Seraphine Blangy-Lebzeltern

Leben und Herkunft

Seraphine Freiin von Lebzeltern, wurde am 20. Januar 1842 in Brünn (Brno) geboren. Sie entstammte dem deutschen Adelsgeschlecht der Lebzeltern. Unter dem Pseudonym A. M. Zeltern veröffentlichte sie zunächst ihre frühen Arbeiten, bevor sie später unter ihrem vollen Namen schrieb.

Ihr Leben war geprägt von kultureller Bildung, Mehrsprachigkeit und einer engen Verbindung zu den literarischen Kreisen ihrer Zeit. Sie heiratete den Oberstleutnant der Reserve Freiherr von Blangy, mit dem sie später nach Kärnten übersiedelte.

Verbindung zu Krumpendorf und dem Heinrichshof

Ein zentraler biografischer Punkt war ihr Wohnsitz in der Villa Heinrichshof in Krumpendorf. 1887 erwarb der k.u.k. Oberstleutnant d. R. Heinrich Freiherr von Blangy die Villa Heinrichshof, Gurlitsch 12 (heute Erlachweg 17).

Villa Heinrichshof um 1910
Villa Heinrichshof

Dieser Ort war nicht nur ihr Lebensmittelpunkt, sondern auch ein Rückzugsraum für ihr literarisches Schaffen. Die Nähe zu Klagenfurt verband sie mit dem kulturellen Leben Kärntens, während die ruhige Lage am Wörthersee ihr schriftstellerisches Arbeiten begünstigte.

Der Heinrichshof war zu dieser Zeit ein nobler Landsitz, der ihr ein inspirierendes Umfeld bot. Für Blangy‑Lebzeltern wurde er zu einem Ort, an dem sie ihre schriftstellerische Tätigkeit intensivierte und zugleich ein gesellschaftliches Netzwerk pflegte. So schreibt sie am 25.10.1900 an eine Félice Lekisch in Budapest:

Es ist zu lieb von Ihnen, meine liebe Félice, daß Sie mein banges Schweigen verzeihen und mir wieder ein Lebenszeichen geben, das mich doppelt erfreut, sowie es mir ein baldiges Wiedersehen in Aussicht stellt. Bitte melden Sie Ihren guten Eltern alles Erdenkliche von uns und seien Sie herzlich umarmt von
Ihrer alten Seraphine Blangy

Villa Heinrichshof Korrespondenzkarte Testseite 1900
Villa Heinrichshof Korrespondenzkarte Textseite 1900
Villa Heinrichshof Korrespondenzkarte Anschrift 1900
Villa Heinrichshof Korrespondenzkarte Anschrift 1900

Ihre gesellschaftliche Stellung wird besonders durch ihre Einbindung in ein weit verzweigtes, europäisches Adelsnetzwerk deutlich. Ein anschauliches Beispiel lieferte das Wiener Salonblatt im August 1907, das ausführlich über den Besuch ihrer Pariser Verwandtschaft berichtete. Demnach war die Comtesse d’Anthenaise – eine Enkelin des einstigen österreichischen Botschafters unter Kaiser Franz in Rom – eigens aus Frankreich angereist, um nach Aufenthalten in Wien und Niederösterreich ihre Sommerfrische bei ihren Cousinen am Wörthersee zu verbringen.

Nach einem Sejour in Siersdorf und Mühlbach hat sich Comtesse d’Anthenaise zum Besuche ihrer Cousinen Baronin Seraphine Blangy-Lebzeltern und Baronin Josefine Lebzeltern-Fritsche an den Wörthersee begeben
[…]

Wiener Salonblatt 10.8.1907
Wiener Salonblatt 10.8.1907, Besuch der Cousine

Solche Notizen unterstreichen, dass Blangy-Lebzeltern nicht nur als Literatin agierte, sondern fester Bestandteil jener Aristokratie war, deren Reisen und Besuche aufmerksam von der zeitgenössischen Presse verfolgt wurden.

Literarisches Werk und Bedeutung

Seraphine Blangy‑Lebzeltern war Schriftstellerin, Erzählerin und Übersetzerin. Sie verfasste: Novellen, Erzählungen, Studien und Schilderungen, Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften.

Ihr Werk ist typisch für die Literatur der späten Donaumonarchie: psychologisch fein beobachtete Figuren, gesellschaftliche Milieustudien und ein besonderes Augenmerk auf weibliche Lebenswelten. Bekannt ist ihr Band „Novellen und Erzählungen“ (1891), erschienen in Klagenfurt beim Verlag Kleinmayr, Federzeichnungen von Franz Schlegel.

Novellen und Erzählungen Cover 1891
Novellen und Erzählungen Cover 1891
Novellen und Erzählungen Inhalt 1891
Novellen und Erzählungen Inhalt 1891

Mit wenigen Zeilen, mit kurzen Worten erschließt sie uns eine ganze Welt von Liebe und Leid, von Aufopferung und Selbstsucht, von Glückseligkeit und Qual; dann senkt sie den Schleier, den sie gelüftet, und überläßt der Phantasie des Lesers, was er noch weiter denken und spinnen mag.
[…]
Ganz besonders warm und lebensvoll sind die landschaftlichen Schilderungen aus dem Süden. Die Verfasserin hat der Natur all ihre Schönheit abgelauscht, dem Menschenherzen all seine Qual, und Alles gibt sie uns wieder mit einer Wahrheit der Empfindung, einer Feinheit der Beobachtung, einer Harmonie der Sprache, die zu der Annahme berechtigt, dass die Anerkennung ihres schönen Talents sich bald in die weitesten Kreise verbreiten dürfte.
(Das Vaterland vom 30.5.1891)

Rezension "Novellen und Erzählungen", Das Vaterland 1891
Rezension „Novellen und Erzählungen“,
Das Vaterland 30.5.1891
Rezension "Novellen und Erzählungen", Das Vaterland 1891
Rezension „Novellen und Erzählungen“,
Fortsetzung

Die Kaufmännische Zeitschrift vom 1.8.1891 bemängelte hingegen das Fehlen eines freudigen Humors.

Überall begegnet man nur der Schilderung tragischer Momente, und wenn in einem Roman von heutzutage zwei Liebende sich endlich kriegen, so ist dies häufig auf dem Todtenbette oder gar erst am Friedhofe der Fall. In den vorliegenden Novellen sind nun vorherrschend solche tieftraurigen Menschenschicksale gezeichnet […]

Rezension "Novellen und Erzählungen", Kaufmännische Zeitschrift 1891
Rezension „Novellen und Erzählungen“,
Kaufmännische Zeitschrift 1.8.1891

Die literarische Bandbreite der Autorin zeigt sich in ihren Veröffentlichungen zwischen 1891 und 1907, die von dörflichen Milieustudien bis hin zu Reiseberichten reichten. Während „Im Dorfe„, ein Text aus ihren „Novellen und Erzählungen“, tragische Einblicke in das ärmliche soziale Dorfleben bot, war „Ein Märchen vom Wörthersee“ die Nacherzählung der Wörthersee-Sage und die „Frühlingsfahrt an die blaue Adria“ die Schilderung einer Fahrt mit dem Zug von Klagenfurt nach Triest, einem südlichen Sehnsuchtsort der damaligen Zeit.

Darüber hinaus übersetzte sie aus dem Französischen und Italienischen. 1888 erschien das Lustspiel „Eine Lection“ des italienischen Schriftstellers Gerolamo Rovetta in der Übersetzung vom A. M. Zeltern, ihr Pseudonym, das bereits auf einer der ersten Seiten gelüftet wurde. Der Einakter war ein Repertoirestück des k. k. Hof-Burgtheaters in Wien. Die Hauptrolle spielte Katharina Schratt. Das Stück schien sehr erfolgreich gewesen zu sein, denn 10 Jahre später stand es mit Frau Schratt nach wie vor auf dem Spielplan.

Eine Lection Cover 1890
Eine Lection 1890
Eine Lection Personenliste 1890
Eine Lection, Personenliste

Blangy‑Lebzeltern im kulturellen Kontext

In einer Zeit des literarischen Aufbruchs für Frauen festigte Blangy-Lebzeltern ihre Stellung als Autorin, was auch ihre Aufnahme in einschlägige Fachlexika (Lexikon deutscher Frauen der Feder, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich) beweist. Die Wertschätzung ihres Talents zeigte sich ebenfalls bei einem glanzvollen Abend im Wiener Musikvereinsgebäude: Dort wurde ihre Erzählung „Das Märzrufen“ (aus Novellen und Erzählungen) vor den Mitgliedern des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen vorgetragen – in einem geschützten Raum, der ausschließlich Frauen vorbehalten war.

Artikel Schriftstellerinnenverein, Neue Freie Presse 1892
Artikel Damenabend des Schriftstellerinnenvereins, Neue Freie Presse 1892

Blangy-Lebzeltern stand in Kontakt mit der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (Marie Freiin von Dubský), mit der es persönliche Treffen in Krumpendorf gegeben haben soll. Josef Pamperl berichtet in seinen Erinnerungen, dass Marie Ebner Eschenbach Sommergast in Krumpendorf war. Vorhanden ist eine Ansichtskarte der Villa Heinrichshof, die Ulrike Comtesse Dubský, die Halbschwester von Marie, 1898 nach Pontoise in Frankreich verschickt hat.

Ansichtskarte von Ulrike Comtesse Dubsky 1898
Ansichtskarte geschrieben von Ulrike (Ulrique) Comtesse Dubský 1898

Bedeutung für Krumpendorf und Kärnten

Für Krumpendorf ist Seraphine Blangy‑Lebzeltern eine bemerkenswerte Persönlichkeit: Sie gehört zu den frühen literarischen Stimmen, die mit dem Ort verbunden sind. Ihr Wirken zeigt, dass der Wörthersee schon im 19. Jahrhundert ein Anziehungspunkt für Kunst‑ und Kulturschaffende war.

Todesanzeige Blangy Lebzeltern Klagenfurter Zeitung 1912
Todesanzeige Blangy Lebzeltern Klagenfurter Zeitung 1912

Sie starb nach langer schwerer Krankheit am 19. Juni 1912 im Landeskrankenhaus in Klagenfurt (laut Sterberegister an Nierenentzündung, Wassersucht). Begraben wurde sie auf dem Friedhof St. Ruprecht in Klagenfurt.


Quellen:

  • Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich: Lebzeltern, die Grafen und Freiherren, Genealogie
  • Lexikon deutscher Frauen der Feder, Band 1, Berlin, 1898, S. 76
  • Das Vaterland, 30.5.1891, Seite 5, Rezension: Novellen und Erzählungen
  • Kaufmännische Zeitschrift, 1.8.1891, Seite 4, Rezension: Novellen und Erzählungen
  • Neue Freie Presse, Vereins-Nachrichten – Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, 25.2.1892
  • Pester Lloyd, 1.1.1907, Ein Märchen vom Wörthersee, Seite 4
  • Pester Lloyd, 3.4.1907, Frühlingsfahrt an die blaue Adria, Seite 3
  • Wiener Salonblatt, 10.8.1907, Seite 8
  • Sterbebuch III | K14_026-1, Klagenfurt-LKH, Seraphine Blangy-Lebzeltern

 

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