Viele Krumpendorfer erinnern sich gerne an ihre Kindheit, als man im Dorf noch überall spielen konnte, sich in „Banden“ bekämpfte, Lager baute usw. Eine bleibende Erinnerung ist auch der Verkaufsstand der Angela Andrej, die im Ort nur als „die Angela“ bekannt war. Ihr Verkaufsstand an der Hauptstraße (wäre jetzt zwischen Haus Leopold, Hauptstraße 137 und Haus Dr. Heyn, Hauptstraße 141) war der Traum aller Kinder: Süßigkeiten, Cola, Eis, Kaugummi, Obst usw.! Alles Köstlichkeiten, die in den 1950er und 1960er-Jahren selten erreichbar waren verkaufte „die Angela“ an ihrem Stand.

Der für die Firma „Anker-Brot“ in Wien tätige Lohnfuhrwerker Josef Hradsky übersiedelte während des 1. Weltkrieges mit Gattin Emma und Tochter Angela nach Krumpendorf, sie wohnten bei Emmas Verwandten Uitz (ehemals Komar-Keusche) in Brenndorf. Josef Hradsky verdiente seinen Lebensunterhalt weiter als Fuhrwerker, u.a. betrieb er auch eine Schottergrube südlich des Kolle-Anwesens.
Nach der Absolvierung der Schule begann Angela Hradsky (geb. 24.5.1911) eine Lehre als Fleischereifachverkäuferin in Klagenfurt. In dieser Zeit lernte sie den Landwirt Andrej aus Mittlern kennen, den sie bald auch heiratete. Nach einigen Jahren zerbrach die Ehe und Angela übersiedelte wieder nach Krumpendorf. Hier galt es dann, wieder eine berufliche Karriere zu starten.
Angela Hradsky konnte in Krumpendorf an der Hauptstraße einen Verkaufsstand eröffnen, in dem sie Obst, Süßigkeiten, Eis, Getränke etc. anbot.


In diesen Jahren war die Nachfrage nach den von „Angela“ angebotenen Produkten überaus groß, war dieser Verkaufsstand doch einer der wenigen an der Hauptstraße von Klagenfurt bis Villach, vermutlich sogar in den 1950ern der einzige.

Vor allem für die Kinder und Jugendlichen war der Stand von „Angela“ das Paradies. Mit leuchtenden Augen standen sie oft vor dem Laden, den „Angela“ allerdings sehr kunstbewusst führte. Trotzdem arbeitete Angela Andrej in den Wintermonaten als Hausmädchen in Klagenfurt, um über die Runden zu kommen.


Angela Andrej hing mit vollem Herzen an ihrem „Geschäft“, sie war im ganzen Ort bekannt und beliebt. Mit zunehmendem Alter fiel es ihr immer schwerer, den Laden zu betreiben, obwohl ihre Tochter Elfriede Begusch fleißig mithalf. Dennoch musste Angela eines Tages dem Alter Tribut zollen und den Verkaufsstand ihrer Tochter, Elfriede Begusch, übergeben. Angela Andrej verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Kreise ihrer Familie in Brenndorf, sie verstarb am 11.11.2009.

Elfriede Begusch betrieb den Laden noch einige Jahre weiter. Die Konkurrenz der mittlerweile in Krumpendorf entstandenen Märkte wie Konsum, Spar etc. wurde dann aber zu groß. So übergab Elfriede Begusch den Verkaufsstand der „Angela“ einem Klagenfurter Marktlieferanten, der dann aber ebenfalls bald aufgab. In den späten 1970ern verschwand das kleine Häuschen. Es wich einer Verbreiterung der Bundesstraße und des Gehweges.
Quellen:
Text: Heinz Kernjak in Absprache mit Rita Rebernig und Helmut Begusch
Fotos: Krumpendorfarchiv, Wikipedia