Krumpendorf – erste urkundliche Erwähnung

Wie alt ist Krumpendorf? Um die Frage zu beantworten, müssen wir uns auf die Suche nach dem Dokument bzw. der Urkunde machen, in der erstmalig der Ort Erwähnung findet. Diese liefert den wichtigen Hinweis auf die Existenz zu jener Zeit. In Bezug auf Krumpendorf ist es der 17. April 1429.

Nach gründlicher Recherche des Landesarchivs Kärnten bezeugt diese Urkunde einen Gütertausch. Heidenreich Färber (Verber) tauscht mit dem Kloster Viktring unter der Leitung von Abt Johann V. (Hanns) ein Gut zu Krumpendorf (Chrumpendorff) und ein Fischrecht in Erlach gegen drei Güter zu Pirk am See (Pirk pey dem See). Siegler (die Urkunde mit seinem Siegel versehen): Heidenreich Färber, Friedrich von Hallegg (Fridreichen von Hallek).

Signatur: AT-KLA 418-B-A 736 St

Beschreibstoff der Urkunde: Pergament

Siegel und Siegler: Zwei an der Plica anhängende Rotwachssiegel von Heidenreich Färber (links) und Friedrich von Hallegg (rechts) mit ihren Familienwappen1.

Abmessungen: 32,5 × 17 cm, Plica (umgeschlagener Rand) 2 cm

Die genaue Datierung lautet: „nach unsers herren Christi geburd vierzehenn hundert jar darnach in dem
newnundtzwayntzikisten jar des Suntags vor Sand Jorgen tag
“ (17. April 1429).

Urkunde eines Gütertausches vom 17. April 1429
Urkunde eines Gütertausches vom 17. April 1429, erste urkundliche Erwähnung

Zum Inhalt der Urkunde

Der Aussteller dieser Urkunde ist Heidenreich Verber, der jedenfalls zur Dynastie der Färber, seit 1366 auch Färber von Frauenstein, gehörte. Die Burg Frauenstein war seit etwa 1366 im Besitz der Familie der Färber (Verber): Anna von Frauenstein, Tochter des Hans von Frauenstein (gestorben 1356), heiratete in erster Ehe Hans Färber, dann den Bruder Haintzel (Heinrich II.) Färber und der Besitz ging nun an diesen über. 1419 vergleicht sich Hans II. von Frauenstein mit seinem Oheim Heinrich III. dem Färber auf Frauenstein.

Heinrich III. der Färber war 1424 Pfleger bzw. Landesverweser in Kärnten, Anton Färber von 1425 bis 1426 und Meinhard Färber von 1439 bis 1441. Somit war Heidenreich – höchstwahrscheinlich ist er nicht mit Heinrich III. dem Färber gleichzusetzen – jedenfalls Mitglied einer der höchstrangigen Familien Kärntens2. Die Färber von Frauenstein waren unter anderem verwandt mit den Familien von Windischgrätz und jener von Herberstein. Zudem war Heidenreich Färber Onkel von Heinrich und Georg von Hallegg (genannt am 12. Mai 1430)3, was diesem Gütertausch noch weiteres Gewicht verleiht, denn nicht nur war Georg von Hallegg seit 1446 Mitglied der Kärntner Landstände, sondern die Hallegger waren durch Heirat unter anderem verwandt mit Geschlechtern wie den Welzern, den Dietrichstein und später auch den Fuggern. Anna Färber spielt in dieser Urkunde nicht nur die Rolle der Ehefrau des Heidenreich, sondern war vermutlich beim Aufsetzen der Urkunde anwesend („Auch hab ich Anna […] gepeten […]“) und hatte jedenfalls Vermittlerfunktion gegenüber Friedrich von Hallegg. Damit steht die enge Verbindung zwischen Färbern und Halleggern außer Frage.

Das Rechtsgeschäft wird in der dritten Zeile der Urkunde genannt: Es handelt sich um einen Gütertausch („auswechsel“) zwischen Heidenreich Färber und dem Stift Viktring. Beim genannten ehrwürdigen Herrn Hannsen, Abt zu Viktring, handelt es sich um Johann V. (Abt zwischen 1429 und 1448). Dieser erhielt die Pontifikalien im Vorfeld des Basler Konzils (1431–1449). In seine Zeit fällt auch der Gewinn des Klosters St. Zeno in Kappel an der Drau, für die Seelsorge dieses neuen Klosterbesitzes wurden aufgrund der großen Entfernung von knapp zehn Kilometern zum Mutterkloster sogar Reitpferde zur Verfügung gestellt.4

Aus dem Besitz Heidenreichs wechselten („aus unser gewer in ir nutz und gewer“) in den Besitz des Stiftes zwei Güter. Zum einen ein Eigengut des Heidenreich, welches Chrumpendorff genannt wird. Dieses wurde von einem gewissen „Mite“ bewirtschaftet, dieser Mann samt seinen Kindern wurde wohl als Leibeigener nicht in Krumpendorf zurückgelassen, sondern wurde von Heidenreich auf einem anderen Gut eingesetzt – eventuell sogar auf einem der Güter, die Heidenreich vom Stift erhielt. Zum anderen tauschte er ein vischrecht (also ein Gut mit Fischereirechten) ein, welches in Erlach gelegen war. Wo dieses Erlach lag, ist aufgrund der Häufigkeit des Namens nicht eindeutig festzustellen.

Dass mit Erlach das Erlach bei Krumpendorf gemeint ist, ist durchaus möglich. Zur Kropfitschhube gehörten Parzellen am See, womit auch Fischereirechte verbunden waren. Eine direkte Verbindung zwischen dem Gut mit Fischereirecht, welches in der Urkunde genannt ist, und der Kropfitschhube lässt sich jedoch nicht ohne weiteres bestätigen.

Es könnte sich auch um das Dorf in der heutigen Gemeinde Poggersdorf handeln, welches keine 20 Kilometer von Viktring entfernt liegt, womit sich die Fischereirechte auf die Gurk beziehen würden. „Entze“, der Bewirtschafter dieses Gutes, wurde (ebenfalls samt Kindern) auf seiner Stelle belassen und dem Stift mitübergeben.

Das Stift sollte mit den beiden Gütern fortan so umgehen können, wie sie es auch mit ihren eigenen Eigengütern machten. Diese Erlaubnis betraf alles, was wirtschaftlich in irgendeiner Weise rentabel war, unabhängig vom Zustand: Die Wälder, die Felder, Stock und Stein (also die gesamte Flur), Wasser, Wiesen, Äcker und Raine.

Auch die Gerichtsbarkeit wechselte durch diesen Tausch, weswegen Heidenreich auch ausdrücklich niederschreiben ließ, dass er die drei Güter in Pirk am See – gemeint ist wohl der Ortsteil in der heutigen Gemeinde Krumpendorf – samt übergebenem Bewirtschafter namens „Schulye“ beschützen („schermen“), verteidigen und nach dem gängigen Kärntner Landesrecht („lanndesrecht und gewonhait
in Kardern
“) behandeln würde.

Wie bei den meisten Urkunden, egal welchen Inhalts, folgt die Pönformel, in der beschrieben wird, was geschehen sollte, würden sich die Vertragspartner – insbesondere Heidenreich – nicht laut Urkunde verhalten („Tetten wir des nicht alles, daz oben geschriben ist“): Es sollte einen Schadensersatz geben, dessen Umfang über alle Güter des Heidenreich laufen würde.

Der nächste Teil beschreibt die Güter, die Heidenreich mitsamt seiner Ehefrau Anna und deren gemeinsame Erben für immer innehaben würden, nämlich eben die schon genannten drei Eigengüter des Stiftes Viktring mit allen Rechten, die durch eine Urkunde des Stiftes garantiert waren.

Am Ende folgen die üblichen Urkundenteile: Die Beschreibung der Beglaubigungsmittel (zwei Siegel) und die Datierung. Erstaunlicherweise fehlt die Nennung des Ausstellungsortes, es ist zu vermuten, dass dies Schloss Frauenstein war.

Zur Frage der Erstnennung des Namens „Krumpendorf“

Diese Urkunde ist jedenfalls die früheste in den Beständen des Kärntner Landesarchivs, in dem der Name Krumpendorf genannt ist, es gibt jedoch frühere, in dem der benachbarte Ort Goritschach (24. April 13005 und 25. März 13026) auftaucht. In der Kärntner Burgenkunde von Franz Xaver Kohla7 wird gesagt, dass der „Ort Krumpendorf erstmals ca. 1150 ad sanctum Georium und 1419 Chrumpendorf genannt“ wurde. Dies ist zitiert nach dem Aufsatz von Primus Lessiak über die Kärntnerischen Stationsnamen8, der allerdings keine weiterführenden Quellenangaben macht. Allerdings findet sich anderorts9 sowohl der Hinweis, dass der Ortsname Krumpendorf tatsächlich erst im Jahr 1429 in der hier beschriebenen Urkunde auftaucht, andererseits der Verweis zur Nennung der Besitzungen des Hochstiftes Freising, welches schon im 12. Jahrhundert (nicht nur) in Kärnten begütert war. Datiert auf „ca. 1150“ – nicht 1050, wie auch oft zu lesen ist – gibt es die „Aufzählung der Besitzungen und Hörigen des Bistums Freising um den Wörthersee: in St. Georg (Krumpendorf). Dies dürfte wohl die früheste Nennung eines Ortes in der Gegend sein.

Ausschniit aus Urkunde von 1429
Ausschniit aus Urkunde von 1429, in der 5. Zeile wird „Chrumpendorff“ erwähnt

Aufgrund der Tatsache, dass im Wikipedia-Artikel über Krumpendorf am Wörthersee zwar geschrieben wurde „Krumpendorf wurde 1216 als Chrumpendorf das erste Mal urkundlich erwähnt“, jedoch ohne Quellenangabe, kann hier keine weitergehende Recherche erfolgen. Die oftmalige Nennung von 1419 als Erstnennungsjahr dürfte einfach falsch sein, da dafür keine Anhaltspunkte zu finden sind – es dürfte sich um einen Tipp- oder Abschreibfehler handeln, der im Laufe der historischen „Forschung“ immer weiter tradiert wurde. Somit ist die hier beschriebene Urkunde offenbar tatsächlich die älteste erhaltene überhaupt, in der Krumpendorf erstmals namentlich genannt ist.

Transkription

Ich, Heidenreich Verber, main hawsfraw Anna und alle unser erben veriehen mit dem
offen brieff und tuen chund allen den, die in sehent oder horent lesen, was wir mit
wolbedachten muet mit rat und gunst aller unser frewnt recht und redlech
unversprochenleichen zu der tzeit, do wir es mit recht wol getuen machten, ain
auswechsel getan haben mit dem erwirdigen herren herren Hannsen, abbt zw Vitring und
mit dem convent daselbs und haben in und dem vorgenanten gotzhaws und allen iren
nachkomen ewikleichen auff geben und ze besitzen hinfur gerubleichen aus unser gewer
in ir nutz und gewer tzway frey aigen gueter, der ains gelegen ist datz Chrumpendorff, da
etzwan Mite auff gesessen was, den wir aus getzogen und uns selben behalten haben mit
sein chindern. Und das ander guet ain vischrecht, gelegen im Erlach, da tzw den tzeiten
auff gesessen ist Entze mit sein chindern, die wir zw dem selben gut gelasen haben, ledig
und frey mit aller der peider guter zugehorung und schullen sew die nutzen nyessen und
innhaben und da mit hanndelen als mit ir anderen iren aigen guet, wie in das allerpest
fuegt; Es sey holtz, veld, stokch, stain, wasser, wysmad, akhcer und reyn, ausfart, infart,
gepawern, ungepawern, besucht und unbesucht, mit allen den eren, nutzen und rechten,
als wir der selben gueter mit aller zugehorung in aigen weyse nutz und gewer
unversprochenleich gesessen sein, ausgenommen obicht gericht dorauf leg, wie daz ware
dez sulln sy fwrbaz frey seyn und daz selb gericht sul furbaz ain richter haben auf den
dreyn gutern zu Pirk pey dem See, da der Schulye auf gesessen ist, die uns der erwirdig
herr abbt Hanns und der convent zu Vitring gegeben habent. Und loben wir, in die
worgenanten gueter mit aller ir zugehoerung, freiheit und eren, als oben geschriben ist,
freyen schermen und zw vertreten von aller ansprach, als man von recht freyn und
schermen schol aignen gueter nach lanndesrecht und gewonhait in Kardern. Tetten wir
des nicht alles, daz oben geschriben ist, welhen schaden sew des namen den ir ains bey
seinen trewn macht, mocht gesprochen an aid und an allen andren pebärung und taidung,
den schulln wir in gentzleich widercheren, wen sew das an uns vodernt und schulln das
haben auff unsern trewn und auff allem unserm guet, das wir nu haben oder noch
gewinnen, und ob wir uns yndert vergessen in den geluben, so schol sew darumb
aufrichten der hawbtman in Kardern oder wer an seiner stat geweltig ist gentzleich und
gar von aller unsrer hab, wa sew darauff veysent an klag, an taidung, das ist unser
guetleicher willen. Dawider hat uns der worgenant erwirdig herr abbt Hanns des gotzhaws
zu Vitring und der convent daselbs mir obgenannten Haidenreich Verber, meiner
hawsfrawn und allen unsren erben auffgeben und ingeantwort, ewiblichen ze besitzen irs
gotzhaws drew frey aignen gueter mit allen nutzen und rechten und dartzu gehernt, als
der brieff, lawtt den wir von in darumb haben. Das der auswechsel und alle ander punt
also stat und untzebrochen beleib, daruber gib ich, vorgenanter Haidenreich Vearber, den
offen brieff, versigelt mit meinem aigen anhangunden insigel, darunder ich mich und all
mein erben verpinten, alles das staet ze halten, das an dem brieff geschriben stet. Auch
hab ich Anna, des obgenannten Heidenreich Verber hawsfraw, gepeten den edeln
Fridreichen von Hallek, das er sein insigel durch mein vleyzzigen pett villen an den brieff
auch gehangen hat, im und allen seinen erben an schaden. Darunder ich mich und all mein
erben verpint, alles das stet ze halten, das oben an dem prieff geschriben stet, der geben
ist nach unsers herren Christi geburd vierzehenn hundert jar darnach in dem
newnundtzwayntzikisten jar des Suntags vor Sand Jorgen tag.


Die Urkundenbeschreibung, der Kommentar und die Transkription zur Urkunde AT-KLA 418-B-A 736 St vom 17. April 1429 über die Erstnennung des Namens Krumpendorf erfolgte durch das Landesarchiv Kärnten mit Schreiben vom 8. Februar 2022.

Quellen:

  1. Vgl. hierzu Kärntner Landesarchiv (KLA), Ständisches Archiv, Josef Ferdinand Fromiller, Kärntner Wappenbuch A (AT-KLA 456-A-1012 St), fol. 48r und fol. 61v ↩︎
  2. Vgl. hierzu Friedrich Wilhelm LEITNER, Die Inschriften des Politischen Bezirks St. Veit an der Glan (Die Deutschen Inschriften 65, Wiener Reihe 2/2, Wien 2008) 161f., Kat. Nr. 242 ↩︎
  3. KLA, Neuscheller Genealogische Sammlung, Färber von Frauenstein (AT-KLA 114-C-F 4 Ak) ↩︎
  4. Anton KREUZER, Der XIII. Stadtbezirk, in: ders. (Hg.), Viktring und seine Umgebung. Klagenfurts XIII. Stadtbezirk (Klagenfurt 2010) 17 ↩︎
  5. KLA, Allgemeine Urkundenreihe, AT-KLA 418-B-A 170 St. ↩︎
  6. KLA, Allgemeine Urkundenreihe, AT-KLA 418-B-C 11 St. ↩︎
  7. Franz Xaver KOHLA, Kärntner Burgenkunde 1: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten (Klagenfurt 1973) 171f ↩︎
  8. Primus LESSIAK, Die kärntnischen Stationsnamen, in: Carinthia I 112 (1922) 61 ↩︎
  9. Walther FRESACHER – Gotbert MORO – Jakob OBERSTEINER – Richard WANNER – Hermann WIESSNER, Erläuterungen zum historischen Atlas der Alpenländer II/8/2 (Archiv für Vaterländische Geschichte und Topographie 52, Klagenfurt 1958) 332 ↩︎

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