Rudolf Brosch erblickte am 1.8.1866 in Bad Hofgastein als Sohn des Josef Brosch und der Anna Brosch, geb. Pach, das Licht der Welt. Bald übersiedelte die Familie nach Wien, wo Rudolf auch die Schule besuchte. In weiterer Folge zog es ihn zum Militär und dabei speziell zur kuk-Marine, wo er auch die Möglichkeit sah, weitere Reisen unternehmen zu können. Er diente sich auf verschiedenen Schiffen bis zum Linienschiffslieutenant und Fregattenkapitän in der nautischen Hierarchie nach oben.

Stationiert war Rudolf Brosch vorwiegend im österreichischen Kriegshafen Pola auf Istrien. Von dort liefen viele unter österreichischer Flagge laufenden Schiffe in alle Welt aus. Zwecke dieser Reisen waren: Ausbildung der Mannschaften, Forschungs- und Diplomatie-Reisen, handelspolitische Aspekte, wissenschaftliche Untersuchungen usw.
Ende des 19. Jhdt. unternahm Rudolf Brosch auf dem Schiff „SMS Saida“ lange Reisen u.a. in den Fernen Osten. Eine dieser Reisen dauerte 17 Monate. Die „SMS Saida“ lief 1878 von Stapel, hatte eine Länge von 71 m, eine Besatzung von 300 Mann und 2662 Brutto-Register-Tonnen.




M. Thury – Kettenbrückengasse 15 – Wien V
Im Zuge seiner beruflichen Laufbahn dürfte Rudolf Brosch den schwerreichen Josip Gorup von Slavinjski kennengelernt haben, der auch als „slowenischer Rothschild“ bezeichnet wurde und seinen Sitz damals in Rijeka hatte. Gorup beschränkts seine geschäftlichen Aktivitäten nicht nur auf Slowenien, er war auch in Kärnten aktiv und lernte dort in jungen Jahren seine erste Frau Anna Pergkofer, eine Klagenfurterin, kennen. Dadurch kam er auch an den Wörthersee, den er schätzen lernte und kaufte in Krumpendorf die Villa Scherrl (spätere Parkvilla).
Rudolf Brosch dürfte in der Zeit auch die Tochter von Gorup, Olga Anna Maria, geb. am 21.7.1873, kennen gelernt haben. Die Heirat erfolgte bereits 1895 und Sohn Rudolf jun. kam am 17.2.1896 auf die Welt. Leider endete die Ehe tragisch. Olga Brosch stürzte 1898 so unglücklich vom Pferd, dass sie am 21.4. verstarb.

Nach einem Trauerjahr ehelichte Rudolf Brosch am 11.8.1900 Helene Stölzle, geb. am 10.5.1882, Tochter aus der bekannten Glasdynastie Stölzle. Die Hochzeitsreise unternahm das Paar nach Paris. Dort wurde nicht nur die Weltausstellung besucht, Rudolf Brosch beteiligte sich auch bei den Olympischen Spielen im Fechten. Er war begeisterter Fechter, und so konnte er bei der Olympiade den 8. Platz erringen. Vor ihm waren alles französische Fechtsportler. Seine Begeisterung für das Fechten brachte er auch dadurch zum Ausdruck, dass er Fachbücher darüber verfasste, u.a. das heute noch gültige Buch „Das Stossfechten italienischer Schule“.

Gut Krumpendorf
Im Jahr 1913 erwarben Rudolf Brosch und Gattin Helene vom Vorbesitzer Josef Pamperl um 901.000 Kronen das Gut Krumpendorf, das damals vorwiegend aus dem ehemaligen Schloss Krumpendorf, der Seerestauration und der Badeanstalt am Terrassenareal bestand. Pamperl hatte bereits im Schloss Unterkünfte zur touristischen Vermietung eingerichtet. Auch die Seerestauration wurde von den Sommergästen mit großer Begeisterung angenommen. Die Badeanstalt gestattete es Gästen und Einheimischen im Wörthersee zu schwimmen.



Rudolf Brosch sen. verstarb 1952, seine Gattin Helene 1964, beide wurden in Pirk begraben.

Aus der Ehe von Rudolf Brosch sen. mit Helene entstammten sechs Kinder:


Hedwig, geb. 1911, war mit Herbert Kastner verheiratet. Die beiden pachteten den Tennisplatz und den Minigolfplatz neben dem Gemeindebad und waren die Eltern von Brigitte und Christl. Beim späteren Pächter Rauscher konnte man in den 1960ern am Minigolfplatz auch Kinokarten erwerben, da er das Krumpendorfer Kino betrieb. Der Minigolfplatz verschwand durch die Vergrößerung des Gemeindebades.
Anna war in Klagenfurt als Angestellte bei einem Arzt tätig.
Margarethe arbeitete im Winter meist in Schweizer Tourismusgebieten und im Sommer im Familienbetrieb in Krumpendorf. Sie verstarb 2011.
Helene hatte von der Eröffnung bis ca. 1964 das Restaurant im Gemeindebad gepachtet.
Willi war zur damaligen Zeit ein bekannter Tennisspieler und Jagdflieger, er stürzte in den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges bei einem Einsatzflug ab.
Heinrich (1907 – 1981) heiratete Erika Filla und war Vater von Dr. Fritz Brosch, dem bekannten Krumpendorfer Zahnarzt.
Den gesamten Besitz übereignete Rudolf Brosch sen. im Jahr 1918 seinem Sohn Rudolf jun., der allerdings kein sonderliches Interesse daran hatte und bereits im Jahr 1920 diese Liegenschaften an Hermann Roßbacher verkaufte. Rudolf jun. heiratete mehrmals. Aus einer dieser Ehen entstammte Olga Brosch, die am 25.9.1957 Ing. Kurt Ebner heiratete. Das Ehepaar blieb in Krumpendorf wohnhaft.
Mit einem Teil des Verkaufserlöses (Kronen 325.000) kaufte Rudolf Brosch jun. gem. Kaufvertrag vom 10.6.1920 die von Max Kuppelwieser 1895 errichtete Villa Jenny, die später „Schlössl am See“ genannt wurde. Die Villa diente neben dem eigenen Wohnbedarf vorwiegend der Vermietung. Sie grenzt östlich direkt ans Parkbad.
Rudolf Brosch jun. war im Gewerbebuch 1947 auch mit einer Handelsagentur eingetragen, die aber ebenso wenig Erfolg zeitigte wie die meisten seiner Geschäfte. So musste nach und nach Substanz veräußert werden, u.a. der westliche Teil der Liegenschaft Villa Jenny um Reichsmark 42.000 an Dr. Friedrich Gressel. Rudolf Brosch jun. verstarb am 7.5.1973 in Klagenfurt.
Die Gemeinde Krumpendorf erwarb Anfang der 1970er die sog. Gressel-Liegenschaft und konnte dadurch das Gemeindebad erweitern.
Familie Brosch als Vermieter


In der Familie Brosch wurde der Tennissport großgeschrieben. Auf dem eigenen Areal gab es lange Zeit einen Tennisplatz, dazu wurde nicht nur der Tennisplatz neben dem Gemeindebad gepachtet, sondern auch die Plätze beim Terrassenhotel. Man veranstaltete viele Tennisturniere, manch Sommergast kam vorwiegend wegen dieser Turniere nach Krumpendorf.
Im nördlichen Bereich des Grundstücks wurde ein Wohnhaus errichtet, in dem vorwiegend die in Krumpendorf lebenden Brosch-Damen lebten, das Schlössl am See diente ja der Vermietung. Ein zusätzlich errichtetes Gebäude wurde bis in die 2000er Jahre für die Vermietung an die Sommergäste genutzt.

Seit mehreren Jahren dient die gesamte Liegenschaft privaten Wohnzwecken.
Quellen:
Text: Heinz Kernjak in Abstimmung mit Dr. Fritz Brosch und Brigitte Fial
Fotos: zur Verfügung gestellt von Brigitte Fial und Dr. Fritz Brosch, Krumpendorfer Preisnixe 1986, Heinz Kernjak
Artikel erstellt: Oktober 2026