Gemischtwarenhandlung B. Kreiner

Bartholomäus Kreiner wurde am 30. Oktober 1874 als Sohn des Valentin Kreiner und der Apolonia Widman (Vorhauserin an der Holzer Realität zu Görtschach) geboren.

Das erste Geschäft, mit dem er sich selbstständig machte, befand sich kurzfristig im Gasthof Alte Post an der Hauptstraße in Krumpendorf. Zeitgleich wurde das Haus an der Hauptstraße 135 (früher: Krumpendorf 51) vom Baumeister Venturini nach dem Plan des Architekten Horčička errichtet.

Gemischtwarenhandlung B. Kreiner 1907
Gemischtwarenhandlung B. Kreiner 1907
Gemischwarenhandlung B. Kreiner 1930
Gemischwarenhandlung B. Kreiner 1930

Das Grundstück hatte Kreiner von Josef Pamperl 1906 erworben. Seine Gemischtwarenhandlung bot Waren des täglichen Lebens an, auch Wurstwaren. Um diese dem Kunden aufzuschneiden, waren manuelle Aufschnittmaschinen unterschiedlicher Größe im Einsatz, ein Novum in der damaligen Zeit.

Manuelle Aufschnittmaschine Alexanderwerk 4001
Manuelle Aufschnittmaschine Alexanderwerk Westfalia 4001
Manuelle Aufschnittmaschine Alexanderwerk 4010
Manuelle Aufschnittmaschine Alexanderwerk Westfalia 4010

Nicht nur große Verlage brachten Ansichtskarten heraus, auch Geschäftsinhaber Kreiner nutzte den aufstrebenden Tourismus und bot im Eigenverlag Ansichtskarten mit Krumpendorfer Motiven an.

Ansichtskarte B. Kreiner 1914
Ansichtskarte B. Kreiner 1914, Ortsansicht
Ansichtskarte Kreiner 1912
Ansichtskarte Kreiner 1912, Seeufer Krumpendorf

Kreiner war Mitglied einer Blaskapelle. Er spielte das Helikon (Sondermodell der Tuba in annähernd kreisförmiger Bauweise, damit es vom stehenden Musiker um die Schulter gelegt werden kann).

Militärblaskapelle ca. 1880, B. Kreiner 3. Reihe 3. von rechts
Militärblaskapelle ca. 1905, B. Kreiner 3. Reihe 3. von rechts
Blasmusikkapelle
Blasmusikkapelle ca. 1914, B. Kreiner 2. Reihe 1. von rechts

Als die Krumpendorfer Feuerwehrmusikkapelle 1926 gegründet wurde, bestellten die Feuerwehrler natürlich entsprechende Instrumente. Als diese beim Bahnhof einlangten, sollten sie auch bezahlt werden, sonst wäre keine Herausgabe erfolgt. Bartholomäus Kreiner übernahm großzügigerweise die Bürgschaft für die Bezahlung, damit die wackeren Musikanten aufspielen konnten.

Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, wurde 1932 der Zubau fertiggestellt und damit die Geschäftsräume vergrößert.

Im Haus war ein Eiskeller angelegt. Die Bauern brachten im Winter Eis, das in Blöcken aus den Teichen und dem Wörthersee herausgeschnitten und im Keller eingelagert wurde. Von dort holte man sich das Eis für die Eiskästen, um Getränke und Speisen zu kühlen. Das Eis hat bis Anfang August gereicht. Danach hat die Schleppe Brauerei die Eislieferungen übernommen.

Haus Kreiner, Hauptstraße 135, 1992
Haus Kreiner 1992 (Hauptstraße 135) mit Zubau

Kreiner war auch Gemeinderat. Als er erfuhr, dass neben seinem Haus ein Weg zum See gebaut werden sollte, kaufte er das Nachbargrundstück von der Familie Pamperl, um dies zu verhindern, was ihm gelang. Der Weg wurde weiter westlich angelegt, die heutige Schlossallee.

Krumpendorfer Gemeinderat 1928-1932
Krumpendorfer Gemeinderat 1928-1932
3. Reihe 3. von links: B. Kreiner

Das Kaufmannsehepaar Bartholomäus und Katharina Kreiner hatte vier Kinder. Maria Kreiner übernahm 1955 den Lebensmittelhandel, nachdem ihr Vater 1954 verstorben war. Die weiteren Kinder waren: Käthe (verh. Homulka), Johann und Leopoldine (verh. Steindl). Bis 1969 wurde das Geschäft von der Familie betrieben. Danach pachtete es Franz Trinker, der das Lebensmittelgeschäft weiterführte, bis 1990 der Zahnarzt Dr. Ertl einzog. Ihm folgte Zahnarzt Dr. Thomas Köraus.

B. Kreiner Geschäft 1950er
B. Kreiner Geschäft 1950er Jahre
Kaufhaus Maria Kreiner - Werbung 1960er Jahre
Kaufhaus Maria Kreiner – Werbung 1960er Jahre

Links neben dem Lebensmittelgeschäft gab es einen kleineren Verkaufsraum. In diesem befand sich die Trafik der Anna Goritschnig, danach eröffnete in den Räumen Foto Wanderer eine Filiale.

Heute betreibt Mag. Christa Leksani-Steindl an der Hauptstraße 135 das „Krumpendorfer Lerninstitut“, das Nachhilfe, Maturavorbereitungen und Sprachkurse anbietet.

Haus Kreiner 2026
Haus Kreiner 2026

Quellen:

Fotos: Manfred Steindl, Richard Marinitsch und Heinz Kernjak
Gespräch Richard Marinitsch mit Manfred Steindl am 9.9.2025
Einsicht in den Bauakt Hauptstraße 135

Artikel erstellt von Richard Marinitsch: Jänner 2026

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