ARGE Pirk – wir halten zusammen

Wenn man von Krumpendorf aus Richtung Moosburg fährt, kommt bald eine Abzweigung, die nach Pirk und zur dortigen Kirche führt. Durch den „Prescher-Graben“ (ehemals Ruppen genannt) kommt man in ein altes Siedlungsgebiet, die Kirche war ursprünglich die Pfarrkirche von Krumpendorf, einige alte Bauernhuben gab es ebenfalls: Salman, Schumbacher, Prescher, Riepl, Kaschitz, Marau, Laschitz, Stoffel, Quintschnig, usw.

Nach dem 2. Weltkrieg verschwanden diese Huben nacheinander und es entstanden an deren Stelle zeitgemäße Wohnhäuser. Gerne blieb mancher in der Gegend wohnhaft, wo schon die Vorfahren lebten, gerne zogen auch einige Neusiedler zu. Man lernte sich rasch kennen, fand sich mehr oder weniger sympathisch und einige hatten gemeinsame Interessen. Da man etwas außerhalb von Krumpendorf lebte, war der Gedanke zur Zusammenarbeit, der Nachbarschaftshilfe und der Freundschaft bald geboren und es bildete sich ein Männerkreis, dem diese Gedanken wichtig waren.

Die Zusammenkünfte der Männer fanden meist im Gasthof Kaschitz statt, wo über anstehende Probleme, Arbeiten oder Feiern gesprochen wurde. Von Anfang an dabei waren Heinz und Fritz Spick, Werner Suttnig, Herbert Ebner, Hermann Trinker, Hans Koban, Eberhard Hillepold, Gerhard Ebner und Peter Eichholzer. Die Arbeiten erstreckten sich vom Steine klauben auf Fritz Spicks Acker über gemeinsame Waldarbeiten bis zum Schlachten – die Burschen packten alles an!

Diese Männer waren bald eine verschworene Gemeinschaft, auch die Partnerinnen waren bei vielen Tätigkeiten unterstützend am Werk. Da vieles gemeinsam gemacht wurde, ergab sich für die Gruppe bald die Bezeichnung „ARGE Pirk“ – ob das nun „ARbeits-GEmeinschaft Pirk“ bedeutet oder wir „ARbeiten GEmeinsam“ ist nicht so wichtig, als ARGE waren die Pirker bald bekannt.

Artikel Kleine Zeitung 25.5.1985
Artikel Kleine Zeitung 25.5.1985
Logo der ARGE Pirk
Logo der ARGE Pirk

Die Grundidee war die Nachbarschaftshilfe, man fand aber auch noch zusätzliche Beschäftigungen. So war die ARGE gerne bereit, bei den von Fritz Kaschitz organisierten Reitturnieren 1974 und 1979 einen großen Teil der Vorbereitungsarbeiten durchzuführen. Wie nicht anders zu erwarten, klappte dank der ARGE auch alles bestens.

Gruppenfoto Wörthersee Reitturnier
Gruppenfoto Wörthersee Reitturnier
Wörthersee Reitturnier Herbst 1980
Wörthersee Reitturnier Herbst 1979

In den 1970er und 1980er Jahren gab es im Winter auch noch verlässlich Schnee. So kam man auf die Idee, ein Rennen auf der „Prescher-Leitn“ zu veranstalten – für die Kinder ein Schirennen, die Erwachsenen mussten auf Fassdauben eine anspruchsvolle Strecke absolvieren. Es war jedenfalls ein Riesenspaß für alle, leider konnte das in den letzten Jahren wegen Schneemangels nicht mehr durchgeführt werden.

Fassdaubenlauf 1986 - vorne Seppi Eichholzer
Fassdaubenlauf 1986 – vorne Seppi Eichholzer
Fassdaubenlauf 1986
Fassdaubenlauf 1986
Fassdaubenlauf 1985 - links Frau Kraft
Fassdaubenlauf 1985 – links Frau Kraft
Geschicklichkeitsaufgabe beim Fassdaubenlauf
Geschicklichkeitsaufgabe beim Fassdaubenlauf

Im Gasthaus Kaschitz in Pirk fand nach den spannenden Rennen auch immer die Siegerehrung für die erschöpften Sportler statt.

Fassdaubenlauf 1984 Kinderschi-Sieger
Fassdaubenlauf 1984 Kinderschi-Sieger
Siegerehrung Fassdaubenlauf 1991
Siegerehrung Fassdaubenlauf 1991

Im alteingesessenen Gasthof Kaschitz, dem Stammlokal der ARGE, organisierten die Männer mit ihren Frauen jährlich ein Kinderfaschingsfest, das ebenfalls großen Anklang fand. Die Kinder hatten viel Spaß, die ARGE ebenfalls, sowohl vorher bei Vorbesprechungen, während des Festes und bei einigen „Nachbesprechungen“!

Schilauf der Kinder 1985
Schilauf der Kinder 1985
Schirennen der Kinder
Schirennen der Kinder auf der Prescher-Leitn

Im Bereich des alten Prescher-Hauses fand man Platz, um im Winter eine Natureisbahn neben dem Pirkerbach anzulegen. Sobald die Nächte kalt genug waren, begann das Gießen, damit rasch eine Eisbahn entstehen konnte. Und dann ging es bald los – ein Spaß ohne Ende, fast jeden Tag war man auf dem Eis – bis die Winter immer wärmer wurden und kein Natureis mehr möglich war.

Beim Eisschießen 1980
Beim Eisschießen 1980
Eisschießen beim Prescher in Pirk 1982
Eisschießen beim Prescher in Pirk 1982
Eisschießen am Teich
Eisschießen am Prescher-Teich
Verpflegungsstand beim Eisschießen
Verpflegungsstand der ARGE-Frauen beim Eisschießen

In Pirk hatte sich der ORF-Fernsehmann Theo Pressien ebenfalls ein Haus gebaut und lernte bald die ARGE-Männer kennen. Rasch kam er auf die Idee, über diese gelebte Kameradschaft einen Film zu gestalten. Es entstand in vielen Stunden 1985 ein Film unter dem Titel „Die acht Verschworenen“ für das „Österreichbild am Sonntag“, der bundesweit ausgestrahlt wurde.

Dieser Film liegt dem Krumpendorfarchiv zwar vor, eine Anfrage beim ORF ergab aber, dass wir den Film diesem Artikel aus rechtlichen Gründen nicht beifügen dürfen.

Zu Ostern war es auch für die ARGE Pirk zur Gewohnheit geworden, das Fest mit einem Osterhaufen und Böllerschießen zu feiern. Meist fand das bei der Riepl-Hube statt, begann am Karsamstag und dauerte bis zum Ostermontag.

Böllerschießen zu Ostern 1997
Böllerschießen zu Ostern 1997

Viele gemeinsame Wanderungen wurden unternommen, u.a. beim Wandertag der Krumpendorfer Wasserrettung.

ARGE Pirk beim ÖWR Wandertag
ARGE Pirk beim ÖWR Wandertag 1985

Die ARGE verfügte nicht nur über handwerklich bestens ausgebildete Männer, sie verfügten auch über das entsprechende Werkzeug und Maschinen. So war es nicht verwunderlich, dass die ARGE das Aufstellen des Maibaumes in Krumpendorf übernahm. Lange hatte es keinen Maibaum im Ort mehr gegeben, und seit den 1980ern lebte dieser Brauch bis heute wieder auf – auch dank der Mitarbeit der ARGE!

Der obige Super-8-Film wurde beim Maibaumfest 1980 beim Bad Stich von Heinz Kernjak gedreht.

Maifest 2004
Maifest 2004 – aufstellen des Maibaums

Auch das Erntedankfest der Jugendbrauchtumsgruppe unterstützte die ARGE Pirk mit der Bereitstellung eines schönen Erntewagens. Schon der Aufbau des Wagens machte den „Pirkern“ viel Spaß, und das Fest war für alle immer ein großes Ereignis.

Erntedankfest 1985
Erntedankfest 1985 – Holzknechtwagen der ARGE
Erntedank 1985
Erntedank 1985, rechts vorne Fritz Spick vlg. Prescher

Mit den Jahren wurden die einzelnen Familien immer größer, die Kinder kamen und die Zeiten änderten sich auch für „die Pirker“. Viel zu früh musste man auch das Ableben einiger Kameraden zur Kenntnis nehmen und es wurde ruhiger um die ARGE Pirk.

Ab und zu unterstützen die alten „Pirker“ den Nachwuchs, doch wie es einmal war, so ist es halt nicht mehr – das ist der Lauf der Zeit!


Quellen:

Text: Heinz Kernjak in Abstimmung mit Heinz Spick, Peter Eichholzer
Fotos: Familie Kraft, ARGE Pirk, Heinz Kernjak

Artikel erstellt: Jänner 2026

 

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