Vom Verkehrsmittel zum Urlaubserlebnis

Mit der fortschreitenden Normalisierung der Verhältnisse begann auch in Kärnten der Wirtschaftsmotor wieder zu brummen und der Tourismus erlebte ein Comeback. Die Schifffahrt konnte sich wieder auf den Sommerbetrieb konzentrieren und stellte schon 1952 den Winterbetrieb ein. Mit den Dampfschiffen wurde wieder ein attraktiver Fahrplan geboten. Niemals wieder gab es eine so dichte Frequenz. Alle 60 Minuten, am Nachmittag in der Hochsaison sogar alle 30 Minuten legten die Schiffe an den Seeorten an und waren meist überfüllt. Lediglich der Versuch, auch den Lendkanal wieder mit Schiffen zu befahren, war kein Erfolg. Ein „Bäderverkehr“ zwischen dem Lendhafen und denn Badeanstalten Loretto, Maiernigg, Sekirn und Kropfitsch wurde mangels Interesse des Publikums schon nach vier Wochen wieder aufgegeben.

Das zunehmende Alter der vorhandenen Schiffe und die immer noch “provisorische” Infrastruktur der Werftanlagen wurden über die Jahre zu einem echten Problem. Trotzdem waren die Mitarbeiter der Schifffahrt mit Herzblut und Engagement bei der Sache; wenn nicht gefahren wurde, wurde repariert, saniert, modernisiert. Viele Pläne wurden gemacht und wieder verworfen und das “Provisorium” entpuppte sich typisch österreichisch als Dauerlösung.

Hafen Klagenfurt

Hafen Klagenfurt

Im Jahr 1965 begannen die Stadtwerke Klagenfurt damit, einen Teil der Wörthersee-Flotte zu revitalisieren. Wichtigstes Objekt war die „Thalia“, die mit einer neuen Inneneinrichtung, einem neuen Steuerhaus und neuer Unterhaltungstechnik „zukunftsfit“ gemacht werden sollte. Auch kleinere Schiffe wie die „Loretto“ oder die „Lorelei“ bekamen neue Maschinen. Der „Helios“ wurde abgestellt, da man sich entschlossen hatte, zwei neue Motorschiffe zu bestellen.

Die „Wiesbaden“ und die „Maria Wörth“ wurden im Sommer 1966 in Dienst gestellt. Ab diesem Zeitpunkt verkehrte zwischen 8 Uhr früh und 18 Uhr am Abend jede Stunde ein Schiff. 1966 – 1971 wurden dafür die Schiffe „Thalia“, „Neptun“, „Maria Wörth“ und „Wiesbaden“ verwendet, ab 1972 ersetzte die funkelnagelneue „Klagenfurt“ die „Neptun“, die verschrottet wurde.

In diesen Jahren wurde eine Neustrukturierung des Verkehrswesens vorgenommen. Unrentable Anlegestellen wie z.B. die in Maiernigg wurden aufgelassen, der Fahrplan an die Notwendigkeiten des Fremdenverkehrs angepasst.

1974 dann schlug der „Thalia“ der vermeintlich letzte Stunde. Nach einem Schaden am Antrieb in der Höhe von Pörtschach wurde das Schiff betriebsuntauglich. Es wurde nach Klagenfurt abgeschleppt und eine Verschrottung schien beschlossene Sache. Die neue „Kärnten“ war eben an den Wörthersee gekommen und ersetzte das große alte Dampfschiff.

Doch schon 1975 wurden Stimmen laut, die sich für eine Erhaltung der „Thalia“ einsetzten. Und anscheinend waren die Emotionen, die man auch seitens der Stadtwerke, der Politiker und des Publikums dem Schiff entgegenbrachte, so groß, dass man eine Verschrottung immer wieder auf die lange Bank schob. Die „Thalia“ stand in Klagenfurt-See und verfiel mehr und mehr.

In der Zwischenzeit hatten die Stadtwerke Klagenfurt der unhaltbaren betrieblichen Situation in der alten Schiffswerft ein Ende bereitet und 1977 eine Ausschreibung für eine neue, moderne Betriebsstätte gemacht. Es sollte eine Werftanlage mit offenem Trockendock werden. In dieser großen Dockwanne konnte man nun endlich alle Servicearbeiten an den Schiffen problemlos durchführen. Der Bau der Anlage war nicht so problemlos gewesen; durch einen Lausbubenstreich versank während der Bauarbeiten die noch nicht fertige Betonwanne des Trockendocks im See und musste von einer Spezialfirma mühevoll gehoben werden. Im Jahr 1982 wurde verspätet eröffnet.

Im Herbst 1982 war auch das Schicksal der „Thalia“ wieder Gesprächsthema. Die alte Dame war in der Zwischenzeit ein rostiger Schandfleck in der Klagenfurter Bucht und es musste etwas geschehen. Bürger wurden initiativ und gründeten im Jänner 1983 den Verein „Rettet die Thalia!“. Der Verein wollte zunächst eine Revitalisierung des Schiffes auf idealistischem Weg durchziehen, man musste aber bald einsehen, dass dies undurchführbar war. In einem selten gewordenen gemeinsamen Bestreben aller Parteien planten Stadt, Stadtwerke und der Verein nun eine Restaurierung des in der Zwischenzeit einzigen Schraubendampfers auf einem österreichischen Binnensee. Das Zauberwort hieß „Leasing“ – eine neue Finanzierungsvariante, die das Bemühen um eine Erhaltung des Schiffes realistisch werden ließ.

Anfang der 1980er Jahre begann in der Betriebsführung der Schifffahrt ein Umdenken einzusetzen. War man bisher eher der Philosophie gefolgt, dass die Schifffahrt ein „Verkehrsbetrieb“ sei (und die Ausstattung der Schiffe daher mehr einem Autobus als einem Fahrgastschiff glich), so setzte man nun auf die Schlagwörter „Erlebnis“, „Abenteuer“, „Erholung“, „Qualität“. Neben einer Neueinrichtung der Schiffe begann man mit einem neuen Pächter des Gastronomiebereichs, auch eine eklatante Verbesserung des kulinarischen Angebots auf den Schiffen herbeizuführen. Die Folge war eine starke Verbesserung der Beförderungsleistungen und ein zufriedeneres Publikum.

Als dann am 2.7.1988 die generalsanierte „Thalia“ ihre zweite Jungfernfahrt antrat, war die Welt am Wörthersee wieder in Ordnung…. Das große Dampfschiff war ein historisches Highlight und oft – trotz „Dampferzuschlags“ – total überfüllt…..

Thalia 100 Jahre

Thalia 100 Jahre

Weitere Innovationen folgten. Die Gastronomie auf den Schiffen wurde extrem verbessert, die alten, spartanischen Autobus-Bänke wurden durch bequeme Stühle und Bänke ersetzt. Zum ersten Mal gab es „Caféhaus-Service“ auf den Schiffen. Die Nachfrage nach Charterfahrten und Sonderprogrammen boomte. Mit der „Thalia“, die in den ersten Jahren im Linienbetrieb mit „Dampferzuschlag“ betrieben wurde, wurden romantische und gut besuchte Mondschein- und Sommernachtsfahrten angeboten. 1987 wagte man sich an das Projekt „Lendkanalschifffahrt“ und nahm damit einen historischen Teil der Wörthersee-Schifffahrt wieder auf.

Jedoch begann – nach anfänglicher Euphorie und sensationellen Fahrgastzahlen – langsam und schleichend eine Philosophiediskussion. Sollten die Stadtwerke, deren ursächliche Aufgabe die Erhaltung der Infrastruktur der Stadt (Strom, Wasser…..) war, sich derartig in einer Fremdenverkehrssparte exponieren? Zwar wurden großartige Angebote geschaffen, aber es war rückblickend betrachtet wohl nie Geld für eine ordentliche Bewerbung vorhanden. Der Lendhafen in Klagenfurt liegt für Ortsfremde „am Ende der Welt“, daher verirrten sich nur wenige Fahrgäste dorthin. Daher endete der Betrieb der Lendkanal-Schifffahrt schon einige Jahre nach der Wiederaufnahme ziemlich überraschend und wurde einer Privatperson übergeben.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts waren viele der Innovationen der 80er und 90er Jahre wieder zurückgenommen worden. Die „Kostenrechner“ hatten endgültig das Kommando übernommen und es ging jetzt hauptsächlich darum, zumindest ausgeglichen zu bilanzieren. Wie überall wurden auch bei der Schifffahrt die Personalkosten mehr und mehr ein Thema. Als man die starre Hierarchie beenden wollte, um das Personal flexibler einsetzen zu können (bis zu diesem Zeitpunkt war es undenkbar, dass ein Kassier als Matrose, ein Matrose als Gastro-Kraft oder ein Kapitän als Matrose arbeitet), verließen einige langgediente Mitarbeiter den Betrieb.

Schlussendlich entschieden die Stadtwerke, einen Privatunternehmer als Minderheitsgesellschafter in die Schifffahrtsgesellschaft aufzunehmen. Er sollte „frischen Wind“ in die Angebote und den Betrieb bringen, da man anscheinend auf einmal beamteten Geschäftsführern dies nicht mehr zutraute. Fast zwangsläufig kam es sehr rasch zu Kollisionen, da die Sichtweise eines privaten, auf Gewinn orientierten Unternehmers zwangsläufig anders ist als die eines „beamteten“ Unternehmers. Nach einigen Jahren des „Hin und Her“ setzte die Stadt Klagenfurt in Person des Bürgermeisters einen überraschenden Schlusspunkt. Die Schifffahrt wurde aus den Stadtwerken ausgegliedert und komplett an den besagten Unternehmer verkauft. Was die Politiker des beginnenden 20. Jahrhunderts mit viel Mühe für die öffentliche Hand zu gewinnen suchten, wurde nun, knapp 100 Jahre später, von deren Nachfolgern wieder veräußert.

Für das Publikum, das nach wie vor entspannt über die Wellen des Wörthersees gleiten kann, hat sich nicht viel geändert. Das Angebot der Schifffahrt ist heute attraktiv, modern und bietet ein gutes Kosten/Nutzenverhältnis. Im Hintergrund aber trauern viele Freunde der Schifffahrt dem alten Geist der „Seefahrer vom Wörthersee“ nach, der mit modernen Managementmethoden und absoluter Gewinnorientierung seine Heimstatt am Wörthersee wohl für immer verloren hat.

Wörtherseeschifffahrt

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Zwischenkriegszeit und 2. Weltkrieg

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