Kindergarten Krumpendorf

Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung, der hohen Belastung der Frauen im bäuerlichen Bereich und einer weit verbreiteten Verarmung wurde die mangelnde Beaufsichtigung und zunehmende Verwahrlosung von Kindern zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem gravierenden Problem. Die Kinder waren häufig sich selbst überlassen, und auch ihre Ernährungssituation war alarmierend schlecht.

In Deutschland wurde dieser Missstand früh erkannt. Insbesondere Friedrich Fröbel (21. April 1782 – 21. Juli 1852) setzte sich nachdrücklich für eine Verbesserung der Situation ein und gilt daher als Begründer der Kindergartenbewegung. Viele der damaligen Einrichtungen wurden als „Kinderaufbewahrungsstätten“ bezeichnet; immerhin erhielten die Kinder dort eine grundlegende Betreuung und vor allem ausreichend Nahrung.

Schon bald drang dieser Gedanke auch nach Kärnten durch, wo die Freiherrin von Herbert die sozialen Missstände im Land erkannte. Sie begründete in Klagenfurt eine „Kleinkinder-Bewahranstalt“ auf Spendenbasis und wurde dabei von gleichgesinnten Spendern unterstützt. Diese „Kleinkinder-Bewahranstalt“ nahm am 4. Oktober 1833 in der Reitschulgasse 4 (heute Europahaus) den Betrieb auf. Bald gab es aber auch soziale Unterschiede dieser Anstalten: Den Kindergärten für gehobene Stände gegenüber existierten sogenannte Volkskindergärten. In Villach entstand der erste „Kindergarten“ 1871, die ersten Kinderhorte gab es in Kärnten um 1891.

Österreichweit erlebte der Kindergartengedanke ab 1912 einen kleinen Aufschwung. Entsprechende Ausbildungsmaßnahmen für Kindergärtnerinnen wurden erlassen, Qualität der Räumlichkeiten vorgegeben usw. Interessant auch, dass die Kindergärtnerinnen bis 1914 nicht heiraten durften.

Ende der 1930er Jahre erkannte die damals herrschende politische Organisation die Bedeutung von rechtzeitiger Erziehung (=Beeinflussung) schon der Kleinsten und übergab die Verantwortung der Kleinkindbetreuung an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt. In Kärnten entstanden in der Zeit von 1938 bis 1945 280 Kindergärten, die aus Spenden und der öffentlichen Hand finanziert wurden.

Auch Krumpendorf wollte dabei nicht im Hintergrund stehen und begründete den ersten Kindergarten, der im damaligen Café Feuchter, in den Räumen des späteren Kinos, untergebracht war.

Kindergarten in der Hauptstraße 123
Kindergarten in der Hauptstraße 123
Kindergarten in der Hauptstraße 123
Kindergarten in der Hauptstraße 123

Besonders viel Spaß hatten die Kinder sicher, wenn sie in den Sommermonaten ins Bad Stich baden gehen konnten – vielleicht lernten sie dort schon das Schwimmen.

Kindergartengruppe im Bad Stich 1941
Kindergartengruppe im Bad Stich 1941

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dann in Krumpendorf keinen öffentlichen Kindergarten, die meisten Mütter arbeiteten zu Hause, der Mann ging zur Arbeit. Auch standen keine Räumlichkeiten zur Verfügung, und die Gemeinde verfügte kaum über finanzielle Mittel.

Ende der 1950er Jahre soll es in Krumpendorf einen Privatkindergarten bei „Tante Emmi“ gegeben haben, eine Zeitzeugin ist auch auf dem Foto abgebildet, wo das genau war, ließ sich aber nicht eruieren.

Privatkindergarten von Tante Emmi 1950
Privatkindergarten von Tante Emmi 1950

Als die Gemeindeverwaltung 1965 in das neu errichtete Gemeindeamt Hauptstraße 145 übersiedelte, verblieben leere Räumlichkeiten im bisherigen Gemeindehaus an der späteren Bad-Stich-Straße-Nord 15 (Grundstück Nr. 35/1). So konnte man ab 1966 dort die ersten Räumlichkeiten für Kindergartengruppen zur Verfügung stellen.

Die Verwaltung und Gestaltung des Kindergartens waren ab diesem Zeitpunkt in die Zuständigkeit der Gemeindeverwaltung übergegangen.

Kindergarten zieht in ehem. Gemeindeamt - Zeitungsartikel 1966
Kindergarten zieht in ehem. Gemeindeamt – Zeitungsartikel 1966
Alter Kindergarten Ansicht Hauptstraße
Alter Kindergarten Ansicht Hauptstraße
Alter Kindergarten Ansicht Hauptstraße
Alter Kindergarten Seitenansicht

Die Gemeindeväter waren damals schon sehr weitsichtig und sahen die Entwicklung der Gemeinde Krumpendorf insofern voraus, als mit einer starken Zunahme an Bevölkerung zu rechnen war. Daher adaptierte man nicht nur das nun leerstehende ehemalige Gemeindehaus, sondern kaufte Grundflächen dazu und errichtete 1966 einen Zubau auf Grundstück 35/2, der Garten für die Kinder entstand südlich anschließend auf dem Grundstück 180/2.

Alter Kindergarten Krumpendorf Hofansicht 2026
Alter Kindergarten Krumpendorf Hofansicht 2026
Alter Kindergarten Wandmalerei 2026
Alter Kindergarten Wandmalerei 2026
Alter Kindergarten Wandmalerei 2026
Alter Kindergarten Wandmalerei 2026

In den Folgejahren gab es keine baulichen Erweiterungen, aber die qualitätsmäßige Verbesserung war immer wieder ein Thema: Die ehemalige Senkgrube musste beseitigt werden, eine moderne Heizungsanlage war dringend erforderlich, die Räumlichkeiten im ursprünglichen Gemeindeamt waren zu verbessern usw.

Das Bevölkerungswachstum in Krumpendorf und gesetzliche Vorgaben brachten es mit sich, dass bald zusätzliche Räumlichkeiten benötigt wurden. So wurde eine Kindergartengruppe in den Räumen unterhalb der Pfarrkirche angesiedelt, zeitweise nahm man auch Räume in der Volksschule in Anspruch, wo auch ein Kinderhort eingerichtet worden war.

Für einen neuen Kindergarten konnte ein passendes Grundstück gefunden werden. Im November 2021 wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Das beste Konzept entwarf die Krumpendorfer Architektin Amina Holzfeind-Heyn. Bis zur Übersiedelung in ein modernes und zeitgemäßes Gebäude an der Moosburgerstraße 19 hinter der Obstpresse sollten allerdings noch einige Jahre vergehen.

Am 1. September wurde das Haus bezogen, die feierliche Eröffnung fand am 27.9.2025 statt. Auf rund 1.300 m² Innenfläche und 2.100 m² Garten entstand ein Ort zum Wohlfühlen für Kinder, Eltern und Pädagogen.

Kindergarten Krumpendorf
Kindergarten Krumpendorf

Zur offiziellen Eröffnung des Kindergartens kamen nicht nur Vertreter des Landes Kärnten und der Gemeinde Krumpendorf, sondern auch viele Krumpendorfer, Familien, Vereine und Ehrengäste.

Im neuen Kindergarten kann sich der Nachwuchs in 4 Gruppen wohlfühlen, zusätzlich gibt es eine Kindertagesstätte.


Quellen:

  • Text: Heinz Kernjak, erstellt 2026
  • Carinthia I 28. Juli 1832; Carinthia I 2025, Seite 217; Dr. Elmar Lechner, Schulchronik; Gemeinde Krumpendorf; Volkszeitung, Bauakt der Gemeinde Krumpendorf
  • Fotos: Heinz Kernjak, Irene Korb, Krumpendorfchronik
  • Fotos Eröffnung Kindergarten 27.9.2025: Richard Marinitsch

Artikel erstellt im März 2026

 

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