Zu einer Hochzeit gehört ein Chor – oder zumindest Gesang, so dachten es sich einige sangesfreudige Freunde anlässlich der Vermählung eines Kollegen im Jahr 1987. Kurz entschlossen stimmten sie ein paar Lieder an und sorgten damit für große Begeisterung – nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei sich selbst. Der spontane Auftritt machte so viel Freude, dass bald der Entschluss reifte, öfter gemeinsam aufzutreten.
Das war der Start eines Chores, der schnell Aufmerksamkeit erregte. Die Gründung des „Singkreises Vocalitas“ fand im November 1987 statt, die Gründungsmitglieder waren Ernst Pollheimer mit Gattin Melitta, Oswald Puchreiter, Rosemarie Christl, Josef Hillebold, Angelika Steinscherer, Perdita Grünberger und Horst Kabas.


Durch das fleißige Proben kam es dann rasch zu den ersten Auftritten, auch Einladungen von befreundeten Chören erfolgten bald. Als Obfrau fungierte Rosemarie Christl, und Chorleiter war Ernst Pollheimer. Die Auftritte reichten von Kärntnerabenden über Gestaltung heiliger Messen bis zum Singen im Bergbaumuseum der BBU Bleiberger Bergwerksunion.
Mit Schwung durch die 1990er
Ernst Pollheimer war die treibende Kraft im Singkreis, er bildete sich auch selbst weiter und konnte so die Qualität seiner Sängerinnen und Sänger steigern. Das fand in vielen Bereich Anklang, und so konnten in den 1990er Jahren nicht nur die ersten Tonträger aufgenommen werden, es gab Auftritte im ORF und der Chor sang sich 1997 auch unter die besten Chöre Kärntens. Wesentlicher Bestandteil für die Erfolge war vor allem die Begeisterung am Gesang und die oftmals interessanten und überraschenden Arrangements des Chorleiters.
Auch die Gemeinde war froh, dass es in Krumpendorf einen weiteren guten Chor gab. Auftritte bei Muttertagsfeiern, Kärntner Abenden usw. im Kursaal der Gemeinde begeisterten die vielen Zuhörer.


Besonders gut angenommen wurden die „Wunschkonzerte“, die auch das große Repertoire des Chores bewiesen. Als der damalige Außenminister Alois Mock in Kärnten weilte, durfte der Singkreis auch ihm einige Lieder vortragen.


Singkreises Vocatitas
Die Unterstützung eines Hilfskonvois nach Rumänien durch einen Auftritt war den engagierten Sängern nicht genug, sie begleiteten die Hilfslieferung auch und erlebten vor Ort große Dankbarkeit.


Immer wieder sprudelten neue Ideen aus dem begeisterten Sänger und Chorleiter, und so konnte 1997 erstmals ein Alpe-Adria-Singen in Krumpendorf stattfinden. Dies fand ebenso großen Anklang wie die Auftritte am Messegelände in Klagenfurt.


Den kameradschaftlichen Zusammenhalt festigten Ausflüge nach Rust, Gumpoldskirchen, zur Hundertwasserkirche in Bärnbach usw., wo gerne bei Auftritten gesungen wurde. Aber auch in Kärnten war man sehr aktiv, u.a. beim „Internationalen Chorkonzert“ auf der Burgruine Finkenstein.
Gemeinsam mit den anderen Krumpendorfer Chören gestaltete der Singkreis Vocalitas nicht nur Konzerte im Kursaal der Gemeinde, sehr oft konnten die Sängerinnen und Sänger ihr Können auch in der Pfarrkirche Krumpendorf zu Gehör bringen. Besonders in der Adventszeit gab es viele Auftritte.
2000 – wir kommen!
Mit Schwung und Elan startete der „Singkreis Vocalitas“ ins neue Jahrtausend. Das Repertoire umfasste nach wie vor die Bereiche Unterhaltung, Klassik und Volkslied. Bewusst klein gehalten wurde auch die Anzahl der Sänger, man bezeichnete sich ja als Kleingruppenchor. Flexibel und dem Chorgedanken angepasst war auch die Kleidung bei den Auftritten, einmal einheitlich, dann in unterschiedlicher Tracht und manchmal „in Zivil“.



Mitte des Jahrzehnts konnte bereits die 5. CD aufgenommen werden, eine davon mit Liedern des bekannten Komponisten Josef Inzko. Auch das Kleingruppensingen fand jährlich mit großem Erfolg in Krumpendorf statt. Gerne war man zur Stelle, wenn die Gemeinde schnell einen Chor für einen überraschenden Anlass benötigte.
Auch in der Pfarrkirche gab es weiterhin viele Auftritte, so bei Advent- und Weihnachtsmessen, bei der Christmette – man nutzte gerne die Akustik in der Kirche.
Ein wesentliches Element des „Singkreises Vocalitas“ war, dass trotz oftmals wechselnder Sängerinnen und Sänger die Qualität des Chores erhalten blieb. Dies führte dazu, dass der ORF den Singkreis gerne für diverse Veranstaltungen einlud.


Die Begeisterung der Aktiven blieb auch Ende der 2010er Jahre erhalten, doch wandten sich manche anderen Chören bzw. Aufgaben zu. Der eine oder andere fand einen Beruf, der ein so intensives Vereinsleben nicht mehr zuließ.
So endete die erfolgreiche Geschichte des „Singkreises Vocalitas“ um 2013, aber der engagierte Chorleiter Ernst Pollheimer fand rasch ein neues Aufgabengebiet.
Ernst Pollheimer – ein Leben für die Musik!
Mit 16 Jahren trat Ernst Pollheimer in den von Jakob Wildhaber geleiteten Chor „1863 St. Veit/Glan“ ein, mit 19 Jahren leitete er bereits selbst seinen ersten Chor. Rasch erkannte er, dass die Begeisterung für das Singen allein nicht ausreicht. Er begann ab 1980 mit intensiven Ausbildungsmaßnahmen, u.a. absolvierte er einen vierjährigen Chorleiterlehrgang am Kärntner Landeskonservatorium.


Die Singgemeinschaft Krumpendorf unter Anton Feucht suchte in den 1980ern einen Chorleiter, und dem kärntenweit bekannten Komponisten Josef Inzko fiel sofort Ernst Pollheimer ein – so kam Ernstl an den Wörthersee.
Ins Berufsleben startete er bei einer Versicherung, wechselte aber bald in die Lehrerausbildung, wo er seine musikalischen Fähigkeiten wesentlich besser einbringen konnte. Vom BG/BRG Lerchenfeldstraße über die Rudolf Steiner Schule kam Ernstl 1988 ins RG/ORG St. Ursula in Klagenfurt, wo er bis zu seiner Pensionierung 2025 blieb. Intensiv widmete er sich in allen Schulen der Musikerziehung, dem Instrumentalunterricht und natürlich dem Chorsingen. In der Freizeit galt sein Streben aber der Leitung und Ausbildung von vielen Chören, immer unterstützt von seiner Familie. Die erfolgreiche Arbeit mit den Chören in St. Ursula dokumentieren auch einige Tonträger, die von großer Qualität zeugen. Mehrmals standen auch Musicals wie „Jesus Christ Superstar“ oder „Les Miserables“ am Programm.


Da er mit seiner Familie den Lebensmittelpunkt in Krumpendorf fand, war es nur logisch, dass auch der „MGV Seerösl Krumpendorf“ seine Dienste als Chorleiter lange Zeit in Anspruch nahm. Gemeinsam mit Ingomar Seebacher gründete Ernstl im Ort einen Kinder- und Jugendchor und half auch oftmals bei der „Singgemeinschaft Krumpendorf“ aus.
Bald bekam Ernst Pollheimer auch die Möglichkeit, den schon seit vielen Jahren bestehenden Chor der Exekutive als Chorleiter zu übernehmen. Mit großem Elan bei den Proben und dank vieler sangesfreudiger Gendarmen war der Chor rasch weitum bekannt. Es reihte sich ein Auftritt an den Nächsten. Ernst Pollheimer war voll in seinem Element!

Bekanntlich wurde die Bundesgendarmerie 2005 aufgelöst und mit der Bundespolizei zusammengeführt. Auch wenn dies bei den Betroffenen lange Zeit für Friktionen sorgte – der Chor lebte sofort weiter, die Uniformen wurden halt gewechselt.
In weiterer Folge kamen auch immer mehr Frauen zur Exekutive, und aus dem einstigen Männerchor der Polizei entstand dann zusätzlich ein gemischter Chor.


Ernst Pollheimer war aber nicht nur als Chorleiter sehr umtriebig, er bildete sich im instrumentalen Bereich weiter und begründete bald die Familienmusik Pollheimer mit Tochter und Enkelin. Zusätzlich begann er zu komponieren, mittlerweile kann er stolz auf eine große Anzahl an Eigenkompositionen verweisen. Die langjährige Tätigkeit im Bereich der Chormusik mit den damit verbundenen vielen Auftritten erregten vielerorts Aufsehen. So war es nur logisch, dass Ernst Pollheimer für seine Tätigkeit entsprechende Ehrungen erhielt.

Der erfolgreiche Chorleiter, Komponist und Sänger wurde vom Land Kärnten u.a. mit dem Kärntner Lorbeer in Gold und Großen Ehrenzeichen des Landes geehrt, auch seitens der Polizei und dem Sängerbund gab es hohe Ehrungen.

In vielen Chören des Landes war Ernst Pollheimer nicht nur als Chorleiter aktiv, sondern auch in der Sänger- und Chorleiterausbildung. Ernst arbeitete viele Jahre als Leiter der Kärntner Volksmusikwochen, leitete 1996 den Projektchor „Anton Bruckner“ mit 100 Sängern, ist Chorleiter des Sängergaues Wörthersee usw. usw.
Dennoch hat er mit 2025 seine Arbeit als Chorleiter auf die Singgemeinschaft Krumpendorf und die beiden Polizeichöre reduziert, um sich in der nächsten Zeit vermehrt dem Komponieren und Musizieren widmen zu können.
Quellen:
Text Heinz Kernjak in Abstimmung mit Ernst Pollheimer
Fotos aus der Chronik „Singkreis Vocalitas“, Ernst Pollheimer
Auszüge Kärntner Tageszeitung, Szene Feldkirchen, Kärntner Blick, Kleine Zeitung, Polizeizeitung
Artikel veröffentlicht: Dezember 2025