Die Mattitsch

ein Name, der für Generationen von Krumpendorfern ein Begriff war. Seien es die Volksschüler gewesen, die mit glänzenden Augen die Süßigkeiten in der kleinen Auslage des Geschäftes am Beginn der Moosburger Straße 2 betrachteten, oder die Erwachsenen, die in schweren Zeiten – meist zu Monatsende – ihre Einkäufe im „Einkaufsbüchel“ festschreiben ließen und die Bezahlung erst mit Beginn des nächsten Monats tätigten. Oder auch die Senioren, die im Hintergrund des Ladens gerne ein „Frackale“ oder ein „Achterle“ konsumierten. Sie war einfach da – die Ottilie Mattitsch in ihrem Geschäft.

Bevor jedoch in dem Gebäude ein Verkaufsgeschäft entstand, hatte dieses schon eine lange Geschichte. Ursprünglich war es das Badehaus des Anwesen Koch vulgo Wipponig mit der Adresse Krumpendorf Haus Nr. 7 (diese Badehäuser im 18. Jhdt. entsprachen ungefähr den jetzigen finnischen Saunen), das später zu einem kleinen Wohn- und Geschäftshaus umgebaut wurde. In diesem Häuschen wohnte nach 1830 lange Zeit ein Schuster, der dort auch seine Werkstatt hatte. Um 1850 erwarb Johann Bauer diese dann „Fernatsch-Keusche“ genannte Liegenschaft, der sie dann später an Hubert Neureiter weiterverkaufte, der in diesem Bereich eine Schlosserei betrieb.

Der ehemalige Wirtschafter des Schlosses Krumpendorf Josef Probst eröffnete Ende des 19. Jhdt. das erste Geschäftslokal, das dann der aus Klagenfurt stammende Bäckermeister Karl Kutternig 1892 übernahm.

Anzeige Kutternig in Cur- und Fremden-Liste vom Wörthersee 1894
Anzeige Karl Kutternig in Cur- und Fremden-Liste vom Wörthersee 1894

Für dieses kleine Haus die Bezeichnung „Villa“ zu verwenden, war schon zur damaligen Zeit etwas mutig.
Nachdem Karl Kutternig bald darauf sein Geschäftshaus weiter östlich im Ort erbaute und dort seine Waren und Dienstleistungen anbot, kam das Geschäftslokal an der Moosburgerstraße in die Hände von Josefa (Josefine) Sitar, die aus der Untersteiermark (heute Slowenien) stammte und am 12.5.1907 den bekannten Krumpendorfer Baumeister Anton Venturini heiratete.

Gemischtwaren-Handlung Josefine Sittar ca. 1907/8
Gemischtwaren-Handlung Josefine Sittar ca. 1907/8

In den 1920er Jahren begann dann die Zeit der „Mattitsch“ Ottilie, geborene Moser, die von St. Stefan/Krappfeld stammte. Die junge Ottilie Moser hatte am 16.6.1929 den Kaminfeger Anton Mattitsch aus Althofen geheiratet, die beiden waren seit 1.5.1929 in Krumpendorf wohnhaft.

Gemischtwaren O. Mattitsch 1938
Gemischtwaren O. Mattitsch 1938

In dieser Zeit war die wirtschaftliche Situation äußerst schwierig, und so musste das junge Paar intensiv um die Existenz kämpfen. Es blieb auch nicht aus, dass nicht nur einmal im Geschäft eingebrochen wurde, auch ein Ausgleich konnte im letzten Moment durchgeführt werden.

Eine Besserung trat dann Ende der 1930er Jahre ein, als die Arbeitslosigkeit sank, die Bewohner von Krumpendorf etwas mehr finanzielle Mittel hatten und sicher auch das Personal der in dieser Zeit errichteten naheliegenden Kaserne gerne bei der „Mattitsch“ einkaufte.

Geschäft Mattisch 1940er Jahre
Geschäft Mattisch 1940er Jahre

In die nachfolgenden Jahre reichen dann auch die Erinnerungen einiger Krumpendorfer zurück.
Helga Duffek-Kopper beschreibt in ihrem Buch „Die Villa Mathilde“ anschaulich die schon in die Jahre gekommene Geschäftsinhaberin und auch die Freude, wenn diese den Kindern eine kleine Süßigkeit zusteckte.

In den Erinnerungen „Die Indianer vom Wörthersee“ schreibt Klaus Lukas über „eine schrullige alte Frau, die in unserem Dorf für den Zusammenhalt, das soziale Gefüge und die Versorgung mindestens so wichtig war wie der Bürgermeister und der Pfarrer.“ Auch er erinnert sich gerne an „die Endstücke von Würsten, die die Mattitsch den Kindern überlassen hat“ als kulinarischen Genuss.

Der Verfasser dieses Artikels erinnert sich allerdings an „erschreckende“ Erlebnisse:

Meine Großmutter wohnte oberhalb des Geschäftes von Frau Mattitsch und ich musste immer über den rückwärtigen Eingang und über die Stiege in den 1. Stock zu meiner Omi. Auf dieser Stiege „lauerte“ aber die Altherren-Riege bei Schnaps und Wein und machte sich einen Spaß daraus, den kleinen Buben zu erschrecken. Wenn die „Mattitsch“ dies aber bemerkte, drohte sie den Senioren mit Schnaps- und Weinentzug!

Kinderfaschingszug vor Mattitsch 1960er Jahre
Kinderfaschingszug vor Mattitsch 1960er Jahre

In bester Erinnerung hat der Verfasser auch die 1-Schilling-Schokolade von Bensdorp, deren Schleifen gesammelt wurden und bei Einsendung einer gewissen Anzahl ein Karton dieser Schokolade zugestellt wurde. Auch die süßlich-klebrigen „Plombenzieher“ Stollwerk kennen noch die älteren Gemeindebürger, die wurden teilweise sogar als Restgeld ausgegeben.

1 Schilling Münze 1950er Jahre
1 Schilling Münze 1950er Jahre
Bensdorp Schokolade für 1 Schilling
Bensdorp Schokolade für 1 Schilling
Ein Stollwerk der Firma Manner
Ein Stollwerk der Firma Manner (Foto: F. Rabl)

In den 1970er Jahren fiel „der Mattitsch“ der Betrieb des Geschäftes immer schwerer, zusätzlich erlebte sie im Oktober 1970 einen schweren Schock durch einen Überfall:

Überfall auf Gemischtwarenhandlung Mattitsch 1970
Überfall auf Gemischtwarenhandlung Mattitsch – Kleine Zeitung 1.10.1970

Bald darauf endete die Geschichte des Gemischtwarenladen Ottilie Mattitsch in Krumpendorf und sie ging in Pension.

In den Geschäftsräumen wurde danach ein Installationsunternehmen untergebracht, später wechselten sich Nachtlokale ab bis schließlich eine Pizzeria dort ihren Standort fand.


Quellen:

Text Heinz Kernjak,
Klaus Lukas, Die Indianer vom Wörthersee, Memoiren-Verlag, 2013
Helga Duffek-Kopper, Die Villa Mathilde, Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt, 1991
Kleine Zeitung 1.10.1970
Cur- und Fremdenzeitung von 1894
Fotos: Krumpendorfchronik, Wikipedia

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