Das am 10. Juni 1956 in Krumpendorf eröffnete Gemeindebad erfuhr auf Grund des immer stärker werdenden Besuches eine erste flächenmäßig große Erweiterung im Jahr 1962 (zusätzliche Vergrößerungen in den Jahren 1965 und 1973). In diesen Jahren nahm der Fremdenverkehr stark zu und der Drang zum Schwimmen ergriff auch die Einheimischen.

Die starke Frequenz des Bades machte den für die Sicherheit im Ort zuständigen Stellen große Sorgen. Der Feuerwehrkommandant Hans Koch konnte mit seinen Mannen nicht für die Absicherung des Badebetriebes sorgen, und so schaute er sich nach Alternativen um. Diese fand er bei der vor wenigen Jahren neu gegründeten Österreichischen Wasserrettung.
Der Hermagorer Kommerzialrat Werner Engl hatte schon vor Jahren eine Ausbildung zum Wasserrettungs-Lehrer bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft gemacht und bemühte sich in den 1950er Jahren, auch in Kärnten eine solche Gruppierung ins Leben zu rufen, die in Wassernot geratenen Menschen helfen sollte. Die ersten Richtlinien für die Ausbildung zum Rettungsschwimmen gab es schon im Jahr 1933.

Besonders die Exekutivbeamten waren in den ersten Jahren Ziel der Ausbildung zum Rettungsschwimmer, bald danach konnten die ersten Einsatzstellen der Wasserrettung in Kärnten gegründet werden.


Feuerwehrkommandant Koch hatte gute Kontakte zur Gendarmeriekaserne in Krumpendorf und konnte dort qualifizierte Beamte motivieren, junge Krumpendorfer und Krumpendorferinnen zu Rettungsschwimmern auszubilden. Besonders engagiert waren in dieser Zeit Alfred Warmuth und Franz Gradnig. Aber auch viele Kameraden der Feuerwehr Krumpendorf unterzogen sich der Ausbildung zum Rettungsschwimmer, einige davon blieben über Jahrzehnte der Wasserrettung treu, wie z.B. die Familien Dobernig und Nagele.
Da nun ein Stamm an Rettungsschwimmern vorhanden war ging Hans Koch daran, in Krumpendorf eine eigene Einsatzstelle zu gründen. Dies geschah 1962 und Hans Koch war der erste Einsatzstellenleiter, unterstützt vor allem durch den Gendarmeriebeamten und Rettungsschwimmlehrer Alfred Warmuth, der über viele Jahre die Ausbildung der Rettungsschwimmer in der örtlichen Einsatzstelle durchführte und bald darauf auch die Führung der Einsatzstelle Krumpendorf übernahm.

Die „wilden 70iger“
Durch das Engagement von Alfred Warmuth, Hans Koch und auch Erich Nadrag wurde die Mannschaft der Wasserrettung Krumpendorf immer größer. Anfang der 1970iger übernahm dann Günther Werhonig die Stelle des Einsatzleiters und gemeinsam mit der Familie Dobernig widmete man sich intensiv der Jugend. Jedes Jahr fanden Rettungsschwimmkurse statt, Tauchausbildungen auf Landesebene der ÖWR konnten einige Rettungsschwimmer erfolgreich absolvieren, auch Motorbootprüfungen legten engagierte Wasserretter ab – obwohl noch kein Motorboot vorhanden war.
Das Gemeindebad war die zentrale Station der Krumpendorfer Wasserretter. Dort standen nicht nur – wenn auch kleine – Räumlichkeiten für die wenigen Rettungsgeräte zur Verfügung, es wurde auch an den Wochenenden ein Überwachungsdienst organisiert, der penibel in ein Dienstbuch eingetragen werden musste. Für Einsatzsituationen stand ein Ruderboot der Gemeinde zur Verfügung, das aber schon in die Jahre gekommen war und immer wieder repariert werden musste.
Am Anfang war das einzige und wichtigste „Rettungsgerät“ – die Badehose! Die Wasserretter nahmen ihren Dienst sehr ernst, wichtig war die Überwachung der Badegäste im See. Dies konnte nur deswegen so erfolgreich durchgeführt werden, weil es eine äußerst gute Kameradschaft gab.
Mit der Zeit konnten dann richtige Rettungsgeräte angeschafft werden, vor allem dank der jährlichen Beiträge der Mitglieder und Spender. Freien Eintritt konnten die Rettungsschwimmer erst ab Mitte der 1970iger Jahre bei der Gemeinde Krumpendorf erreichen, und das auch nur für einige Personen. Ab 1975 konnte sich die Gemeindevertretung überzeugen lassen, zumindest eine kleine Subvention für die Anschaffung der Geräte auszuschütten – viele Aufwendungen mussten die Wasserretter aber immer noch aus der eigenen Tasche zahlen.
Wesentliche Einnahmenquellen für die Wasserrettung Krumpendorf waren auch die vielen Veranstaltungen: im Winter gab es mehrmals einen ÖWR-Ball in den Gemeindesälen und im Sommer sah man viele Besucher bei den Sommerfesten am Terrassenstrand. Einige der Veranstaltungen wurden gemeinsam mit der Wasserrettung Klagenfurt abgehalten, die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der Landeshauptstadt war damals ausgezeichnet.


Das Engagement der Wasserrettung Krumpendorf blieb auch dem Landesverband der ÖWR nicht verborgen, und so vergab man die Feier zum 20jährigen Bestehen der ÖWR 1977 nach Krumpendorf. Eine große Anzahl an Ehrengästen aus allen Bundesländern traf sich im Festsaal der Gemeinde.


Neben den lobenden Ansprachen der Gäste gab es auch diverse Ehrungen für engagierte Wasserretter, u.a. für Annemarie Dobernig und Günther Werhonig.

Günther Werhonig 1977

Der Aufgabenbereich vergrößerte sich im Laufe dieses Jahrzehntes immer mehr: Überwachung im Gemeindebad und bei Gästeschwimmen, bei Wasserschishows usw. In den Sommermonaten stellte nun die Gemeinde auch nur mehr solche Hilfsbademeister ein, die einen Rettungsschwimmkurs nachweisen konnten.
Dieses Können mussten auch Herbert Strasser und Heinz Kernjak einsetzen, die mehrere Lebensrettungen in der Zeit verzeichnen konnten.

Zur besseren Übersicht im Badegebiet organisierte der damalige Vizebürgermeister und Badreferent Witold Kraiger einen Überwachungsturm auf einer der Badebrücken.

Im Mittelpunkt in dieser Zeit stand wie erwähnt die Kameradschaft und das Miteinander. Dies zeigte sich nicht nur bei den Veranstaltungen, die Familie Dobernig war viele Jahre sehr erfolgreich im Bereich der Jugendarbeit tätig: nicht nur die Schwimmausbildung, Rad- und Wanderausflüge, Sonnwendfeier, Jugendlager, Abnahme des ÖSTA-Sportabzeichens – die Dobernigs waren immer zur Stelle!

Das Engagement der Krumpendorfer und Klagenfurt Wasserretter war zu dieser Zeit enorm, wenn man die mangelnde Ausrüstung bedenkt. Immer wieder konnten am See gefährliche Situationen bereinigt werden, vielen Menschen wurde schon in dieser Zeit geholfen. Leider kam es schon 1972 zu einem Unfall in den eigenen Reihen, als Anton Schrott (Vater des späteren Bundesheerpiloten Peter Schrott) bei einem Tauchgang bei der Suche nach einem ertrunkenen Japaner am Terrassenareal tödlich verunglückte.
Rasch erkannte die Wasserrettung Krumpendorf auch die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit, so präsentierte man seine Arbeit auch bei immer wiederkehrenden „Tagen der ÖWR“.

Mit Vollgas durch die 1980er
In diesem Jahrzehnt gab die Einsatzstelle Krumpendorf der Österreichischen Wasserrettung richtiggehend Gas: im kameradschaftlichen Bereich gab es Schiausflüge, das Jugendtraining erfolgte nicht nur im Sommer, Annemarie Dobernig und ihr Team nutzten auch die Möglichkeiten des Klagenfurter Hallenbades, Damen und Herren turnten im Winter im Turnsaal der Schule in Krumpendorf und hielten sich so fit.
Die Geldmittel für die Wasserrettung waren insgesamt noch immer sehr beschränkt. Obwohl die Gemeinde, Spender und Mitglieder ihren Beitrag leisteten, mussten sich die Wasserretter immer wieder nach Geldquellen umschauen. So kam man auf die Idee, in Krumpendorf Wandertage zu veranstalten, was dann auch einen warmen Regen in die Vereinskasse brachte.
Diese schönen Medaillen erhielten die Teilnehmer an den Wandertagen.



Im Sommer gab es jedes Jahr einen Rettungsschwimmkurs, um die Krumpendorfer Jugend nicht nur dem Verein näher zu bringen, sondern auch die entsprechende Ausbildung im Rettungsschwimmen zu vermitteln.
Der nachfolgende Film zeigt den Tag der ÖWR Krumpendorf 1980, den ÖWR-Wandertag Krumpendorf 20.7.1980 und den ÖWR-Wandertag Krumpendorf 30.8.1981 mit Besuch bei den Trapezartisten Krumpendorf.
Jede freie Minute waren die Wasserretter am See, das Gemeindebad war nach wie vor der Stützpunkt. Im Jahr 1982 übernahm Heinz Kernjak die Position des Einsatzstellenleiters und konnte sich auf ein starkes Team verlassen. Durch die Ausbildung einiger Mitglieder zu Tauchern kam es auch oftmals zu Seereinhalte-Aktionen, bei denen so einiges an Müll zutage trat.

Sigrun Gmeindl und Gerald Innerwinkler
In dieser Zeit waren auch die Gästeschwimmen (Seequerung Wörthersee) sehr beliebt, die Gemeinde wollte die Veranstaltung an die Wasserrettung abtreten, was aus Haftungsgründen aber nicht möglich war. Natürlich wurde dieses Schwimmen aber von den Rettern überwacht und manch müdem Schwimmer konnte geholfen werden.

Eine neue Idee kam dann Ende der 1980er Jahre auf: Die Abhaltung von Piratenfesten am Terrassenstrand, der damals noch nicht verbaut war. Durch große Werbebemühungen, einem umfangreichen Programm und vor allem engagierten Mitarbeitern waren diese Piratenfeste bald in der gesamten Wörthersee-Region bekannt und tausende Besucher drängten sich am Strand. Besonders begehrt waren die Piratentücher, die gegen eine kleine Spende erworben werden konnten.


Der finanzielle Erfolg aus diesen ersten Piratenfesten war so groß, dass man schon bald ein „richtiges“ Motor-Rettungsboot, wenn auch gebraucht, anschaffen konnte. Damit war man auch in den Status einer effektiven Wasserrettungsstelle eingetreten.
Ein schlimmes Unglück ereignete sich 1989, als vier Personen in einem kleinen Plastikboot in der Nacht vom Bad Stich nach Reifnitz rudern wollten. Beinahe in der Mitte des Sees auf Höhe Hotel Habich kenterte das Boot und von den vier Personen konnte sich lediglich ein Mann retten.
Die Suche nach den Ertrunkenen gestaltete sich auf Grund der Tiefe sehr schwierig und dauerte mehrere Tage. Das letzte Opfer konnte erst Jahre später durch Zufall geborgen werden.
Wasserrettung wird „erwachsen“ – die 1990er
Viele Jahre war es für die Wasserrettung in Kärnten ein Kampf ums Geld. In diesem Jahrzehnt konnte es endlich erreicht werden, dass das Land Kärnten für die besonderen Rettungsorganisationen wie Wasserrettung und Bergrettung das „Kärntner Rettungsdienstförderungsgesetz“ genehmigte und zumindest einen halbwegs akzeptablen Betrag zum Ankauf von Rettungsgeräten zur Verfügung stellte.
Dennoch waren die Mittel für die Krumpendorfer Wasserretter eng bemessen, auch wenn Mitte der 90er Jahre seitens der Gemeinde der sog. „Bädergroschen“ eingeführt wurde – die Wasserrettung erhält seit damals einen gewissen Beitrag für jeden Eintritt pro Badbesucher.
Ein weiterer Schritt in diesem Jahrzehnt war der Versuch einer landesweiten Einführung einer einheitlichen Einsatzbekleidung. Dies gelang damals nicht, denn die aufgelegten Kleidungsstücke entsprachen in keiner Weise und wurden von den meisten Einsatzstellen in Kärnten abgelehnt.

Die Krumpendorfer Wasserretter waren aber auch am gefrorenen Wasser sehr erfolgreich und konnten in diesen Jahren mehrfach den Titel „ÖWR-Landesmeister“ im Eisstock-Schießen erringen. Meist fand dieses Turnier am Goggausee statt, bei der „Nachfeier“ trafen sich die Sportler dann in Krumpendorfer Lokalen.

v.l. Heinz Kernjak mit Sohn Christian, Heli Orasch, Gerhard Schmacher,
Uli Nemec, Sepp Pfeifer
Ein weiteres Problem wurde in diesem Jahrzehnt gelöst: die Alarmierung! Durch die Einführung von Handys konnte die Einsatzstelle Krumpendorf der Wasserrettung nun ständig erreicht werden, zusätzlich gab es ja die Funkverbindung zu den Kollegen im Strandbad Klagenfurt. So wurde die Wasserrettung schön langsam „erwachsen“, entsprechende Aufkleber mit der Handynummer ergingen an alle Haushalte im Ort.
Im Dorfleben zeigten sich die Wasserretter immer wieder aktiv, so u.a. wurde bei den Maifesten mitgearbeitet und auch für das Dorf-Fußballturnier fand sich immer wieder eine Mannschaft.

v.l. stehend: Sponsor Leitner Sepp, Krenn Manfred, Kernjak Ernst, Krassnitzer Gerald, Pohovnikar Roman, Koban Rudi
v.l. vorne: Beschliesser Rudolf, Kernjak Christian, Pirolt Martin, Bernhard Egydius,
Schifferl Lukas
Weiterhin fanden auch die erfolgreichen „Piratenfeste“ am Terrassenstrand statt. Sie mussten allerdings Ende der 1990er Jahre beendet werden, da sich einige Anrainer über den „fürchterlichen“ Lärm aufregten, was auch zu Anzeigen mit Klagen führte.



Aber auch internationale Kontakte pflegte man, es kam eine Abordnung der DLRG – Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft aus Meppen/Emsland für eine Woche nach Krumpendorf, ein Gegenbesuch der Krumpendorf fand dann 1998 statt.

Der eigentliche Aufgabenbereich wurde natürlich stets intensiv wahrgenommen: Überwachungsdienst im Parkbad, ständige Einsatzbereitschaft für Notfälle am See, Ausbildung von Jugendlichen, Rettungsschwimmkurse, Erste-Hilfe-Kurse usw.
Der Unterschied zu späteren Jahren war aber, dass diese Tätigkeiten vorwiegend in den Sommermonaten durchgeführt wurden, in den Wintermonaten gab es damals noch wenig zu tun außer den Schwimmkursen für Kinder in den Hallenbädern.
Ende der 1990er Jahre kam es dann zu einigen wesentlichen Änderungen: aus Altersgründen musste ein neues Rettungsboot angeschafft werden und Robert Koban folgte auf den 18 Jahre als Einsatzstellenleiter tätigen Heinz Kernjak.

v.l. Gerald Innerwinkler, Robert Koban, Heinz Kernjak,
Werner Liebetegger, Gerald Benedikt
Text: Heinz Kernjak in Abstimmung mit Rudolf Beschliesser
Fotos: ÖWR Krumpendorf, Heinz Kernjak