Wie der Obus nach Krumpendorf kam

Seit 1864 hat Krumpendorf eine Bahnstation, seit 1877 eine Schiffsanlegestelle. Wer vor Inbetriebnahme der Obuslinie nach Klagenfurt wollte nahm die Pferdekutsche, später das Auto. Die einfachen Leute fuhren mit dem Fahrrad oder man ging zu Fuß. Neben der Bahn bot auch die Wörtherseeschiffahrt eine regelmäßige Verbindung an. Es sollte bis 1949 dauern, bis der erste Obus (Oberleitungsbus) von Klagenfurt See nach Krumpendorf fuhr.

Obus-Haltestelle Krumpendorferhof 1949

Obus-Haltestelle Krumpendorferhof 1949

Es hat eigentlich ziemlich lange gedauert, bis das Streckennetz von Klagenfurt nach Krumpendorf realisiert wurde. Seit dem Bestehen der elektrischen Straßenbahn im Jahre 1911 gab es das Projekt, das Streckennetz der Straßenbahn nach Krumpendorf und Pörtschach zu verlängern. Die Strecke sollte südlich parallel der Bahnlinie verlaufen. Als Haltestellen waren vorgesehen:

km 0,00 Klagenfurt See Ausweiche und feste Haltestelle
km 0,857 Rauscherweg Bedarfshaltestelle
km 1,647 Gurlitsch Bedarfshaltestelle
km 2,104 Krumpendorf Anfang Ausweiche und feste Haltestelle
km 2,610 Krumpendorf Mitte feste Haltestelle
km 3,010 Krumpendorf Anfang Ausweiche, Schleife und feste Haltestelle

Die Trassenrevision fand am 20.4.1911 statt, ein Grundeinlösungsvertrag mit Krumpendorf wurde am 20.4.1912 abgeschlossen, eine Grundeinlösung bis Pörtschach war in Verhandlung. Weitere Begehungen bis Krumpendorf und Pörtschach fanden 1917 statt. Die schlechte wirtschaftliche Lage der Nachkriegszeit verhinderte jedoch den Bau der Strecke.

Obus-Haltestelle Bahnhof Krumpendorf, rechts das Hotel Kärntnerhof

Obus-Haltestelle Bahnhof Krumpendorf, rechts das Hotel Kärntnerhof

Nach dem Zweiten Weltkrieg planten die Klagenfurter Verkehrsbetriebe eine Schnellstraßenbahn von Klagenfurt nach Velden. Da sich diese als undurchführbar erwies, plante man die Strecke als Obuslinie. Das Obusprojekt wurde am 11.5.1947 in Pörtschach der Presse vorgestellt. Der Ausbau sollte in drei Etappen bis Krumpendorf, Pörtschach und Velden realisiert werden. Der Zweckverband Wörthersee wünschte sich sogar eine Rundlinie um den See. 1947 befürwortete Verkehrsminister Übeleis den Bau der Obuslinie bis Pörtschach, gebaut wurde sie letztlich bis Krumpendorf-Leinsdorf.

Obus-Endhaltestelle Krumpendorf - Leinsdorf, Fahrer und Schaffner

Obus-Endhaltestelle Krumpendorf – Leinsdorf, Fahrer und Schaffner

Bei der Auschreibung für den Bau der Fahrleitungsanlage bekamen die Siemens-Schuckert-Werke in Wien den Zuschlag. Siemens hatte eine moderne Fahrleitung mit dem windschiefen Doppelpendelsystem Kummler & Matter angeboten, die Österreichischen Brown-Boveri-Werke jedoch die herkömmliche starre Bauart. Die Montagearbeiten wurden auch im Winter 1948/49 fortgeführt und die Strecke am 29.4.1949 eröffnet.

Feierliche Eröffnung der Obuslinie an der Endhaltestelle Leinsdorf,

Feierliche Eröffnung der Obuslinie an der Endhaltestelle Leinsdorf,
rechts am Mikrofon Bürgermeister Georg Spick

Es hatte auch Gegenstimmen gegeben, die auf modernere Verkehrsmittel pochten oder andere wiederum bezeichneten den Obus als Straßenkäfig, ein Fahrzeug ohne Ästhetik. Mit der neuen Linie ist Krumpendorf näher an Klagenfurt heran gerückt. Auch der Fremdenverkehr sollte davon profitieren. Die Eröffnungsfeierlichkeiten begannen an der Haltestelle Klagenfurt See, wo Straßenbahn und Obus zusammen trafen. An der Endhaltestelle Krumpendorf-Leinsdorf erwarteten Bürgermeister Georg Spick und die Krumpendorfer freudig den ersten Bus. Anschließend gab es einen Empfang im Hotel Wörthersee.

Obus-Endhaltestelle Leinsdorf mit Ringleitung

Obus-Endhaltestelle Leinsdorf mit Ringleitung

Die Umsteigeanlage zwischen der Seetramway und der Obuslinie Krumpendorf, die 1948 errichtete „Halle See“, bot den Fahrgästen einen überdachten Wartebereich und im Winter einen beheizten Warteraum, ein WC, einen Münzfernsprecher sowie ein Buffet und eine Trafik.

Obus Haltestelle Halle See 1949

Obus Haltestelle Halle See 1949

1956 wurde die Obusfahrleitung im Bereich des Eisenbahnüberganges beim Hotel Wörthersee wegen Elektrifizierung der ÖBB-Strecke Klagenfurt – Villach abgetragen. Der letzte Obus der Linie K fuhr am 24.8.1956 um 22:45 Uhr. Am Morgen des nächsten Tages fuhr der erste Diesel-Autobus. 1958 wurde die Fahrleitungsanlage von Klagenfurt See bis Krumpendorf abgetragen.

Obus-Haltestelle Bahnhof Krumpendorf, rechts das Bahnhofsgebäude

Obus-Haltestelle Bahnhof Krumpendorf,
rechts das Bahnhofsgebäude

Der erste Schritt war getan und bis heute verbinden Diesel-Autobusse Krumpendorf mit Klagenfurt. Es ist durchaus möglich, dass zukünftig Elektro-Autobusse der neuesten Bauart die Diesel-Fahrzeuge ablösen werden. Ein erster Testbus ist bereits im Einsatz.
Quellen:

  • Die Klagenfurter Straßenbahn, Hansgeorg Prix und Gerhard Mayr, Heyn Verlag Klagenfurt, 1981
  • Die Neue Zeit, 30.4.1949
  • Fotos: Archiv Hansgeorg Prix, Klagenfurt

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