Fuß- oder Fahrweg benutzen. Erst am 10.7.1929 beschloss die Gemeinde Krumpendorf den Srallacher Weg (heute westlicher Teil des Römerwegs zwischen Lannerweg und Moosburger Straße) zum öffentlichen Weg zu erklären.

1931 hatten Emma und Maria Kurzl um 55.000 Schilling die Straußhube ersteigert. Die Besitzer des Anwesens hatten das Recht, den Lannerweg in der Obstzeit zwischen der Pension Michner und dem Lorbeersteig abzusperren, wovon auch Gebrauch gemacht wurde. So mussten z.B. die Gäste der Pension Michner einen beträchtlichen Umweg über Kaiserallee und Lorbeersteig in Kauf nehmen, um zur Moosburger Straße oder in den nördlich gelegenen Wald zu gelangen. Durch die Vermittlung von Karl Kutternig jun. und Dr. Mrabler kam eine Einigung zustande. Die Kurzel-Schwestern verkauften 1933 die Wegparzellen an die Gemeinde. Der Weg wurde verbreitert und die Gemeinde übernahm die Pflege und Instandhaltung desselben. Seither ist der Weg öffentlich.

Am 25.11.1899 starb Johann Messiner. In seinem Testament wurde seine Hinterlassenschaft unter Umgehung seines Sohnes Dr. Max Messiner an die Witwe Ottilie Messiner geb. Metnitz und seine Söhne Alfred und Friedrich aufgeteilt. Der Krumpendorfer Besitz ging an die Witwe, das Haus Burggasse 10 in Klagenfurt an die beiden Söhne.

 

Die Villen

 

Nachstehend sind die Krumpendorf betreffenden Grundstücksgeschäfte von Johann Messiner und seiner Frau Ottilie aufgeführt und der Bau der Villen mit vorhandenem Bildmaterial unterlegt. Nicht alle erbauten Villen stehen noch, aber ein ansehnlicher Teil ist noch vorhanden und zeugt vom architektonischen Geist der der damaligen Zeit. Es war schon etwas besonderes, eine Villa am Wörthersee zu besitzen und die Sommer hier zu verbringen.

20.6.1872: Als Andreas Wedenig die hohen Zahlungsverpflichtungen aus dem Testament seines Vaters gegenüber seinen Geschwistern nicht mehr erfüllen konnte, verkaufte er den Straußhof (Römerweg 74) an den Klagenfurter Ingenieur und Bauunternehmer Johann Messiner, der allerdings an einer landwirtschaftlichen Nutzung des Hofes nicht interessiert war. Im Laufe des Jahres 1873 kam Messiner den Zahlungsverpflichtungen nach und beglich auch die Schulden, die auf dem Gut lasteten. Die Mittel dazu verschaffte er sich aus dem Verkauf von Grundstücken, die bis dahin zum Straußhof gehört hatten. Gemäß dem Grundbesitzstand von 1828 hatte die Liegenschaft eine Größe von 21 Hektar.

Straußhof 1935

Straußhof 1935

13.9.1873: Grundstücktausch mehrere Parzellen mit Theresia Samitz

20.10.1873: Er veräußerte Weidegrund und Wald an Karl Samitz, worauf die Unteralm entstand.

20.5.1874: Verkauf diverser Parzellen an Rupert Werdenig vulgo Juritsch.

5.6.1877: Verkauf von 8,74 Hektar Grundbesitz an Anton Wieninger.

23.2.1878: Verkauf einer Wiesenparzelle an Theresia Samitz, Besitzerin des Gütls am Schall (Skaunig).

17.3.1877: Am 17.3.1877 erwarb Messiner die Simonwirt-Hube (heute Krumpendorferhof) von der Witwe Ursula Müller geb. Aineth um 14.900 Gulden und einige Fahrnisse (bewegliche Sachen) um 600 Gulden. Das Anwesen hatte damals eine Größe von 23 Hektar und umfasste eine Schmiede, zwei Wohnhäuser, ein Wirtschaftsgebäude, Ackerparzellen, Wiesen, Hochwald und Niederwald. Messiner übernahm auf dem Anwesen liegende Lasten in Höhe von 7861 Gulden und 76 Kreuzer und der Rest von 7638 Gulden und 24 Kreuzer wurde in drei Raten bezahlt. Die dritte Rate war erst am 1.7.1878 fällig, so dass Messiner durch den Verkauf von Gründen das Geld beschaffen konnte.

Simonwirt 1890

Simonwirt 1890

8.8.1877: Verkauf einer Hochwaldparzelle aus dem Bestand der Simonhube an Josefine Oblasser.

9.8.1877: Grundtausch mit Anton Wieninger. Den Grund benötigte Messiner für den Bau der Villa Bellaria.

3.11.1878: Verkauf von Wald-, Acker-, Wiesen- und Weideparzellen an Peter Spick vulgo Toffe.

6.12.1880: Verkauf einer Garten- und Wiesenparzelle um 3.800 Gulden an Fräulein Maria Werzer von Glanau, später verehelichte Edle von Suez, die auf dem Grund die Villa Suez errichtete.

14.12.1883: Verkauf eines Grundstückes an der Hauptstraße an Agnes Sachers, die dieses am 12.7.1884 an Josefine Czerny, Handelsfrau am Neuen Platz in Klagenfurt, weiter verkaufte. Darauf entstand die Villa Czerny.

Villa Czerny 1890er

Villa Czerny 1890er

13.12.1888: Verkauf der Villa Kreutzinger (Hauptstraße 162, heute Seeapotheke) an Ludwig von Kreutzinger. Dieser und seine Nachfolger erhielten das Recht, Wasser aus dem Brunnen der Simonhube zu entnehmen.

26.11.1881: Verkauf der Simonhube an Georg Kohlmann und seine Frau Dorothea, Hotelpächter in Pörtschach, um 7200 Gulden und die Wirtschaftseinrichtung um 300 Gulden. Ein weiterer Grundstücksverkauf an Kohlmann erfolgte am 1885 um 950 Gulden.

Restauration Schützenauer ca. 1905

Restauration Schützenauer ca. 1905
(Foto: AT-KLA 129-E-Krumpendorf 98 St)

3.7.1885: Verkauf der Villa Bellaria um 5800 Gulden an Franziska Meissner inkl. Wegerecht zur Villa.

Villa Bellaria 2017

Villa Bellaria 2017

21.3.1886: Verkauf der Schmiedkeusche Hausnummer 5 (heute Kaiserallee 38) sowie diverser Grundparzellen an Paul Strauss.

11.8.1877: Verkauf mehrerer vorwiegend südlich der Hauptstraße gelegener Grundparzellen an Anton Wieninger für 2.800 Gulden.

8.11.1887: Verkauf einer Bauparzelle an Josef Pamperl, der darauf eine Villa für sich errichten wollte. Zum Bau der Villa kam es nicht, da Pamperl 1891 das Schlossgut Krumpendorf ersteigerte und dort einzog.

1.10.1882: Tausch von Parzellen mit Elisabeth Wedenig vulgo Wipponig (Gasthof Koch, Hauptstraße 175).

20.4.1892: Anfang der 1890er Jahre hatte Johann Messiner die Villa Waltner (Lannerweg 9) gebaut und verkaufte diese an Dr. Adolf Waltner, prakt. Arzt in Wien, um 10.000 Gulden.

25.5.1892: Größerer Grundstückstausch mit Joachim und Theresia Schöller, Handschuhwarenfabrikantenseheleute in Wien, Besitzer der Lorbeerhube.

2.8.1892: Verkauf von Grundparzellen an die Eheleute Johann Kranzmayer und Elisabeth geb. Mayer, die beabsichtigten, auf dem Grundstück eine Villa zu erbauen (Villa Kranzmayer, Römerweg 48).

Villa Kranzmayer 2012

Villa Kranzmayer 2012

6.5.1883: Messiner, der nunmehr in der Parkstraße 13 in Graz wohnte, verkaufte an seine Frau Ottilie zwei Grundparzellen um 200 Gulden, damit sich diese selbst eine Villa bauen konnte.

20.3.1894: Parzellentausch mit Josef Pamperl.

12.3.1894: Verkauf von Grundparzellen an Hugo Visin aus Triest für 6520 Gulden.

3.12.1894: Verkauf weiterer Grundparzellen an Hugo Visin aus Triest für 2856 Gulden.

1894: Messiner erbaut für Hugo Visin (Persischer Generalkonsul aus Triest) die Villa Laura (Lannerweg 10).

Villa Laura 1903

Villa Laura 1903

Villa Laura 2017

Villa Laura 2017

27.11.1897: Messiner verkaufte die Villa „Grüss Gott“ (Lannerweg 6), die er 1895 erbaut hatte, an Augusta und Anna Bock um 8970 Gulden.

Villa Grüßgott 2017

Villa Grüßgott 2017

4.9.1897: Auf dem Grundstück, das Messiner 1893 seiner Frau verkauft hatte, hatte er die Villa Hainblick (Srallach 25/Lannerweg 18) gebaut. Seine Frau verkaufte die Villa an Ernst Finger aus Wien um 9.000 Gulden, wovon 1.000 Gulden auf das Inventar entfielen.

25.8.1898: Messiner schenkte seiner Frau eine Gartenparzelle, auf der die Villa Therese gebaut wurde.

28.6.1899: Frau Messiner verkaufte die Villa Therese an Therese März aus Wien um 10.600 Gulden (=21.200 Kronen).

25.11.1899: Tod von Johann Messiner

26.10.1900: Die Witwe Ottilie Messiner geb. Metnitz erbt den Krumpendorfer Besitz.

6.12.1900: Ottilie Messiner verkaufte an Gustav Edlen von Jahl, k.k. Generalmajor in Pressburg und dessen Frau Leopoldine eine Ackerparzelle um 8.200 Kronen. Auf dem Grundstück wurde die Villa Jahl (später Villa Michner, Lannerweg 25) errichtet.

Villa Jahl um 1900

Villa Jahl um 1900

Villa Jahl / Michner 2015

Villa Jahl / Michner 2015

3.5.1910: Nachdem Ottilie Messiner 10 Jahre Eigentümerin des Straußhofes gewesen war, verkaufte sie das Anwesen einschließlich des Messinerwegs und der Messiner-Allee an Hans Mündler aus Graz um 45.000 Kronen und alle beweglichen Sachen um 5.000 Kronen. 1916 erwarb Henriette Peter, die Ehefrau von Korvettenkapitän Albert Peter Pirkham, den Straußhof um 45.000 Kronen. Albert Peter-Pirkham sollte nach Ende des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle bei der diplomatischen Lösung um den Gebietsanspruch des SHS-States inne haben. Ein Park in Krumpendorf trägt seinen Namen.

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Quellen:

Karl Dinklage, Geschichte des Strauß-Hofes zu Krumpendorf
Karl Kutternig jun., Mein Leben im öffentlichen Dienst, 1960er Jahre
Josef Pamperl, Geschichte von Krumpendorf am Wörthersee, 1929

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