Die Krumpendorfer Musikanten

Bei der Gründung des Feuerwehr-Vereins Krumpendorf im Jahr 1880 waren unter den Gründungsmitgliedern auch Aktive der Feuerwehrmusik Maria Wörth. Dies könnte der Grund dafür gewesen sein, dass sich Mitte der 1920er Jahre auch in Krumpendorf eine Feuerwehrmusik bildete und rasch starken Anklang fand.

Die Anschaffung der Instrumente war zu der Zeit für die Musikanten aus finanziellen Gründen nicht einfach, so war man froh, dass der Krumpendorfer Kaufmann Bartl Krainer für die Bezahlung die Haftung übernahm. Als Kapellmeister fungierte Josef Ettinger, Wirt des Dauger-Gasthofes in Pirk (später Gasthof Kaschitz), wo auch die Proben stattfanden.

Die Auftritte der wackeren Musikanten erfolgten in Feuerwehruniformen mit Tellermützen. Sie unterhielten die Bevölkerung nicht nur bei Feuerwehr-Anlässen, gerne engagierte man sie auch für Wald- und Wiesenfeste.

Musikkapelle der FF Krumpendorf
Feuerwehrmusikkapelle Krumpendorf in den 1920ern spielt bei einem Waldfest auf
v.l.: Orasch Guste, Sussitz Thomas, Dobernig Emil, Nagele Hans, Ettinger Josef (Kapellmeister), Taupe Josef, Ebner Valentin, Kernjak Josef, Lanner Josef, Jäger Guste, Lecher Friedrich, Jank Valentin

Durch das Vereinsverbot der neuen Machthaber und den Kriegsbeginn endete der Bestand der Krumpendorfer Feuerwehrmusik bereits im Jahr 1938, obwohl bis zu diesem Zeitpunkt die Musikkapelle unter dem Mantel des Feuerwehr-Vereines agierte und kein eigener Verein war.

Bald nach dem Grauen des Zweiten Weltkriegs regte sich wieder Leben in Krumpendorf, einige Musikanten hatten den Krieg auch überstanden und fanden sich zu einer Musikgruppe zusammen. Einheitliche Uniformen waren nicht mehr vorhanden, so spielte man in Zivilkleidung bei Hochzeiten, Festen usw. Die Krumpendorfer Musik war weit um beliebt und konnte oftmals ihr Können zu Gehör bringen.

Musikkapelle 1957
Die Krumpendorfer Musik bei einem Wiesenfest um 1950
v.l.: Ettinger, Ebner, Lanner, Jank, Thomas, Stich (Nagele), Kernjak, vorne Hermann

Meist war es bei den Wald- und Wiesenfesten damals üblich, dass die Tänzer einen Geldbetrag entrichten mussten, wenn sie mit der Partnerin die Tanzfläche betraten – damals wurde noch viel getanzt und der „Tanzschilling“ war der Lohn für die Musikanten. Gespielt wurden größtenteils Melodien, zu denen man Polka, Walzer etc. tanzen konnte, eben die damals bekannten und beliebten Weisen.

Die Besetzung der Kapelle änderte sich auch immer wieder, so spielte manchmal auch der weit um bekannte „Leben Tone“ (Anton Leben) auf seiner Klarinette mit.

Musikkapelle 1956
Musikkapelle ca. 1955
v.l.: hinten Hofer, Thomas, Dobernig, Jank, Nagele, Taupe, Kernjak
und vorne von links Ebner, Ettinger, unbekannt

Ende der 1950er Jahre wurde die Gruppe der Musikanten immer größer, und so entschlossen sich einige beherzte Männer, eine „richtige“ Musikkapelle ins Leben zu rufen.

Musikkapellenauftritt beim Terrassenhotel 1956
Musikkapellenauftritt beim Terrassenhotel 1956
Musikkapelle beim Erntedankfest 1957
Musikkapelle beim Erntedankfest 1957

Die Musikkapelle Krumpendorf spielte in den 1950er Jahren noch ohne einheitliche Uniformierung. Der Wunsch nach einem Auftreten in einheitlicher Bekleidung war aber bald schon sehr stark.

Federführend waren bei der vereinsrechtlichen Gründung im Jahr 1958 des nun „Musikverein Krumpendorf“ genannten Orchesters die Herren Rudolf Fischer als Kapellmeister, Walter Lebitsch als Obmann und die Brüder Herbert und Ewald Malle. Als einheitliche Bekleidung wurde die Uniform des Kärntner Hausregiments „k.u.k. Infanterieregiment Nr. 7 Graf von Khevenhüller“ gewählt.

Khevenhüllerkapelle 1960
Khevenhüllerkapelle 1960

Eines der ersten Fotos des neuen „Musikvereins Krumpendorf“, leider sind nur wenig Namen bekannt, so u.a. stehend von links ?, H. Kopper, Puschitz, Walter Lebitsch, Kapellmeister Rudolf Fischer, Malle, ?, ?, Josef Kernjak, Hugo ?
Hockend von links Axter, ?, Singer Karl, ?, Malle Herbert, ?, Begusch Josef (3.v.r.)

Zum Maifest 1958 marschierte man gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Krumpendorf zu einem Weckruf durch den Ort, auch bei kirchlichen Veranstaltungen gab es eine musikalische Untermalung und bei vielen Festveranstaltungen waren die „Krumpendorfer“ dabei. Die Auftritte häuften sich, so gab es im Jahr 1959 neben den vielen Proben zwanzig öffentliche Auftritte.

Musikkapelle 1963
Musikkapelle 1963, rechts im Vordergrund Kapellmeister Rudolf Fischer
Khevenhüller Blaskapelle 1960
Der „Musikverein Krumpendorf“ bei einem Aufmarsch in Klagenfurt, vorneweg Kapellmeister Rudolf Fischer

Da der Zulauf von Musikanten aus anderen Gemeinden stärker wurde, erfolgte 1964 eine Umbenennung des Vereines in „Musikvereinskapelle Wörthersee“, zum Obmann wurde Herbert Malle gewählt. Eine wesentliche Änderung brachte auch das äußere Erscheinungsbild der Musikanten mit sich, denn man legte die Uniform des „Infanterieregimentes Nr. 7 Khevenhüller“ ab und kleidete sich ab diesem Zeitpunkt in eine Tracht.

Film Neujahrskonzert der Krumpendorfer Musik in den frühen 1960er Jahren

Ende der 1960er Jahre nahm der Zulauf von Aktiven zur Kapelle langsam ab, obwohl bekannte Kärntner Namen im Verein tätig waren, so u.a. der Komponist Rigobert Schönenberger. Anfang der 1970er Jahre war der Anteil der Musikanten aus Krumpendorf immer geringer geworden, einige Musikanten schlossen sich der Musikkapelle Moosburg an und man entschloss sich daher 1973, den Sitz des Vereines nach Klagenfurt zu verlegen und nannte sich ab diesem Zeitpunkt „Musikverein Wörthersee“.

Auch die Uniform des Infanterieregiments 7 gefiel nicht jedem und so mancher fühlte sich zu Kritik bemüßigt und KOCH-te energisch eine eigene Suppe. So entschloss man sich zu einer Änderung der einheitlichen Bekleidung und legte sich eine Trachtenkleidung zu. Die vorherigen Kritiker trugen zur Anschaffung der Tracht allerdings kein Scherflein bei.

Musikverein Wörthersee 1965
Musikverein Wörthersee 1965
Musikverein Wörthersee 1978
Musikverein Wörthersee 1978 anlässlich 20-Jahr-Feier

Auch in dieser Formation gab es viele Auftritte im Lande, in Krumpendorf selbst sah man die Musikkapelle aber immer seltener. Insgesamt dürfte dann Ende der 1970er trotz vieler Bemühungen die Anzahl der Musikanten noch geringer geworden sein, denn in den 1980ern war vom „Musikverein Wörthersee“ nicht mehr viel zu hören.

Einer der Gründe für die Auflösung der Kapelle in Krumpendorf war ein Streit mit der Gemeinde. Der Musikverein wollte im Rahmen eines bunten Abends im Kursaal einen lustigen „Quiz Deutschland gegen Österreich“ veranstalten. Das erzürnte die damals in großer Anzahl hier urlaubenden Holländer und diese beschwerten sich beim Bürgermeister Helmut Neidhart. Der ließ daraufhin alle Werbeplakate für die Veranstaltung entfernen, was wiederum die Musikkapelle so erboste, dass eine weitere Existenz in Krumpendorf nicht mehr möglich war.

Ein Teil schloss sich der Musikkapelle Moosburg an, ein Teil übersiedelte zu Musikgruppen nach Klagenfurt.

Die endgültige Auflösung des Vereines im Vereinsregister erfolgte dann erst im Jahr 1997.


Quellen:

Text: Heinz Kernjak in Abstimmung mit Johannes Lebitsch und Maria Malle
Fotos: Krumpendorfchronik, Heinz Kernjak, Maria Malle
Film Neujahrsständchen von Walter Lebitsch/Krumpendorfchronik
Vereinsregisterdaten Kärntner Landesarchiv
Ansichtskarten der Musikkapelle Wulfenia Druck, Feldkirchen

 

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