Die Säge im Ferlitz-Graben

Im Flurbuch von 1788 ist vermerkt, dass es damals im Ferlitz-Graben (hinter dem 2025 errichteten neuen Kindergarten der Gemeinde Krumpendorf) auf der KG Drasing Nr. 86 eine „Mautmühle mit drei Gängen auf einem unbeständigen Wasser, welches aus dem Teiche für allfälligen Betrieb gesammelt werden muss“ gab. Damit kann auch angenommen werden, dass diese Mühle schon wesentlich länger an diesem Ort bestand.

Das „unbeständige Wasser“ des Pirkerbaches – bedingt durch den jahreszeitlichen Wassermangel – wurde ca. 100 m weiter westlich durch ein „Wehr“ gestaut. Wenn nun gemahlen werden sollte, öffnete man das Wehr und das Wasserrad erhielt dadurch die notwendige Energie, um die Mühle zu betreiben. Das aufgestaute Wasser floss zu der Zeit ungefähr in dem Bereich des jetzigen Wanderweges und erreichte in einem rechten Winkel das Mühlengebäude. Auch heute noch kann man im Katasterplan die Wasserführung erkennen.

Das Wehr ist auch heute noch zu sehen. Im oberen Bereich wurde das Wasser gestaut und bei Bedarf umgeleitet, der untere – tiefere – Bereich dürfte als Fischkalter genutzt worden sein.

Ferlitz Säge - Wehr am Pirkerbach 2025
Ferlitz-Säge – Wehr am Pirkerbach 2025
Ferlitz Säge - Wehr und Fischkalter am Pirkerbach 2025
Ferlitz-Säge – Wehr und Fischkalter am Pirkerbach 2025

Ein schreckliches Unwetter Anfang April des Jahres 1894 verursachte einen Dammbruch des Wirtnigteiches. Dadurch wurden alle fünf Mühlen des Pirkerbaches inkl. der Ferlitz-Mühle zerstört. Auch im Ort selbst gab es massive Überschwemmungen.

Die engagierte Bäuerin des Ferlitzhofes, Anna Kuchling, nahm den Neubau der Mühle aber rasch in Angriff, und bereits 1895 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die findige Bäuerin ergänzte  die Mühle nun durch ein Sägewerk, denn sie sah die Entwicklung des Ortes voraus, die eine große Menge an Bauholz erwarten ließ.

Ferlitz Säge 1943
Ferlitz-Säge 1943

Mit großem Erfolg wurde dieses Sägewerk viele Jahre betrieben, bis Mitte der 1960er Jahre das Bauwerk inklusive des Sägegatters veraltet war und der Betrieb eingestellt wurde. Einigen Krumpendorfern gab die Säge über Jahrzehnte einen Arbeitsplatz. Dieser Säge verdankt auch Franz Bürger II. vermutlich sein Leben, denn er stürzte als Kind in der Nähe der Säge in den Bach. Der Sägearbeiter Thaddäus Spick sah dies, sofort sprang er ins Wasser, packte den jungen Franze beim Schopf und brachte ihn an Land.

Ferlitz-Säge
Manch Sagler wohnte auch in der Säge
Ferlitz Säge im Winter 1954
Ferlitz-Säge im kalten Winter 1954

Zwischen dem bäuerlichen Anwesen Bürger vlg. Ferlitz und der Säge gab es nach dem Zweiten Weltkrieg auch ein Lager der britischen Besatzer. Dies fanden die Krumpendorfer Kinder auch bald heraus, und ihre ersten Sätze in Englisch waren wohl: „Please, give me chocolate!“

Ferlitz Säge Ölbild
Ferlitz-Säge Ölbild (Künstler unbekannt)

Auch für einen Künstler war die Ferlitz-Säge ein dankenswertes Motiv


Quellen:

Text: Heinz Kernjak in Absprache mit Franz Bürger
Fotos: Heinz Kernjak, Franz Bürger

Artikel erstellt: November 2025

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