Karl Peter Josef Philip Wolschner kam am 3. Juni 1913 als drittes Kind von Carl Wolschner und dessen Gattin Maria, geb. Stoiser, in Klagenfurt zur Welt. Er besuchte die Volks- und Realschule in Klagenfurt, wo sein Zeichenlehrer schon bald auf seine große künstlerische Begabung aufmerksam wurde und ihn in seinem Wunsch, an der Kunstakademie zu studieren, unterstützte. Doch er sollte der Nachfolger in der Firma „Stoiser und Wolschner“ werden, die 1910 von seinem Vater, dem Architekten und Otto-Wagner-Schüler Carl-Friedrich Wolschner (1862-1929) und dessen Schwiegervater, dem Stadtbaumeister Josef Stoiser (1853-1931), gegründet worden war.
Daher begann Karl Wolschner 1933 ein Architekturstudium in Wien, das er 1937 erfolgreich abschließen konnte. Bereits ein Jahr später trat er in die elterliche Firma ein, ein auf Beton spezialisiertes Werk, in dem Fertigteile für den Auf- und Ausbau von Infrastrukturen über und unter der Erde hergestellt wurden.



Architekten Karl Wolschner
Bald schloss Karl Wolschner den Bund der Ehe, zwei Kinder bereicherten rasch das junge Glück und das Ehepaar bezog ein Haus auf dem Firmengelände. Dies hatte allerdings tragische Folgen: Bei einem der ersten Luftangriffe auf Klagenfurt am 16. Jänner 1944 fielen auch Bomben auf das Gelände der Firma, und dabei kamen die Gattin, die beiden Kinder und die Schwiegermutter ums Leben. Nach diesem schweren Verlust war es sein größter Wunsch, eine Kriegerwitwe mit Kindern kennenzulernen. Bald darauf heiratete Karl Wolschner die junge Elke Streicher aus Krumpendorf, geb. Normann, deren erster Mann Tassilo Streicher 1942 im Krieg gefallen war und die zwei kleine Kinder, Wolfgang und Uta, in die Ehe mitbrachte.
Die 1950er Jahre waren geprägt vom Wiederaufbau Österreichs, und auch die Firma Stoiser & Wolschner erlebte einen großartigen Aufschwung. Karl Wolschner konnte in Krumpendorf von Edith Streicher-Thorndike einen Teil der Streicher-Liegenschaft erwerben und 1961 ein Wohnhaus errichten, und zwar an der Stelle, wo zuvor ein Stall und eine Scheune standen. Die Familien Abfalter und Gurschler hatten dort Vieh gehalten und konnten das nötige Heu durch das Mähen des Hanges zur sogenannten „Schlagbrücke“ (Schlachthaus des örtlichen Fleischhauers Marinitsch) gewinnen. Heute ist der Hang komplett mit Akazien bzw. Robinien verwachsen. In diesen Jahren kamen die weiteren Kinder zur Welt: Heinz, Herbert, Bernd, Barbara und Gisela.



v.l. stehend: Herbert, Uta, Bernd
v.l. sitzend: Wolfgang, Barbara, Karl Heinz und Gisela
Für eine intensive künstlerische Tätigkeit, die immer seine eigentliche Leidenschaft war, gab es in dieser Phase seines Lebens wenig Zeit und Raum.
Im Alter von 66 Jahren übergab Karl Wolschner die Führung der Firma an seinen Sohn Karl Heinz, der sie 1997 gemeinsam mit seinem Bruder Bernd unter dem Namen „SW Umwelttechnik“ an die Börse führte. Es gelang den Brüdern, das Unternehmen zu neuer Blüte zu führen und mit insgesamt derzeit neun Werken über die Grenzen von Österreich nach Ungarn und Rumänien zu expandieren.

Der Seniorchef aber trat in den Ruhestand, der allerdings alles andere als ruhig war. Jetzt konnte er seinen lang schlummernden Traum verwirklichen und sich der Kunst widmen. Immer schon waren nebenher kleinere Aquarelle und Holzschnitzarbeiten entstanden, doch nun hatte er die Technik der Batikmalerei für sich entdeckt und zu unfassbarer Meisterschaft weiterentwickelt. Bis in die Anfangsjahre unseres Jahrhunderts entstanden über 400 teils großformatige Batikbilder, die einerseits Natur- und Landschaftsmotive, andererseits sehr abstrakte Themen zum Gegenstand hatten. In zahlreichen Ausstellungen konnte er seine Werke einem faszinierten Publikum vorstellen. Ab 1990 kam das Thema „Fastentuch“ hinzu, zu dem er bedeutende Werke für verschiedene Kirchen schuf: 1995 für Maria Saal, 1998 für Mörtschach im Mölltal (beide werden jedes Jahr gezeigt) und 1999 sogar für den Stephansdom in Wien.


Karl Wolschner war in Krumpendorf sehr bekannt, er spazierte oftmals durch den Ort und führte auch gerne Gespräche mit den Menschen. Manche werden ihn in Erinnerung haben, wie er in Pirk auf einem Bankerl sitzt und vor sich hin philosophiert. Denn in seinen späten Tagen setzte sich der Künstler mit den wichtigsten Fragen zu Wissenschaft und Religion auseinander.

Der Pfad des Lebens
Seinen letzten großen Bilderzyklus widmete Wolschner diesen grundlegenden Themen, für die er intensive Studien betrieb. In einer großen Personale anlässlich seines 90. Geburtstages wurde ein Zyklus von vierzehn Stationen vorgestellt, in dem er versuchte, die großen Lebensfragen bildlich und philosophisch dazustellen, und er endet in einem sehr persönlichen Bekenntnis: Dum spiro spero (Solange ich atme, hoffe ich).


Am 14. März 2009 endete das Leben des engagierten Unternehmers und Künstlers im 96. Lebensjahr, sein Grab befindet sich am Friedhof Pirk ob Krumpendorf.
Quellen:
Text: Heinz Kernjak in Abstimmung mit Familie Wolschner
Fotos: Familie Wolschner, Wikipedia
Arbeit aus dem „Pfad des Lebens“, verfasst von Familie Wolschner