Tischler in drei Generationen – die Familie Strauß

Anfang des 18. Jahrhunderts tauchte auf der Pleschaunig-Hube (jetzt Höhenweg 14) erstmals der Name Strauß auf. Damit zählt die Strauß-Familie zu den ältesten Familien in Krumpendorf.

Der Pleschaunig-Hof in den 1950ern
Der Pleschaunig-Hof in den 1950ern

Ein Josef Strauß heiratete am 13. Feber 1882 Luzia Kuchling, Tochter der Ferlitzbäuerin. Aus dieser Ehe entstammte lediglich ein Sohn Josef, der Anfang des 20. Jahrhunderts Maria, geb. Hafner ehelichte. Aus dieser Verbindung entsprang eine Schar von 8 Kindern, darunter auch Hermann Strauß I, geb. am 27.3.1920.

Hermann begann noch vor dem Zweiten Weltkrieg eine Tischlerlehre bei der Firma Slama in Klagenfurt. Der Krieg unterbrach seine Ausbildung, doch er kehrte unversehrt in die Heimat zurück. Nach Kriegsende setzte er seine Lehre bei Slama fort, legte 1950 die Meisterprüfung ab und fasste den Entschluss, sich selbstständig zu machen.

Zu dieser Zeit lebte Hermanns Großmutter Luzia im Auszugshaus an der Moosburgerstraße, das bereits 1908 errichtet worden war. Ihre Schwester Philippine regte an, auf dem Grundstück eine Tischlerwerkstatt zu errichten – ein Vorschlag, den Hermann 1951 in die Tat umsetzte.

Das erste Strauß-Wohnhaus an der Moosburgerstraße 1950er
Das erste Strauß-Wohnhaus an der Moosburgerstraße 1950er

Mit großem Engagement widmete sich Hermann Strauß seiner Berufung und erwarb sich in Krumpendorf und Umgebung rasch den Ruf eines verlässlichen Partners für Tischlerarbeiten. 1959 konnte das bisherige kleine Wohnhaus erweitert und durch ein schönes, der Zeit und der wachsenden Familie entsprechendes Gebäude ersetzt werden.

Strauss Wohnhaus an der Moosburgerstraße 1969
Strauss Wohnhaus an der Moosburgerstraße 1969

Hermann Strauß war ein sehr geselliger Mensch. Er trat dem Männergesangsverein Seerösl bei und engagierte sich viele Jahre lang aktiv in der Feuerwehr Krumpendorf. Das gesellige „Nachsingen“ nach den Gesangsproben fand häufig im Hause Strauß statt – und dauerte nicht selten bis in die frühen Morgenstunden, sehr zum „Vergnügen“ der Ehepartner.

Da die meisten seiner Mitarbeiter ebenfalls aktive Feuerwehrleute waren, konnte es passieren, dass nach Sirenenalarm die Werkstatt leer stand.

In dieser Zeit lernte Hermann auch Mathilde Eberhard kennen und 1954 wurde geheiratet.

v.l. Hermann Strauß mit Mathilde, Spick Edith mit Max
v.l. Hermann Strauß mit seiner Frau Mathilde, Spick Frieda mit Max

Jahrzehntelang war Hermann Strauß auch Mitglied des Gemeinderates und kümmerte sich so um das Fortkommen der Gemeinde Krumpendorf, denn die Einbindung in die Dorfgemeinschaft und die daraus resultierenden Kontakte waren ihm sehr wichtig.

Es war ihm auch sehr daran gelegen, jungen Burschen aus Krumpendorf und der näheren Umgebung das Tischlerhandwerk näherzubringen und viele dieser Lehrlinge blieben dem Betrieb über Jahrzehnte treu.

Sein Ruf als hervorragender Handwerker drang bald bis in die Tischlerinnung und so wurde Hermann Strauß zum Landesinnungs-Stellvertreter berufen und war dort als Lehrlingswart vor allem bei der Betreuung der Lehrlinge zuständig. Als Mitglied des Bundesinnungsausschusses konnte er ebenfalls sein Wissen einbringen.

Auch familiär änderte sich in den nächsten Jahren vieles, es kamen Helga, Hermann II, Heidi und Birgit zur Welt und vergrößerten die Familie zur Freude der Eltern.

Familie Strauß 1970
Familie Strauß 1970
v.l. Hermann II, Mathilde, Heidi, Hermann I, Birgit und Helga

Die Betriebsführung war in dieser Zeit nicht einfach, daher wurden im Sommer – wie damals in Krumpendorf üblich – auch im Haus Strauß einige Zimmer an Feriengäste vermietet, um eine zusätzliche Einnahmequelle zu schaffen.

Der Malermeister Heini Winter suchte für seine Werkstätte eine Unterkunft und fand diese im Untergeschoß der Tischlerei. Unvergesslich ist vielen Krumpendorfern noch der Geruch, wenn im Hof der Werkstatt bei Schönwetter Maler- und Imprägnierarbeiten durchgeführt wurden.

Hermann Strauß II war mit Freuden in die Fußstapfen des Vaters getreten und übernahm den Betrieb 1984. So konnte sich Hermann I. mit seiner Frau auf seinen „Alterssitz“ am Höhenweg zurückziehen, den er in der Zwischenzeit nahe seinem Elternhaus Pleschaunig errichtet hatte.

Hermann II führte den Betrieb engagiert weiter und konnte den guten Ruf der Tischlerei Strauß weiter ausbauen. Er stellte ebenfalls viele junge Leute aus der näheren Umgebung ein, die gerne einen Job beim Strauß annahmen. Wie sein Vater engagierte auch er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr, war lange Mitglied im Krumpendorfer Gemeinderat und in der Landesinnung tätig.

Hermann II hatte 1986 beim Tischlerball in Villach Doris Klemen, eine junge Frau aus der Tischlerfamilie Klemen, kennengelernt – und 1988 folgte die Hochzeit. Die Firma Klemen in Oschenitzen bei Haimburg war speziell auf die Produktion von Fenster und Türen ausgerichtet und damit sehr erfolgreich.

Doris und Hermann Strauss
Doris und Hermann Strauss
Logo der Tischlerei Ing. Hermann Strauss GmbH
Logo der Tischlerei Ing. Hermann Strauss GmbH

Als der Schwiegervater Klemen gesundheitliche Probleme bekam, stand der junge Tischlermeister Hermann II im Jahr 1995 vor einer wichtigen Entscheidung. Er wählte den richtigen Weg: Die Produktion der Tischlerei Strauß wurde nach Oschenitzen verlegt, während das technische Büro in Krumpendorf blieb. Dort wurden sowohl Wohnhaus als auch Büro umfassend umgebaut; die ehemalige Werkstatt verwandelte man in einen ansprechenden Ausstellungsraum. Durch die Konzentration der Produktion an einem Standort und die Erweiterung des Mitarbeiterstandes erwies sich diese Entscheidung schon bald als sehr erfolgreich.

Strauß-Anwesen 2024
Strauß-Anwesen 2024, rechts oben das umgebaute Pleschaunig-Haus

Rasch verläuft die Zeit und so machte sich Hermann II Gedanken, wie es mit dem Betrieb weitergehen sollte. Erst sah es nicht danach aus, dass der Sohn Hermann III auch den Weg zur Tischlerei finden sollte.

Doch kurz entschlossen schlug dann Hermann III nach einer qualifizierten Ausbildung auch den Weg seiner Vorgänger ein und stieg am 1.1.2019 in den väterlichen Betrieb ein. Seit 1.1.2023 ist er gemeinsam mit einem Partner (der ebenfalls schon viele Jahre in der Tischlerei Strauß arbeitete) in der Londer & Strauß GmbH + Co KG tätig, die sich der Zeit entsprechend vor allem mit Auftragsarbeiten nach Architektenideen beschäftigt.

Hermann Strauß III links, daneben Daniel Londer
von links: Hermann Strauß III, Daniel Londer

Somit erscheint auch für die Zukunft der Bestand des in Krumpendorf alteingesessenen Betriebes gesichert.


Quellen:

Fotos: Familie Strauß, Heinz Kernjak
Text: Heinz Kernjak nach Gesprächen mit Familie Strauß
Artikel veröffentlicht: Dezember 2025

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