Der aus Simislau bei Moosburg stammende Maurer Josef Niederdorfer war im Zuge seiner beruflichen Tätigkeiten im ganzen Land unterwegs. So kam er auch ins Görtschitztal, wo er in Eberstein die fesche Kellnerin Maria kennenlernte. Die beiden verliebten sich und kamen bald darauf, dass sie eigentlich einen gemeinsamen Berufswunsch hatten – die Führung einer Fremdenpension. Ein weiterer Grund für die Festigung des gemeinsamen Lebensweges war dann auch die Geburt des Sohnes Gerhard im Jahr 1946.
Die Investition in die Beherbergung von Gästen war in jener Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders und des zunehmenden Fremdenverkehrs eine gute Idee. Bald fanden sie in Krumpendorf in der Pamperlallee eine geeignete Liegenschaft und konnten dort bereits 1956 ihre Fremdenpension errichten.

Rasch erkannte die engagierte Jungfamilie die Notwendigkeit einer Vergrößerung der Pension und vor allem war die Errichtung eines Restaurants am Plan. Dies konnte bereits 1958 realisiert werden und so standen den vielen Gäste nicht nur die gemütlichen Zimmer zur Verfügung, sie konnten auch die hervorragende Küche im Restaurant genießen. Vorteilhaft war natürlich auch, dass in dieser Zeit der Tourismus in Krumpendorf blühte, die Aufenthaltsdauer der Gäste meist mehrere Wochen betrug und somit die Umsätze bedeutend waren. Die ausgezeichnete Küche im Hotel Wulfenia nutzten aber auch die Einheimischen gerne.

Die ständig wachsende Anzahl an Sommergästen brachte die Familie Niederdorfer auf die Idee, im rückwärtigen Bereich der Liegenschaft zusätzlich Baulichkeiten zu errichten. So entstand 1960 das Wohnhaus für die Familie selbst, 1975 konnten Gäste in einem neu errichteten Bauteil zusätzliche Zimmer beziehen. Im Stammhaus erfolgten auch ständig Verbesserungsarbeiten.

Josef Niederdorfer war ein umtriebiger Mann, der auch in Krumpendorf rasch Freunde fand: Er war begeisterter Jäger, im Winter verging kaum ein Tag, an dem er nicht auf einer Eisbahn anzutreffen war. Dies war auch dadurch möglich, da man zu der Zeit vorwiegend vom Sommertourismus lebte. Die Gattin Maria war emsig im Betrieb tätig, der sich dadurch äußerst erfolgreich entwickelte.

Als das Ehepaar Niederdorfer in die Jahre gekommen war, übergab man den Betrieb 1972 an Sohn Gerhard, der auch die entsprechende Ausbildung hatte. In dieser Zeit arbeitete in der Saison auch Maria Sturm aus dem Gurktal in der Pension Wulfenia, und wie es kommen sollte – Gerhard und Maria verliebten sich. Gemeinsam arbeitete das junge Ehepaar dann fleißig und engagiert und konnte den Gästen immer wieder zusätzliche Bequemlichkeiten in der Unterbringung und besondere Spezialitäten im Restaurant bieten.


Maria und Gerhard erkannten bald, wie vorteilhaft es wäre, den Hausgästen einen eigenen Badestrand anbieten zu können. Als sich die Gelegenheit bot, das „Schlößl am See“ zu pachten, griffen sie rasch zu und führten den Betrieb neun Jahre lang. Zusätzlich mieteten sie ein von der Gemeinde Krumpendorf errichtetes Badehaus im Parkbad, um ihren Gästen auch dort attraktive Bademöglichkeiten zu eröffnen.
Bald stellte sich Nachwuchs ein, und das Ehepaar Niederdorfer durfte sich über die Geburt ihrer Tochter Danja freuen. Kaum den Kinderschuhen entwachsen, wirkte auch sie mit großer Freude und viel Engagement im Haus Wulfenia mit.

Maria und Gerhard mit Tocher Danja
Als der Fremdenverkehr in Krumpendorf in den 1980er-Jahren einbrach und die Umsätze stetig zurückgingen, fasste die Familie Niederdorfer den Entschluss, sich aus der Vermietung zurückzuziehen. Im Jahr 1985 wurden die bisherigen Zimmer zu Appartements umgestaltet, die in der Folge teilweise als Zweitwohnungen verkauft wurden. Tochter Danja trug diese Entscheidung mit: Sie hatte Jus studiert und erkannt, dass der Tourismus im Ort nur noch geringe Zukunftsperspektiven bot.
Quellen:
Text Heinz Kernjak in Abstimmung mit Gerhard und Mag. Danja Nemec, geb. Niederdorfer
Fotos von Gerhard Niederdorfer
Artikel erstellt März 2026