Kitz – das kleine Kaufhaus am „Platzl“

In den 1930er Jahren kam Josef Kitz nach Krumpendorf. Er konnte in der Schlossallee 11 nicht nur eine kleine Wohnung anmieten, es war ihm auch möglich, dort sein Gewerbe als Kupferschmied auszuüben. Es waren dies Jahre großer Armut und Kitz fand daher viele Kunden, die ihn mit Ausbesserungsarbeiten betrauten. Er war auch ein sehr kommunikativer Mensch, der rasch Anschluss fand und sich so auch ab 1936 der Freiwilligen Feuerwehr Krumpendorf anschloss, wo er viele Jahre als Hydrantenwärter eine verantwortungsvolle Aufgabe übernahm. Von der Schlossallee zog er zur Familie Abfalter in die Hauptstraße 149, wo er eine Wohnung und eine Werkstatt mietete.

Firmenschild Josef Kitz
Firmenschild Josef Kitz – Kupferschmiede und Blechverarbeitung

Bei der Familie Dr. Hermann Tschebull am Kirchenweg arbeitete damals eine junge Köchin namens Rosa Mlekusch. Dort lernte sie Josef Kitz kennen. Schon bald wurden die beiden ein Ehepaar, das trotz der schwierigen Zeit große Pläne für die Zukunft schmiedete.

Ziel war vor allem, ein eigenes Heim zu errichten. So konnte Josef Kitz 1949 an der Hauptstraße 167 die Parzellen 6/1und 6/2 erwerben und bereits im folgenden Jahr Pläne für die Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses bei der Gemeinde einreichen. Noch im selben Jahr begann man dann mit dem Bau des Hauses. Das Ehepaar Kitz erkannte die Zeichen der Zeit: Nach dem Krieg ging es weiter aufwärts, Geschäftslokale waren gefragt, die Sommerfrischler nahmen den Wörthersee immer mehr an. Daher errichtete man am Grundstück auch ein Nebengebäude, das aber Anfang der 1950er Jahre von den Engländern belegt wurde. Die Mutter von Josef Kitz, Ursula, wohnte ebenfalls bei der jungen Familie.

Bereits von Beginn an gab es im Erdgeschoss des Hauses Kitz mehrere Geschäftslokale. Erste Mieter waren von 1950 bis 1954 der Fleischhauer Richard Marinitsch und seine Frau Berta, die auch im Haus wohnten. Die Räumlichkeit des Fleischhauers wurde Mitte der 1950er Jahre zu einem Café/Konditorei umgebaut. Als erster und langjähriger Pächter fungierte Hermann Grillitsch. Im mittleren Geschäft richtete Rosa Kitz ein Milchgeschäft ein. Manch Krumpendorfer kann sich noch erinnern, dort mit seiner blechernen Milchkandel die Milch geholt zu haben. Die Mutter von Josef Kitz, Ursula, betrieb das daneben liegende Obst- und Südfrüchtegeschäft.

Haus Kitz - Milchgeschäft und Südfrüchte
Haus Kitz – Milchgeschäft und Südfrüchte 1950er
Haus Kitz - Café Konditorei und Milchgeschäft
Haus Kitz – Café Konditorei und Milchgeschäft
vorne von rechts: Irene mit Mutter Rosa und Gast
Rosa Kitz vor Souvenir-Geschäft
Rosa Kitz vor Souvenir-Geschäft 1960er Jahre

Zu dieser Zeit floss der Pirkerbach noch Großteils offen durch Krumpendorf. So musste die Familie Kitz auf eigene Rechnung eine Brücke über den Bach bauen. Zuerst war es eine kleine Holzbrücke, die dann 1958 und 1962 saniert werden musste. In den 1970ern deckte die Gemeinde den Pirkerbach vom damaligen Geschäft Mattitsch bis zur Gärtnerei Grohar komplett zu. So konnte dann auch der Sitzgarten für das Café erweitert werden.

Haus Kitz Straßenansicht Ende 1970er Jahre
Haus Kitz Straßenansicht 1970er Jahre

Schon früh erkannte auch Frau Adi Wrentschur („Frau Direktor“) die Chance, mit einem Souvenirgeschäft erfolgreich arbeiten zu können und war von 1957 bis 1975 im Hause Kitz eingemietet. Sie bot in den Sommermonaten ein umfangreiches Sortiment an: Kupferemailprodukte, Gmundner Keramik, Geschenkartikel, Ansichtskarten, Handarbeiten – alles, was die Sommergäste gerne mit nach Hause nahmen. Die Unterkärntner Molkerei verlängerte den Vertrag in den 1960ern nicht mehr, und so wurde dieses Geschäftslokal wieder frei und konnte von Adi Wrentschur zusätzlich einige Zeit als „Bunter Laden“ geführt werden.

Souvenir Wrentschur - Werbung 1960er Jahre
Souvenir Wrentschur – Werbung 1960er Jahre
Rosa Kitz und Frau Wrentschur mit Sommergast vor Souvenir-Geschäft
Rosa Kitz und Adi Wrentschur mit Sommergast vor Souvenir-Geschäft
Bunter Laden - Souvenir Wrentschur
Bunter Laden – Souvenir Wrentschur

Um den Geschäftsbereich des Cafés erweitern zu können, errichtete man ein Vordach, damit die Gäste auch einen Sonnen- und Regenschutz hatten. Das Café bzw. die Konditorei sah in den vielen Jahrzehnten des Bestandes viele Pächter: von Hermann Grillitsch, Elfriede Rieger, Vinzenz Mayer, Elisabeth Strauß, Fritz Kaschitz, Peter Hammerschlag, Karoline Adrian bis zum jetzigen Pächter Lorenz Lader (Aufzählung vermutlich nicht vollständig). Für eine kurze Zeit war sogar ein Schallplattengeschäft statt des Cafés untergebracht. Als Frau Strauß das Café 1977 übernahm, kam es auch zu einer Vergrößerung der Geschäftsfläche: Der „Bunte Laden“ wurde aufgelassen, die Wand zum Café durchgebrochen – so konnte man auch im Winter den Gästen mehr Platz bieten. Schon bald erhielt das Lokal auch den passenden Namen – „Café am Platzl“.

Haus Kitz Café am Platz und Souvenir
Haus Kitz – Café am Platzl und Souvenir um 1980
Café am Platzl - Haus Kitz 2026
Café am Platzl – Haus Kitz 2026
Briefkopf Kitz
Briefkopf Kitz Fremdenpension – Kaufhaus

Der Geschäftserfolg war in dieser Zeit ausgesprochen gut, der zunehmende Fremdenverkehr brachte viele Gäste nach Krumpendorf. In den 1960ern bot man den Gästen auch Obst an einem eigenen Verkaufsstand im Freien an, den Tochter Irene führte.

Obststand von Irene Kitz
Obststand von Irene Kitz

Familie Kitz begegnete der steigenden Anzahl an „Sommerfrischlern“ mit weiteren baulichen Erweiterungen des Hauses: Das Dachgeschoß erlebte einen Ausbau, im Süden konnte eine Terrasse und eine Garage errichtet werden, die Zimmer erhielten eine Aufwertung durch den Einbau von Dusche und WC. Gerne verbrachten viele Urlaubsgäste immer wieder ihren Aufenthalt im Hause Kitz, auch das Gartenhaus fand manche Freunde.

Ansichtskarte Pension Kitz 1965
Ansichtskarte Pension Kitz 1965
Gartenhaus Kitz mit Fremdenzimmer
Gartenhaus Kitz mit Fremdenzimmer

Als Frau Wrentschur den Souvenirladen aufgab, gab es einige kurzfristige Vermietungen, bis der Bäcker Erich Nadrag ein Verkaufsgeschäft seiner Bäckerei einrichtete. Später folgte in diesem Bereich ein Fußpflege-Studio, das im Jahr 2025 vom Installationsbetrieb „D. S. I. Daniel Sanitär Installation (Daniel Kovacevic)“ abgelöst wurde.

Insgesamt betrachtet hatte Familie Kitz zu jeder Zeit die richtigen Ideen und konnte das Haus am Platz wirtschaftlich erfolgreich führen. Nach dem Tod ihrer Eltern übernahm Irene Korb geb. Kitz das Haus, das sie engagiert in die neuen Zeiten führt – immer auch im Sinne der Eltern!

Josef und Rosa Kitz
Josef und Rosa Kitz

Quellen:

Text: Heinz Kernjak in Absprache mit Irene Korb und Adi Wrentschur
Fotos: Irene Korb, Krumpendorfchronik, Heinz Kernjak, Richard Marinitsch

Artikel erstellt: Mai 2026

 

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