Villa Hübl

Sie gehört zu den verschwundenen Villen. Prominent ragte sie an der Moosburger Straße 1 hervor. Jetzt parken Autos an der Stelle, wo die Villa einst stand. Das neu errichtete Wohnhaus, das die Villa ersetzt hat, befindet sich weiter hinten, verdeckt durch Bäume und Garagen.

Villa Hübl an der Moosburger Straße 1
Villa Hübl an der Moosburger Straße 1, 1960er Jahre
Parkplatz Moosburger Straße Krumpendorf 2021
Parkplatz Moosburger Straße Krumpendorf 2021, ehem. Standort Villa Hübl

Thaddäus von Lanner hatte das Gut Krumpendorf seinen Töchtern Camilla von Lanner und Emma Kurzel sowie seinem Schwiegersohn Vinzenz Kurzel übertragen. Nachdem diese das Gut an Anton Wieninger verkauft hatten, schienen sie als Besitzer der Liegenschaft an der Moosburger Straße 1 auf. Die Villa Kurzl (auch Kurzel), so wurde sie damals genannt, blieb im Familienbesitz, bis 1899 Albin Hübl sie erwarb. 1910 erbte seine Frau, Anna Hübl, das Anwesen. Sie hielt es bis zu ihrem Tod im Jahre 1929.

Hruppenfoto mit Anna Hübl beim Koch 1925
Gruppenfoto mit Anna Hübl beim Koch 1925
Grabstein Anna Hübl verstorben am 5.5.1929
Grabstein Anna Hübl verstorben am 5.5.1929
Friedhof Pirk

Dr. Oskar Wittner

Im Jahre 1937 erhielten die Eheleute Dr. jur. Oskar Wittner und Auguste Wittner das Eigentumsrecht an der Villa. Dr. Wittner war Jude und von Beruf Rechtsanwalt. Als Freimaurer gehörte er der Großloge von Wien an.

Österreich war bereits als Ostmark dem Deutschen Reich angeschlossen, als vom 9. auf den 10. November 1938 von Joseph Goebbels reichsweit zu Vergeltungsmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung aufgerufen wurde. Auslöser war ein auf einen deutschen Diplomaten verübtes Attentat in Paris. Jüdische Einrichtungen, Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe wurden zerstört. Juden wurden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht.

Das war die Situation als am 10. November 1938 der telefonische Auftrag der Gestapo Klagenfurt an den Gendarmerieposten Krumpendorf erfolgte, Dr. Oskar Wittner festzunehmen, was auch geschah. Er wurde in das Polizeigefängnis Klagenfurt überstellt. Am Nachmittag tauchte bei der Villa ein Zerstörertrupp auf, verschaffte sich Zugang zur Wohnung des bereits Inhaftierten und verwüstete diese. Frau Wittner verließ die Wohnung und traf hilfesuchend den bereits herbeieilenden Gendarmen. Dieser konnte jedoch nichts ausrichten. Den später eintreffenden Postenkommandanten belehrten die SS-Männer, dass dies die Gendarmerie nichts angehe. Nach Einbruch der Dunkelheit kam wieder ein Trupp, um Gegenstände aus dem Haus in Autos zu verladen. Als der Postenkommandant einschritt, jagten sie ihn aus dem Haus. Dieser meldete den Vorfall seiner vorgesetzten Dienststelle und erfasste das Ausmaß der Plünderung:

320 RM Bargeld, sieben Teppiche, zwei Kassetten Silberbesteck für je sechs Personen, zwei Brillantringe, eine Brillantbrosche, zwei weitere Ringe, zwei goldene Armbänder und Ketten, eine silberne Puderdose, ein Photoapparat, ein Radioapparat, ein Ölbild, zwei Paar Handschuhe, zwei Tischdecken. Ein Teil der gestohlenen Sachen wurde einige Tage später wieder zurück gebracht.

August Walzl: Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich

Diese Plünderungen und Zerstörungen folgten meist dem gleichen Schema.

SS als Befehlsgeber, SA (Anm.: Sturmabteilung, paramilitärische Kampforganisation der NSDAP) und Hitlerjugend als Befehlsempfänger. Das Grundmuster vieler dieser Gruppen sah so aus: Einige SS-Männer als Führer, ein Rudel der Hitlerjugend als ausübende Gefolgschaft.

August Walzl: Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich

Dr. Oskar Wittner kam ins KZ Dachau, was er nicht überlebte. Gemäß der Einantwortungsurkunde vom 4.4.1940 wurde das gesamte Eigentumsrecht an der Villa an seine Frau übertragen.

Die Situation von Auguste Wittner war prekär. Ob sie ausreisen wollte, ist nicht bekannt. In vergleichbaren Fällen standen die Frauen unter Beobachtung oder wurden immer wieder bedroht. Manche gaben ihr Immobilieneigentum auf und zogen aus Kärnten weg, womit man sie dann in Ruhe ließ. Auguste Wittner blieb Besitzerin der Villa. Sie starb 1960 mit 67 Jahren.

Hans Piesch

Ein Mieter der Villa Hübl spielte später eine wesentliche Rolle in der Nachkriegsgeschichte Kärntens. Hans Piesch, der 1933 zum Bürgermeister von Villach gewählt worden war, musste 1934 als Sozialist nach dem Verbot seiner Partei sein Amt niederlegen. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde er Mitglied der NSDAP.

Hans Piesch Portrait Ölbild 1945
Hans Piesch Portrait Ölbild 1945 (Foto: KLA BA C_44-8)

Er trat erst zum Ende des Zweiten Weltkrieges politisch wieder in Erscheinung. Am 6. Mai 1945 einigte sich eine provisorische Landesregierung auf Hans Piesch als Landeshauptmann. Gauleiter Rainer wurde davon überzeugt zurückzutreten. So konnte bereits die neue Landesregierung die Britischen Streitkräfte empfangen. Diese wandelten die Landesregierung in einen Konsultativen Landesausschuss mit nur geringen Befugnissen um. Erst im Juli 1945 ernannte die britische Militärregierung Hans Piesch zum Landeshauptmann.

Das nachfolgende Foto zeigt die erste (provisorische) Landesregierung von Kärnten nach dem Zweiten Weltkrieg: Josef Tschofenig, Hans Ferlitsch, Franz Sagaischek, Wolfram Enzfelder, Karl Newole (LAD), Ferdinand Wedenig, Hans Amschel, Hans Piesch, Hans Herke.

Erste (prov.) Landesregierung von Kärnten 24.7.1945
Erste (prov.) Landesregierung von Kärnten mit Hans Piesch, 24.7.1945 (Foto: KLA BA A_469)

Im November 1945 kam es zu den ersten Wahlen, die die SPÖ für sich entschied. Hans Piesch wurde damit als Landeshauptmann bestätigt. Er übte dieses Amt zwei Jahre aus. Wegen des Vorwurfs seiner NS-Vergangenheit trat er im April 1947 zurück. Sein Nachfolger wurde Ferdinand Wedenig (SPÖ).

Hans Piesch wohnte weiter in der Villa Hübl. Nach langem, schweren Leiden starb er am 3. März 1966 im 77. Lebensjahr.

Das Koch-Marterl vor der Villa Hübl 1960er Jahre
Das Koch-Marterl vor der Villa Hübl 1960er Jahre

Die gemeinnützige Kleinsiedlungs- und Wohnbaugenossenschaft für Kärnten “Kärntnerland” erwarb im selben Jahr die zweistöckige Villa. 1970 erfolgte der Abriss. Weiter nach hinten versetzt entstand eine neue Eigentumswohnanlage, in der die Witwe, Ida Viktoria Piesch, eine Wohnung bezog.

Abbruch Villa Hübl 1970
Erste Abbrucharbeiten Villa Hübl 1970 (Foto: M. Müller)
Abriss der Villa Hübl 1970
Abriss der Villa Hübl 1970 (Foto: Manfred Müller)

Quellen

  • August Walzl: Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Kärntner Landesarchiv, 2009
  • Marcus G. Patka: Österreichische Freimaurer im Nationalsozialismus, 2010
  • Gabriela Stieber: Die Briten als Besatzungsmacht in Kärnten 1945-1955, Klagenfurt 2005
  • Karl Ernst Newole: Altlandeshauptmann Hans Piesch, Carinthia I 1968 Seite 173
  • Wikipedia: Hans Piesch
  • Grundbücher KG Drasing

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