Osterbräuche in Krumpendorf

In diesem Beitrag geht es nicht um das im Land weitverbreitete Böllerschießen zu Ostern, sondern vor allem um einen „Brauch“, der auf der Josefshöhe beim vlg. Joschap der Familie Mayrobnig seinen Ausgang nahm und der in Krumpendorf viele Jahre betrieben wurde.

Die Osterfeiertage wurden natürlich auch in Krumpendorf feierlich begangen. Am Karsamstag gab es die Feuerweihe, die Fleischweihe mit folgender Osterjause und am Abend die Auferstehungsfeier. Nach der Auferstehungsfeier begannen die Osterhaufen zu brennen und es startete das Böllerschießen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Böllerschießen am Höhenweg oberhalb von Krumpendorf durchgeführt, bekannte Krumpendorfer Bürger wie der Schmied Ressmann Josef, der Wagner Widmann Martin, der Zimmermann Kernjak Josef, der Sägewerker Orasch Georg etc. waren dabei federführend. Die „Schützen“ wurden von der Bevölkerung reichlich mit Speis und Trank versorgt.

In späteren Jahren brannte meist beim vlg. Kraschonig in Leinsdorf ein großer Osterhaufen, auch in Pirk war die „ARGE Pirk“ lange Zeit dafür verantwortlich. Auf der Brenndorfer Leitn beschränkte sich die Freundesgruppe der Ministöckler auf das Böllerschiessen.

Osterhaufen und Kreuz 1987
Osterfeuer beim Olbert (nun Seeblickweg) 1987

Einige Jahre stellte diese Gruppe am Römerweg (jetzt Seeblickweg) einen Osterhaufen auf und errichtete ein großes Kreuz, das dann angezündet wurde. Viele Jahre stellte auch die Familie Mayrobnig am Hang vor ihrem Bauerhof ein großes Kreuz auf, das ursprünglich durch brennende Ölkännchen beleuchtet wurde, in späteren Jahren mit einer Lichterkette versehen war und weit ins Land leuchtete.

Durch die stark zunehmende Besiedelung des Ortes nahm die Möglichkeit für das Abbrennen von Osterhaufen ab. Oft wurde damit auch der Baumschnitt „entsorgt“. In früheren Jahren war man nicht sehr zimperlich und verheizte auch Autoreifen, Plastikteile etc.

In den letzten Jahren gab es am Platz vor der Christkönigkirche vom Vespa-Club ein Osterfeuer. Zuerst brannte man noch einen großen Haufen Baumschnitt ab, später musste das dann auf das Entzünden von Feuerschalen reduziert werden, da sich Nachbarn über die Rauchentwicklung aufregten – es war zugegeben auch kein geeigneter Platz für ein so großes Feuer.

Osterschießen – einmal anders!

Der Ostersonntag wurde im Kreise der Familie verbracht, und am Ostermontag war es dann vor allem den Männern schon ein bisschen langweilig. Die große Familie Mayrobnig auf der Josefshöhe überlegte, wie man sich am Ostermontag beschäftigen könnte. Da es in der Familie einige Jäger gab, lag der Gedanke nahe, einen Schießwettbewerb durchzuführen. Der erste fand 1970 statt. Es galt, einige Bewerbe zu absolvieren: Schießen auf ein Pendel mit der Pistole, auf eine bewegliche Wildscheibe mit Luftgewehr auf 15 Meter und mit Kleinkaliber auf 50 Meter. Zum Abschluss konnte jeder Teilnehmer auch auf eine Ehrenscheibe schießen. Derjenige, der am nächsten dem Ziel auf der Ehrenscheibe kam, „durfte“ dann eine solche im nächsten Jahr spenden.

Ehrenscheibe 1970
Ehrenscheibe 1970
Ehrenscheibe 1977
Ehrenscheibe 1977
Ehrenscheibe 1980
Ehrenscheibe 1980

Diese Vergnügung beschränkte sich im ersten Jahr auf den engsten Familienkreis der Mayrobnigs. In den darauffolgenden Jahren kamen dann immer mehr alteingesessene Krumpendorfer dazu, die vom „Osterschießen beim Joschap“ gehört hatten, Freunde wurden eingeladen und es wurde ein richtiges Fest daraus – fast immer bei schönem Wetter. Ein Nenngeld musste entrichtet werden, dafür gab es auch eine Osterjause und man durfte am Schießen teilnehmen und eventuell auch auf einen Preis hoffen. Für alle gab es jedenfalls eine Medaille, die Fritz Mayrobnig mit launigen Worten dem jeweiligen Schützen überreichte. Auf diese Kommentare vom „Fritze“ freuten sich alle und sie waren ein Höhepunkt am Ostermontag.

Ehrenscheibe 1982
Ehrenscheibe 1982
Ehrenscheibe 1984
Ehrenscheibe 1984
Ehrenscheibe 1986
Ehrenscheibe 1986

Mit der Zeit wurde die Zahl der Teilnehmer immer größer, es kamen auch Leute dazu, die man nicht kannte, und so wurde auch das Risiko und die Organisation zu groß und unübersichtlich. Da Fritz Mayrobnig auch gesundheitlich schon angeschlagen war, fand das letzte Schießen dieser Art beim Joschap 1987 statt.

Während die Erwachsenen mit viel Spaß am Schießbewerb teilnahmen, vergnügten sich die Kinder und Jugendlichen mit den Ostereiern: Eierrollen (über die Stiele von zwei Rechen), Eierpecken (wessen Ei beim Pecken verliert, der muss das Ei dem Kontrahenten geben), Eiertschecken (mit Münzen warf man nach einem am Boden liegenden Ei, wessen Münze im Ei steckenblieb, der durfte die geworfenen Münzen und das Ei an sich nehmen).

Osterschießen am Wirtnigteich

Einige Jahre hörte man nichts mehr von dem Brauch, beim Joschap fand jedenfalls kein Osterschießen mehr statt.

Der umtriebige Krumpendorfer Bäckermeister und „Vinobäck“ Erich Nadrag hatte Anfang der 2000er Jahre das Areal „Wirtnigteich“ vom Eigentümer Franz Bürger gepachtet und dort begonnen, Fische zu züchten. Nachdem Erich auch beim Osterschießen auf der Josefshöhe immer teilgenommen hatte, startete er durch und organisierte so ab 2001 dieses österliche Zusammentreffen eben am Wirtnigteich.

Ehrenscheibe 2002
Ehrenscheibe 2002
Ehrenscheibe 2005
Ehrenscheibe 2005
Ehrenscheibe 2008
Ehrenscheibe 2008

Auch dort hatten die Teilnehmer großen Spaß und konnten den Ostermontag im Kreis von Freunden verbringen. Allein der neue Ort hatte nicht das Flair und es kam nicht die Stimmung auf, die das ehemalige Schießen auf der Josefshöhe hatte. Vielleicht auch schon dadurch, dass man von der „Höhe“ in den „Graben“ (Wirtniggraben) kam. Obwohl Erich sich sehr bemühte, es war halt einfach „anders“. Wahrscheinlich auch dadurch, dass viele der ehemaligen Teilnehmer von der Josefshöhe nicht mehr am Leben waren, man sich untereinander nicht mehr so kannte und eben eine Kopie nicht das Original erreichen kann. So endete 2012 auch diese Ostervergnügung am Wirtnigteich.

Neustart 2025

Alexander „Xandl“ Mayrobnig, Sohn von Fritz Mayrobnig, erinnerte sich 2025 dann an das Osterschießen und überlegte mit einigen Freunden eine Neuauflage, ebenfalls beim Wirtnigteich, den er von Franz Bürger als Nachfolger von Erich Nadrag gepachtet hatte. Im ehemaligen Stall der einstigen Wirtnigmühle hatte Erich Nadrag Räumlichkeiten saniert, wo schon viele Jahre intensive Treffen stattgefunden hatten. Dort sammelte Xandl die verbliebenen Ehrenscheiben, diese wurden in einem der Räume an die Wand gehängt – ein schönes und eindrucksvolles Bild.

Alexander Mayrobnig mit Ehrenscheibe 2025
Alexander Mayrobnig mit Ehrenscheibe 2025
Osterschießen am Wirtnigteich
Osterschießen am Wirtnigteich
Sabine Steinwender gewinnt Ehrenscheibe
Sabine Steinwender gewinnt Ehrenscheibe

Und mit viel Spaß und großer Freude nahmen 2025 wieder 30 Personen mit mehr oder weniger Glück an diesem Brauch teil und konnten vor allem die gute Organisation und das schöne Wetter loben. Auch eine Ehrenscheibe gab es wieder, gestaltet von Michaela Fink, und die Siegerin Sabine Steinwender freute sich sehr, dass sie für das nächste Jahr eine Scheibe stiften darf.


Quellen:

Text, Fotos und Filme: Heinz Kernjak

Artikel erstellt: Februar 2026

 

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