Alois Schönn

(11.3.1826-16.9.1897)

Am 16. September 2022 waren es genau 125 Jahre her, dass der Wiener Maler Alois Schönn in Krumpendorf verstarb. Die Zeit um die Jahrhundertwende war der Wörthersee für die Wiener Wohlstandsgesellschaft und deren Entourage eine beliebte Destination der Sommerfrische. Prof. Alois Schönn war zu jener Zeit ein gefragter Maler und stieg demnach in Krumpendorfs erster Adresse ab, im Etablissement Gut Krumpendorf.

Anzeige Gut Krumpendorf 1898
Etablissement Gut Krumpendorf 1898

Pamperl hatte das Schloss Krumpendorf zum ersten Hotel im Ort gemacht. Die drei Gebäude hatten 25 Zimmer und eine weitere Reihe an Annehmlichkeiten, wie sie in großen Häusern üblich waren. Demzufolge war das Etablissement bei den noblen Gästen begehrt und gut frequentiert.

Alois Schönn war Historien- und Genremaler. Er erntete erste Lorbeeren als Maler von Kriegsschauplätzen. Als er in Ungarn nur knapp dem Tode entkam, kehrte er dem kaiserlichen Wien den Rücken und zog nach Paris, um von französischen Meistern zu lernen. Auf seinen umfangreichen Reisen durch ferne Länder entstanden eine Vielzahl von exotischen und orientalischen Motiven. Ganz besonders prägte ihn seine Orientreise 1852 in die Türkei, nach Ägypten und Tunis. Aufsehen erregten einige seiner Bilder aus dem Volksleben von Ungarn, aus dem jüdischen Volksleben in Galizien und zahlreiche andere ethnographische Genrebilder.

Alois Schönn, Markt In Sarajewo, erstellt spätestens 1897
Alois Schönn, Markt In Sarajewo, erstellt spätestens 1897

Alois Schönns Aquarell des Waldbauernbub Peter Rosegger erlangte einige Popularität, nachdem es noch zu Lebzeiten von Alois Schönn und von Peter Rosegger in einer Publikation abgedruckt wurde. Rosegger selbst berichtet sogar von einem Atelierbesuch bei Alois Schönn in Wien. Es ist allerdings nicht sicher, ob es diesen Besuch wirklich gegeben hat, da das Aquarell aus 1854 stammen soll, der erste Wienbesuch Roseggers aber erst 1863 stattfand. Wie so oft in Roseggers Werk vermischt sich Autobiographisches mit Literarischem, das seiner Phantasie entsprang.

Peter Rosegger als Waldbauernbub - Aquarell Alois Schönn 1854
Peter Rosegger als Waldbauernbub
Aquarell Alois Schönn 1854

Schönn heiratete 1860 Sofie Dratschmiedt von Mährentheim, die ein Jahr nach seinem Tod, also 1898, erneut den Sommer in Krumpendorf verbrachte.

Sein Selbstportrait befindet sich heute in der Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Alois Schönn Selbstbildnis (vor 1889; Österreichische Galerie Belvedere)
Alois Schönn Selbstbildnis
(vor 1889; Österreichische Galerie Belvedere)

Alle großen Zeitungen würdigten Alois Schönn nach seinem plötzlichen Tod in Krumpendorf, so auch der Feuilleton der Klagenfurter Zeitung vom 19.9.1897:

Schönn besitzt eine Kraft im Colorit, wie wenige Künstler, und namentlich in den letzten Jahren hat er darin glänzende Fortschritte gemacht. Er ist ein feiner Beobachter, seine Gestalten sind wirkliche Volkstypen voll Kraft und Leben, denen oft nur fehlt, dass sie athmen. Seine Werke sind gesucht und geschätzt, er gehört nicht in jene Clique, deren Bilder vor dem Krach wie die Papiere der Börsenbarone hoch standen, um nach dem Krach um so tiefer zu fallen. Schönns Bilder sind nicht auf die Wiener Ringstraße und die Wucherhallen der Bildermäkler beschränkt, sie haben so ziemlich europäischen Cours, stehen immer gleich hoch im Preise, und sind nicht selten noch mehr wert, als sie kosten, wenn sie auch noch so theuer waren.

Alois Schönn - Die Erstürmung des verschanzten Lagers von Lodrone 1851
Alois Schönn – Die Erstürmung des verschanzten Lagers von Lodrone 1851 (Heeresgeschichtliches Museum Wien)

Das Sterbebuch der katholischen Kirche vermerkte als Todesursache Lungenemphysem. Er starb plötzlich und unerwartet, wenngleich seine Familie über seinen schlechten Gesundheitszustand wohl Bescheid wusste. Sein Leichnam wurde zuerst zum Städtischen Friedhof in Klagenfurt gebracht, später aber nach Wien überführt. Er erhielt ein Ehrengrab am Zentralfriedhof (Gruppe 14A/Nummer 12).


Quellen:

  • Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Band 31 (1876)
  • Klagenfurter Zeitung, Feuilleton, 19.9.1897
  • Neue Freie Presse, Morgenblatt, 17.9.1897
  • Sterbebuch IV, 1853-1912, Krumpendorf (Pirk), K42_018-1
  • Korrespondenz mit Univ.Prof. Dr. Paul Bratusch-Marrain, Urenkel von Alois Schönn, Wien (2022)
  • Susanne Eichtinger, Steiermärkische Landesbibliothek (2022)

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