Aus Tirol stammte Anton Tschernitz, geb. am 28.12.1907, der um 1935 mit seiner Gattin Lisbeth geb. Giehler nach Krumpendorf kam. Als gelernter Schlosser fand er rasch mit Hubert Neureiter einen Arbeitgeber, dem ortsansässigen Schlossereibetrieb. Bei diesem wurde Anton Tschernitz auch von Beginn an als Meister eingestellt.
Bei Neureiter blieb Anton Tschernitz aber nicht lange. Er war Schlossermeister und so wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. Das Gewerbe hatte er schon mit 31.12.1936 angemeldet.
Anfang der 1940er Jahre gelang es Anton Tschernitz, an der Hauptstraße gegenüber der Polizeikaserne ein Wohnhaus mit angeschlossenem Schlosserbetrieb zu errichten. Familie Tschernitz war darüber auch sehr stolz und zufrieden.

Doch dem überaus rührigen „Toni“ war dies noch zu wenig. Er erkannte auch die Zeichen der Zeit und errichtete 1949 direkt an der Hauptstraße vor seinem Betrieb eine Tankstelle. Die Firma „Martha“ versorgte die Tankstelle mit dem notwendigen Treibstoff und sonstigem Material, später war dann die ÖMV Partner von Anton Tschernitz.

Obwohl Toni Tschernitz ein sehr fleißiger Mann war, konnte er doch nicht selbst auch an der Tankstelle arbeiten. Da war vor allem seine Gattin Lisbeth gefragt, und meist hatte er auch einen Mitarbeiter eingestellt. In Krumpendorf gab es zur damaligen Zeit vier Tankstellen, heute muss man froh sein, dass es noch eine einzige gibt! Ein treuer Mitarbeiter in der Schlosserei war über viele Jahre auch sein Schwager Martin Giehler, der ebenfalls bei der Feuerwehr war und in Krumpendorf bekannt und beliebt.

Anton Tschernitz war ein sehr leutseliger Mensch, er schloss schnell Bekanntschaften und trat schon 1937 der Freiwilligen Feuerwehr Krumpendorf bei. Bei der Feuerwehr fand er eine schöne Kameradschaft, die ihm sehr gefiel, und so wurde er auch Kameradschaftsführer und Hauptmann-Stellvertreter. Er blieb der Feuerwehr Krumpendorf 51 Jahre bis zu seinem Tod treu.

Als einmal die Sirene die Kameraden zum Feuerwehrhaus rief, schnappte sich Anton sein Fahrrad und eilte zum Gerätehaus in der Moosburgerstraße. Ein Bekannter rief ihm unterwegs zu: „Toni, warum steigst denn nicht aufs Radl auf?“ Toni antwortete: “Ka Zeit, ka Zeit!“

Über viele Jahre gestaltete Anton Tschernitz das Gemeinschafts- und Ortsleben von Krumpendorf mit. Als die Krumpendorfer Jugend einen Fußballklub gründen wollte, war Anton nicht nur Gründungsmitglied, sondern auch viele Jahre Sponsor der Krumpendorfer Kicker.
Dies konnte er alles vorwiegend dadurch bewerkstelligen, weil er in seinem Beruf sehr erfolgreich war und noch heute viele Schlosserarbeiten in Krumpendorf von seinem Geschick und dem Fleiß seiner Mitarbeiter Zeugnis ablegen.



Die 1970er Jahre änderten für die Familie Tschernitz aber sehr viel: die Tankstelle wurde 1970 an Anton Dohr übergeben, der sie dann bis 1981 führte.

Aber auch die Arbeit in der Schlosserei war für Anton Tschernitz zu viel geworden und er übergab sie 1978 an den Schlossermeister Manfred Köfler, der noch viele Jahre in dem Betrieb werkte.
Am 3.4.1988 starb Anton Tschernitz. Er wurde am Friedhof in Pirk/Krumpendorf begraben.

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Tschernitz-Areal (gegenüber dem Landespolizeikommando) die einzige Tankstelle des Ortes, SOCAR. In der ehemaligen Schlosserei betreibt Erwin Kittl einen Antiquitätenladen.
Quellen:
Text: Heinz Kernjak, Informationen WKO
Fotos: FF Krumpendorf, Erwin Kittl