Von den sieben Kindern des Thaddäus von Lanner war das drittgeborene sein einziger Sohn: Der 1819 geborene Eduard sollte als Stammhalter einst den Besitz übernehmen und das Familienerbe in die Zukunft führen.

Im Jahr 1840 befand sich Thaddäus von Lanner auf dem Zenit seines Erfolgs. Mit 50 Jahren hatte er Außergewöhnliches erreicht, war weit über die Grenzen Kärntens hinaus bekannt und hatte aus einem ehemals verschuldeten Betrieb ein beträchtliches Vermögen geschaffen. Doch mitten in diesem Triumph traf ihn der schwerste Schicksalsschlag seines Lebens: Sein geliebter Sohn Eduard verstarb am 26. Dezember 1840 in seinen Armen an den Folgen einer Gehirnhautentzündung. In seinem Tagebuch hielt Lanner erschüttert fest:

Am 26. Oktober verlohr ich meinen Sohn Eduard durch den Tod. Friede sey mit ihm. Die schwerste Prüfung in meinem Leben. Am 27. Oktober verfiel ich in Folge dessen in eine gefährlich große Krankheit.
Tiefe Trauer und der Weg zurück
Der Verlust brach Lanner seelisch und körperlich das Herz. Mit dem Tod des Studenten der Rechtswissenschaften würde auch der Name Lanner erlöschen. Der Vater erlitt einen schweren Zusammenbruch. Um seine angeschlagene Gesundheit wiederherzustellen, reiste er im Sommer 1841 mit seiner Tochter Fanny zur Kur nach Karlsbad. Auch im darauffolgenden Jahr setzte er alles daran, wieder zu Kräften zu kommen.
Eduard wurde in Pirk beigesetzt. Der Schmerz saß so tief, dass Lanner den Ort mehr als drei Jahre lang gänzlich mied. Erst 1844 war er überhaupt wieder in der Lage, sich der Grabstätte zu nähern, wie er in einer ergreifenden Tagebuchpassage schilderte:
Bereits mehr als drey Jahre verrannen in die Fluth der Vergangenheit, seit er von mir schied, seit seine irdische Hülle in dem Friedhof zu Pirk ruht. Nie sah ich noch seine Ruhestätte, nie betrat ich seither den Friedhof und die Kirche, nie den Weg, der von der Moosburgerstraße nach Pirk führt. Mein Schmerz gestattete mir nicht, die Stätte zu betreten, in welcher seine irdischen Reste zerfallen. Mit Schauder betrat ich, eines Geschäftes halber, wieder den Weg nach Pirk zum erstenmale, seitdem ich ihn zum letztenmale als Leich zurücklegte. Ich stieg die Anhöhe zum Pirkerweg, dem Waldhüther zu, hinan, die Augen fest auf den Boden gerichtet, um meinen Blick nicht unwillkürlich nach der nahen Kirche zu wenden. Seither zum erstenmale sah ich die Quelle wieder, woraus wir drei Monathe vor seinem Tod tranken; der Tisch an dem wir damals vergnügt saßen, war dicht mit Schnee verhüllt. Reminiszenzen an das Damals erfüllten meine Seele, ein düsteres Gefühl bitterer Täuschung froh gehegter Lebenshoffnungen überwältigte mich, bis die Überzeugung Oberhand gewann, dass hienieden nichts vollkommen seyn könne, daß jedes Glück und jedes Unglück plötzlich oder allmählich in dem Zeitenstrome schwindet, wie sich die durch den Lufthauch erregte Welle von selbst wieder ebnet, daß unser Halt in einer Berufung, in einer Zuversicht an einem endlichen Veredlungszustand bestehen müsse, zu dem mein Eduard mir nur vorangeschritten ist. Wehmütig, aber fest und gestärkt wendete ich mein Auge auf dem Rückwege auf die Stätte, wo er ruht, aber menschliches Vornehmen ist selten standhaft, meine Nerven bebten, ich stöhnte schmerzhaft auf, endlich flossen meine Tränen.
Das Lanner-Kreuz heute
Ein steinernes Kreuz zierte fortan Eduards Grab. Als die Ruhestätte im Jahr 1968 aufgelöst wurde, um Platz für die Bestattung des Krumpendorfer Pfarrers Ferdinand Lappe zu machen, blieb das historische Lanner-Kreuz bestehen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde es jedoch vollständig von Efeu überwuchert und geriet in Vergessenheit.

Um dieses wertvolle Krumpendorfer Kulturgut der Nachwelt zu erhalten und wieder sichtbar zu machen, befreiten Richard Marinitsch und Heinz Kernjak das Kreuz im Frühjahr 2026 vom Efeu und reinigten es sorgfältig. Heute steht es wieder gut sichtbar direkt neben dem Grabstein von Pfarrer Lappe, unmittelbar am Friedhofseingang.


Thaddäus von Lanner fand schließlich wieder ins Leben zurück. Getragen vom großen Vertrauen der Bevölkerung, wurde er 1850 im Alter von 60 Jahren zum ersten Bürgermeister von Krumpendorf gewählt – ein Amt, das er zehn Jahre lang mit großem Engagement ausführte.
Im Jahr 1861 erkrankte er schwer an einer Lungen- und Rippenfellentzündung, von der er sich nicht mehr erholte. Er verstarb am 13. Oktober desselben Jahres und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof St. Ruprecht in Klagenfurt.
Quellen:
- Thaddäus von Lanner, Anton Kreuzer / Franz Pickert, 1971
- Gräberbuch des katholischen Friedhofs Pirk
- Schulchronik 1874 – 1883
- Fotos: Schulchronik Krumpendorf, Richard Marinitsch
Artikel: Richard Marinitsch
Verfasst: September 2026