Familie Sterneck auf Schloss Hornstein

 

Gegenüber den beiden anderen Schlössern in Krumpendorf ist Hornstein seit über 150 Jahren in Familienbesitz, was für die heutige Zeit eine Seltenheit darstellt. 1865 erwarben Otto Daublebsky Freiherr von Sterneck (1821-1890) und seine Frau Carolina (1822-1894) um 11.000 Gulden das oberhalb Krumpendorf gelegene Schloss Hornstein. Es wurde grundlegend saniert.

Otto und Caroline von Sterneck

Otto Daublebsky Freiherr von Sterneck und seine Frau Carolina
(Foto: Dr. Christian Steeb)

Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Günther (1847-1885) und Walther (1852-1933). Nachdem Günther kinderlos geblieben war, erbte sein jüngerer Bruder Walther den Besitz. 1924, nachdem auch seine Mutter gestorben war, wurde Walther Freiherr von Sterneck als Sektionsrat des k. k. Ministeriums für Landesverteidigung pensioniert. Er widmete sich fortan der Verwaltung seines Besitzes in Kärnten, zu dem auch Hornstein gehörte.

Walther Frhr. von Sterneck

Walther Frhr. von Sterneck (Foto: Dr. Christian Steeb)

Am 24. Jänner 1899 heiratete er in der Kirche zu Krastowitz Ida Edle von Walterskirchen (1867-1943). Am Tag darauf brachte der neu gegründete Männergesangsverein „MGV Seerösl“ dem Brautpaar ein Hochzeitsständchen dar. Die Eltern von Ida Walterskirchen hatten sich im Sommer 1896 durch Kauf einer Villa in Krumpendorf angesiedelt. Ihr Vater, Richard von Walterskirchen, war ein Cousin von Robert von Walterskirchen, der der Halbinsel im Westen Krumpendorfs seinen Namen gab.

Walter und Ida von Sterneck 1899

Walter und Ida von Sterneck 1899 (Foto: Dr. Christian Steeb)

Der glücklichen Ehe von Walter Sterneck und Ida Walterskirchen entstammten zwei Kinder. Am 13. Jänner 1902 wurde Otto geboren, am 9. Jänner 1903 Elisabeth. Im Jahre 1907 erwarb die Familie eine Villa in Lussingrande (Veli Lošinj), auf der Insel Lussin (Lošinj) im heutigen Kroatien. Sie wurde zum Sommersitz.

Walter wurde 1909 Mitglied der Landesregierung und 1910 zum Ersten Obmann der Kärntner Landsmannschaft gewählt. Kaiser Franz Josef verlieh ihm 1916 das Komturkreuz des kaiserlich österreichischen Franz-Josef-Ordens. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie schied er aus des Landesdienst aus.

Sein Sohn Otto besuchte einige Jahre das Internat der Benediktiner in St. Paul im Lavanttal und schloss dann das Staatsgymnasium Klagenfurt mit der Matura ab. Er machte die erste Staatsprüfung in Rechtswissenschaften in Graz, setzte jedoch sein Studium aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes seines Vaters nicht fort. Dieser hatte ihm 1923 seinen ganzen Besitz übergeben. 1924 heiratete er zur Freude seiner Eltern in Ehrenburg (Casteldarne) in Südtirol Marie-Hermine Künigl, Gräfin zu Ehrenburg.

Seine jüngere Schwester Elisabeth (1903-1960), die künstlerisch außerordentlich begabt war, zählte zu den wichtigsten Repräsentanten der Kärntner Kunstszene der 1920er und 30er Jahre. (Siehe Elisabeth Guttenberg-Sterneck).

Die Inflation, die Arbeitslosigkeit und der Verfall der Rohstoffpreise machte die wirtschaftliche Situation derart schwierig, dass die Familie gezwungen war, die Villa in Lussingrande 1923 zu verkaufen. Ida Sterneck vermerkte dazu in ihrem Tagebuch: „Mit dem Erlös dieses Verkaufs sowie dem Verkauf der Brillanten meiner Schwiegermutter konnten wir die grauenhafte Inflation einigermaßen überstehen.“

Schloss Hornstein 1929

Schloss Hornstein 1929 (Foto: Seewald)

Die gegensätzliche Weltanschauung der Sozialdemokraten und der Christlichsozialen mit ihren jeweiligen paramilitärischen Verbänden „Heimatschutz“ und „Republikanischer Schutzbund“ und die Weltwirtschaftskrise mündeten in einen Bürgerkrieg, in die Ausschaltung des Parlamentes und in die Errichtung eines Ständestaates. Auch die NSDAP wurde Anfang der 1930er Jahre eine bedeutsame Größe im politischen Gefüge Kärntens. Sie wurde 1933 verboten, dennoch galt Kärnten als eine Hochburg des Nationalsozialismus, was sich in Flugblättern, Demonstrationen, Schmieraktionen und Sprengstoffanschlägen äußerte. Der Putschversuch der Nazis am 25. Juli 1934, dem Tag der Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, wurde auch in Kärnten innerhalb weniger Tage niedergeschlagen.

Otto Sterneck war seit 1932 Sympathisant und wurde 1934 Mitglied der damals illegalen NSDAP. Dies dürfte auf den großen Einfluss einer Mutter zurückzuführen gewesen sein. Sie schrieb rückblickend 1936 in ihren Erinnerungen: „Ich, von Jugend an deutsch bis in die Knochen, war ganz und gar begeistert, endlich war mein Volk, Dank eines Mannes, bei seiner Einigkeit angelangt! Ein himmelstürmender Enthusiasmus, eine unbegreiflich zähe Beharrlichkeit hatte einige Männer befähigt das deutsche Volk mitzureißen, die Macht zu erkämpfen.“

Im April 1934 war ein Sender der illegalen NSDAP auf dem Dachboden des Schlosses Hornstein installiert worden. Nachdem durch Peilung der ungefähre Standort des Senders lokalisiert worden war, wurde dieser demontiert und im angrenzenden Wald versteckt. Im August kam es zur dritten Hausdurchsuchung und zu Verhören auch des Personals durch die Gendarmerie. Im Hühnerstall des Pächters wurden schließlich einige Gewehre und der Sender gefunden, die ein Mitglied der illegalen SA dort versteckt hatte. Otto Sterneck wurde wegen Hochverrates sofort verhaftet und nach Klagenfurt gebracht. Dies war eine besonders unangenehme Situation, da sein Schwager Arthur von Guttenberg Bezirkshauptmann von Klagenfurt war. Ottos gesamter Besitz wurde beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung gestellt. Außerdem wurde eine Geldstrafe von 50.000 Schilling – eine in der damaligen Krisenzeit ungeheure Summe – verhängt. Da auch alle Konten gesperrt wurden, musste seine Frau ihr Auto zuerst verpfänden und dann verkaufen, um über die Runden zu kommen. Ida Sterneck schrieb über die damalige Situation: „In Klagenfurt war so ziemlich die ganze Bevölkerung auf unserer Seite, aber die Machthaber konnten tun was sie wollten! Die unbekanntesten Leute drückten uns ihre Sympathie aus, hielten Hermie [Ottos Frau] auf der Straße an und fragten nach Otto. Die Verwandten steckten, wie der Vogel Strauß, den Kopf in den Sand.“

Am 24. September 1934 kam es zur Gerichtsverhandlung in Klagenfurt. Man konnte Otto nicht viel nachweisen. So kam er von Oktober bis Dezember 1934 in das Anhaltelager Wöllerdorf in Niederösterreich. 1935 wurde die auf 1.000 Schilling reduzierte Geldstrafe bezahlt und die Zwangsverwaltung des Besitzes wieder aufgehoben.

Otto von Sterneck 1942

Otto von Sterneck 1942
(Foto: Dr. Christian Steeb)

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Wien meldete Kärnten bereits am 11. März 1938 als erster Reichsgau den Vollzug des Anschlusses. Otto besaß damals die Druckerei im Gutenberghaus in Klagenfurt, welche seine Frau zuvor gekauft hatte und die nach dem Anschluss zum NS-Gauverlag wurde. 1939 erhielt Otto Sterneck durch den „Führer und Reichskanzler“ aus „Anlass der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ die gestiftete Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938 – die sogenannte „Ostmark-Medaille“ – verliehen. 1940 wurde er zum Flieger-Ausbildungs-Regiment 14 in Klagenfurt-Annabichl einberufen. Seine Einheit wurde 1942 nach Russland verlegt. Dort fiel er in der Nacht des 19. Oktober 1942, nachdem Partisanen unter dem Truppentransport Minen zur Explosion gebracht hatten. Er hinterließ bei seinem Tod vier unmündige Kinder.

Seine Frau Marie-Hermine (1904-1981) erbte den Besitz. Nach ihrem Tod ging das Schloss an ihre jüngste Tochter Felicitas Steeb (1933-2016). Der aktuelle Besitzer ist ihr Sohn Christian.

Bau- und Besitzgeschichte von Schloss Hornstein in Krumpendorf

 

Quellen:

  • Christian Steeb/Tomáš Sterneck: Die Daublebsky Freiherren von Sterneck zu Ehrenstein. Zur Geschichte und Genealogie der seit fast zweihundert Jahren in Kärnten beheimateten Linie einer böhmischen Adelsfamilie (= Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie Bd. 104), hrsg. v. Geschichtsverein für Kärnten. Klagenfurt am Wörthersee 2011.

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